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Festung Masada
Masada (altgriechisch Μασάδα Masada, neuhebräisch מְצָדָה Metzada) ist eine archäologische Stätte im Südbezirk in Israel. Auf einem Gipfelplateau am Rand der Judäischen Wüste, hoch über dem Toten Meer, ließ sich Herodes eine Palastfestung erbauen.
Fertiggestellt wurde dieses königliche Refugium etwa 15 v. Chr. Die Architektur ist teils traditionell (östlich-hellenistisch), teils am Vorbild römischer Villen orientiert. Eine besondere Attraktion bot Herodes seinen Gästen mit Wasserluxus in Gestalt einer Thermenanlage und eines Schwimmbeckens.
Rund 70 Jahre später, während des Jüdischen Krieges, nutzten viele Menschen Masada als Fluchtfelsen. Archäologische Befunde zeigen einen von Armut geprägten Alltag und eine hohe Fluktuation der hier lebenden Bevölkerung. Kommen und Gehen war jahrelang möglich, bis die Legio X Fretensis unter Flavius Silva 73 oder 74 n. Chr. vor Masada erschien, die Festung mit einem Wall einschloss und eine Belagerungsrampe aufschüttete. Nach der Darstellung von Flavius Josephus gelang es den Römern schließlich, eine Bresche in die Außenmauer zu reißen. In aussichtsloser Lage habe der Befehlshaber von Masada, Eleasar ben Jaʾir, alle Rebellen davon überzeugt, mit ihren Frauen und Kindern Selbstmord zu begehen. Wie in antiken Geschichtswerken üblich, verfasste Josephus für Eleasar diese Reden. Fraglich ist, ob sich die Einnahme Masadas so abspielte, wie Josephus es beschreibt. Die archäologischen Befunde lassen sich nicht spannungsfrei mit den Angaben des Josephus kombinieren. Es gibt aber auch keinen Konsens über ein alternatives Szenario.
Rund 70 Jahre später, während des Jüdischen Krieges, nutzten viele Menschen Masada als Fluchtfelsen. Archäologische Befunde zeigen einen von Armut geprägten Alltag und eine hohe Fluktuation der hier lebenden Bevölkerung. Kommen und Gehen war jahrelang möglich, bis die Legio X Fretensis unter Flavius Silva 73 oder 74 n. Chr. vor Masada erschien, die Festung mit einem Wall einschloss und eine Belagerungsrampe aufschüttete. Nach der Darstellung von Flavius Josephus gelang es den Römern schließlich, eine Bresche in die Außenmauer zu reißen. In aussichtsloser Lage habe der Befehlshaber von Masada, Eleasar ben Jaʾir, alle Rebellen davon überzeugt, mit ihren Frauen und Kindern Selbstmord zu begehen. Wie in antiken Geschichtswerken üblich, verfasste Josephus für Eleasar diese Reden. Fraglich ist, ob sich die Einnahme Masadas so abspielte, wie Josephus es beschreibt. Die archäologischen Befunde lassen sich nicht spannungsfrei mit den Angaben des Josephus kombinieren. Es gibt aber auch keinen Konsens über ein alternatives Szenario.
1966 wurden der Tafelberg und das Umland mit dem römischen Belagerungskomplex zum israelischen Nationalpark erklärt. Am 14. Dezember 2001 nahm die UNESCO Masada in die Liste des Weltkulturerbes auf.


31° 18′ 55.06″ N, 35° 21′ 13.49″ E
Der antike Name des Ortes lautete in den Texten von Wadi Murabbaʿat reichsaramäisch מצדא Metzadaʾ und in der Kupferrolle von Qumran hebräisch המצד haMetzad; beide Bezeichnungen haben die gleiche Bedeutung: „Berghöhe, Bergfestung.“ In geradezu idealer Weise entspricht der Tafelberg von Masada den Erfordernissen eines Fluchtfelsens, auf den sich die Bevölkerung in Notzeiten zurückziehen konnte. Er ist also sehr treffend benannt. Josephus transkribierte den aramäischen Namen ins Griechische, Metzadaʾ wurde so zu Masada.
Die archäologische Stätte Masada befindet sich auf dem Plateau eines isolierten Tafelbergs aus Dolomit der Oberkreide (Cenomanium-Turonium) am östlichen Rand der Judäischen Wüste. Er gehört zu den Heʿetekim-Klippen, die das Tal des Toten Meeres an der Westseite begrenzen. Als relativ junger, wenig erodierter Horst am Rande einer tektonischen Platte ist er auch geologisch interessant. Er hat annähernd die Grundfläche einer Raute, die Diagonalen messen etwa 600 m in der Länge und 300 m in der Breite. Das Gipfelplateau erhebt sich etwa 450 m über dem Westufer des Toten Meeres. Auf der Westseite beträgt der Höhenunterschied allerdings nur 75 m.
Zwei Wadis entspringen auf der untersten Stufe der Judäischen Wüste und laufen von Westen auf den Tafelberg von Masada zu. Wadi Nimre (Nachal Ben Jaʾir) umgeht den Berg im Norden, Wadi Sebbe (Nachal Metzada) im Süden; sie bilden sodann, „jäh über einem Katarakt abstürzend, eine 200 m tiefe Klamm mit fast senkrechten Wänden.“ Während der Tafelberg von der Ostseite nur schwer zugänglich ist, ist seine Westseite weniger steil. Er ist dort durch einen etwa 200 m breiten Sattel zwischen Wadi Nimre und Wadi Sebbe mit den Höhen der Judäischen Wüste verbunden.
Die historischen Verkehrsverbindungen nach Masada entstanden während des Jüdischen Krieges; 1932 stellte Adolf Schulten hierzu fest: „Noch heute sind die Straßen vorhanden und gangbar, die Silva damals gebaut hat, um sich mit allem zur Belagerung Nötigen zu versehen.“ Dieses Wegenetz wird deshalb im Rahmen des römischen Belagerungskomplexes genauer vorgestellt.
Archäobotaniker identifizierten im Fundspektrum von Masada Pflanzen, die bis heute hier wachsen: Die Sträucher Anabasis articulata, Hammada salicornica und Zygophyllum dumosum konnten den antiken Bewohnern als Brennmaterial dienen. In den benachbarten Wadis wuchsen damals wie heute Akazien (Acacia raddiana, Acacia tortilis, jetzt beide Arten als Vachellia tortilis bekannt) und Tamarisken (Tamarix). Rohrkolben (Typha), Schilfrohr (Phragmites) und Pfahlrohr (Arundo) fanden in der Antike in der Umgebung der Badeanlagen auf dem Gipfelplateau die nötige Feuchtigkeit.
In Masada und Umgebung sind verschiedene Tierarten der Judäischen Wüste anzutreffen, insbesondere Vögel. Dazu gehört der Tristramstar (Onychognathus tristramii), der in Masada an Touristen gewöhnt ist und sich aus der Nähe beobachten lässt. Ein ähnliches Verhalten zeigt der etwa sperlingsgroße Schwarzschwanz (Oenanthe melanura). Außerdem gibt es im Masada-Nationalpark Rabenvögel wie den Borstenraben (Corvus rhipidurus) und den Wüstenraben (Corvus ruficollis).
Exemplare des Nubischen Steinbocks (Capra nubiana) werden im Masada-Nationalpark ebenfalls häufig beobachtet.


Bis auf kurze Notizen bei Strabon und Plinius dem Älteren sind zwei Schriften des Flavius Josephus die Quellen für die Geschichte von Masada: Jüdische Altertümer und Jüdischer Krieg. Für die Zeit des Herodes konnte Josephus die verlorene Universalgeschichte des Nikolaos von Damaskus nutzen. Josephus befand sich in Rom, während Masada belagert und erobert wurde. Er ist also kein Augenzeuge dieser Ereignisse, konnte aber möglicherweise die Berichte römischer Kommandeure einsehen.
Josephus beschreibt die Bauten von Masada nicht im Zusammenhang mit der Regierung des Herodes, sondern als Schauplatz des Jüdischen Krieges. Unklar ist, ob er den Ort aus eigener Anschauung kannte. Josephus macht keinerlei Angaben darüber, dass es zwei große Paläste gab. Nach Achim Lichtenberger ist Josephus’ Palastbeschreibung vage und erinnert an einen typischen hellenistischen Herrscherpalast, eine viertürmige Burg ähnlich der Burg Antonia in Jerusalem. Ungenau ist auch die Beschreibung der Innenräume. Josephus schreibt von monolithen Säulen und Steinpflasterung von Wänden und Fußböden; was er gemeint haben kann, sind die stuckierten Säulen und die Marmorinkrustationen nachahmende Wanddekoration des 2. Pompejanischen Stils (Architekturstil). Ähnliche Versatzstücke gibt es aber auch in anderen Palastbeschreibungen des Josephus. Ehud Netzer erwägt, dass Josephus den Nordpalast aus einiger Entfernung gesehen habe – und von unten, so dass ihm die Terrassenmauern wie Türme erschienen seien. Ob es in der Jerusalemer Oberschicht, der Josephus angehörte, eine Kenntnis der Bauten auf dem Plateau gab, hängt auch davon ab, wie Herodes Masada nutzte. Wenn er hier Regierungsgeschäfte tätigte, ist das anzunehmen, wenn es ein privater Rückzugsort für Notfälle war, weniger.
Masada in der Zeit der Hasmonäer
Josephus zufolge ließ der hasmonäische Hohepriester Jonathan als erster auf dem Plateau von Masada eine Festung (altgriechisch φρούριον phrúrion) errichten. Man identifiziert diesen Jonathan meist mit Alexander Jannäus (103–76 v. Chr.). Die vorherodianische Bebauung von Masada geht aus den Angaben bei Josephus hervor und steht auch nicht in Frage, aber archäologische Belege gibt es dafür bisher keine.
In der instabilen politischen Situation nach der Ermordung von Herodes’ Vater Antipatros (42 v. Chr.) besetzte ein Gegner Masada, die stärkste hasmonäische Festung. Herodes gewährte ihm freien Abzug und nahm so Masada ein. Im Jahr 40 v. Chr. eroberten die Parther Judäa und installierten Antigonos Mattathias als Hohepriester. Herodes gelang die Flucht nach Idumäa. Dort ließ er seine Familie im Schutz einer militärischen Einheit von 800 Mann auf Masada zurück. Vergeblich bat Herodes den König der Nabatäer und die ägyptische Königin Kleopatra VII. um Hilfe. Er reiste dann auf dem Seeweg nach Rom. Von Marcus Antonius protegiert, erhielt er die Unterstützung des Senats. Dieser verlieh ihm den Titel „König von Judäa“ und beauftragte ihn, gegen die Parther und Mattathias Krieg zu führen. Unterdessen belagerte Mattathias Masada. Die Besatzung der Festung kam durch Wasserknappheit zeitweise in eine bedrohliche Lage, die sich durch einen Starkregen entschärfte. Deutlich wird hier die Abhängigkeit Masadas von Zisternen. Herodes kehrte nach Judäa zurück, entsetzte Masada und führte den Krieg erfolgreich weiter.
Palastfestung des Herodes
Herodes war ein jüdischer Klientelkönig Roms. In seinem Regierungshandeln suchte er verschiedene Faktoren zu verbinden:
Er wollte als observanter Jude wahrgenommen werden. Deshalb ließ er den Tempel neu bauen und baute die jüdischen Heiligtümer in Hebron (Machpela) und Mamre aus. Er beachtete bei der Dekoration seiner Paläste wie auch bei den Motiven seiner Münzprägungen das Bilderverbot der Tora.
Er zeigte sich als hellenistischer Herrscher: sieghaft und reich. Reichtum ließ sich durch Bauprojekte gut darstellen, Sieghaftigkeit im Rahmen der Pax Romana nur bedingt. Palastfestungen wie Masada unterstreichen immerhin die Wehrhaftigkeit des Herodes.
Er pflegte seine guten Beziehungen nach Rom und kommunizierte an die Untertanen, dass die Macht Roms hinter ihm stand. Typisch römische Villenarchitektur oder Thermen passten in dieses Bild, auch wenn die Benennung von großen Bauprojekten als Antonia (nach Marcus Antonius) und Caesarea für die Zeitgenossen sicher eine deutlichere Ansage waren.
Folgt man Josephus, so ließ Herodes Masada als seine private Fluchtburg (altgriechisch ὑποφυγή hypophygḗ) ausbauen, sowohl für den Fall eines Aufstands der eigenen Bevölkerung wie auch gegen eine Bedrohung durch die ägyptische Königin Kleopatra VII. Nach der Schlacht bei Actium begab sich Herodes nach Rhodos, um dem Sieger Oktavian seine Aufwartung zu machen. Er brachte zuvor einen Teil seiner Familie auf Masada unter; anscheinend war dort mittlerweile eine sichere und standesgemäße Residenz entstanden. Nach dem Tod des Herodes fiel Masada an Herodes Archelaos. Er wurde im Jahr 6 n. Chr. abgesetzt. Danach war wahrscheinlich eine römische Garnison in Masada stationiert.
Schauplatz des Jüdischen Krieges
Im Hochsommer des Jahres 66 n. Chr., in der Anfangsphase des Jüdischen Krieges, nahm eine Gruppe von Zeloten unter Führung des Menahem Masada im Handstreich ein. Sie töteten die römischen Soldaten und verteilten die gelagerten Waffen. Menahem zog mit seinem Gefolge nach Jerusalem. Dort wurde er zum Anführer einer der Bürgerkriegsfraktionen, unterlag aber im internen Machtkampf der Zeloten und wurde getötet. Wer sich von seinen Leuten retten konnte, floh nach Masada. Diese Gruppe bezeichnet Josephus im weiteren Verlauf konsequent als Sikarier. Es handelt sich nicht um eine Selbstbezeichnung, sondern um eine Begriffsprägung der römischen Behörden für Extremisten, die im Vorfeld des Krieges Anschläge auf jüdische Kollaborateure ausgeführt hatten (lateinisch sicarii von sica „Dolch“). Mit dem Rückzug nach Masada hatte sich diese Gruppe selbst aus dem Spiel genommen und auf die kriegsentscheidenden Kämpfe um Jerusalem keinen Einfluss mehr. Die Sikarier kämpften nicht gegen die römische Armee, sondern gegen andere Juden – so stellt es Josephus dar.
Der Befehlshaber der Festung war Menahems Neffe Eleasar ben Jaʾir. Im Winter 67/68 unternahmen die Sikarier von Masada aus Überfälle auf benachbarte Orte und ermordeten während des Pessachfestes im Frühjahr 68 in En Gedi Hunderte von Juden. Zwar könnte Josephus diese Angabe fingiert haben, um die Besatzung von Masada in möglichst schlechtem Licht zu zeigen; doch derartige Beutezüge machten Sinn, um die Magazine von Masada mit Lebensmitteln zu füllen. Josephus erwähnt auch, dass Simon bar Giora, einer der Anführer der Zeloten, zeitweilig aus Jerusalem verdrängt wurde und mit seinen Leuten in Masada Zuflucht fand. Danach waren Bar Gioras Zeloten mit Streifzügen in Südjudäa und Idumäa aktiv. „Diese Episoden verdeutlichen schlaglichtartig die starke Fluktuation unter den Bewohnern Masadas,“ kommentiert Jodi Magness.
Der Krieg war nach dem Fall Jerusalems (70 n. Chr.) entschieden. Dass Masada Jahre später zum Ziel einer aufwändigen römischen Militäraktion wurde, lag möglicherweise an der wirtschaftlichen Attraktivität der Balsamplantagen von En Gedi. Masada eignete sich als Basis für Beutezüge in die Umgebung; eine solche Bedrohung En Gedis konnte nicht toleriert werden, vermutet Guy Stiebel. Im Jahr 73/74 n. Chr. wurde Masada von der Legio X Fretensis sowie knapp 4000 Auxiliarsoldaten unter dem Befehlshaber Flavius Silva belagert. Die Datierung ist in der Forschung umstritten. Mit guten Gründen plädierte Werner Eck schon 1969 dafür, dass Flavius Silva frühestens im März 73 n. Chr. Statthalter von Judäa geworden sei und demnach die Eroberung von Masada nicht schon im April 73 erfolgt sein könne. Daher müsse die Eroberung Masadas auf das Frühjahr des nächsten Jahres, April 74 n. Chr., datiert werden. Die Ansetzung im April geht auf Josephus, Jüdischer Krieg 7,401, zurück: Der Monat Xanthikos entspricht etwa dem März/April. Im Gegensatz zu anderen Belagerungen während des Jüdischen Krieges unterlässt es Josephus in auffallender Weise, von den Verteidigern Masadas wirkungsvolle Gegenwehr zu berichten. Ihre zahlenmäßige Unterlegenheit machte es für die Verteidiger Masadas allerdings unmöglich, einen Ausfall zu unternehmen, das effektivste Mittel gegen den Bau einer Belagerungsrampe.
Nach Josephus war die Belagerungsrampe nach ihrer Fertigstellung 100 m hoch und erhielt eine solide Steinpflasterung auf einer Fläche von 25 × 25 m. Darauf wurde ein metallverkleideter, 30 m hoher Belagerungsturm in Stellung gebracht. Die Besatzung des Belagerungsturms attackierte mit Wurfgeschossen und Ballisten Ziele in der Festung und zwang die Verteidiger dadurch, sich von der Außenmauer zurückzuziehen. Nun griffen die Römer diese Kasemattenmauer mit einem Rammbock direkt an und rissen eine Bresche hinein. Die Verteidiger hatten dahinter einen Wall aus Holz und Erde errichtet; Flavius Silva ließ diese Konstruktion in Brand setzen. Die Festung war nun wehrlos, und die Römer zogen sich, so Josephus, bis zum nächsten Morgen zurück.

Shaye Cohen stellt fest, dass Josephus wie jeder antike Historiker die Freiheit hatte, die ihm bekannten Fakten literarisch zu gestalten. Dass die Soldaten sich bis zum nächsten Morgen zurückzogen, sei nicht nachvollziehbar. Einbrechende Dunkelheit stellte kein Hindernis bei der Einnahme einer Festung dar. Aber nur durch den von Josephus möglicherweise fingierten Rückzugsbefehl erhält Eleasar ben Jaʾir Gelegenheit für zwei Reden, von denen erst die zweite seine Mitstreiter wirklich überzeugt: Der Freitod bewahre die Frauen vor der Vergewaltigung, die Kinder vor der Sklaverei. Zuvor sollten die Schätze und die Festung in Brand gesetzt werden, denn die Römer würden sich „ärgern“, wenn sie keine Beute machen könnten. Bis zum Morgen blieb Zeit für die in der Darstellung des Josephus einmütig und organisiert vollzogenen Zerstörungs- und Tötungsaktionen, in denen die Sikarier laut Josephus „die Probe ihrer Tapferkeit (altgriechisch ἀνδρεία andreía) und ihres rechten Wollens (altgriechisch εὐβουλία euboulía)“ sahen.
„So warfen sie schnell den ganzen Besitz zu einem Haufen zusammen und legten Feuer an ihn. Durchs Los wählten sie darauf zehn Männer aus ihrer Mitte; sie sollten die Mörder aller anderen sein. Dann legte sich ein jeder neben die schon dahingestreckten Seinen, die Frau und die Kinder, schlang die Arme um sie und bot schließlich den Männern, die den unseligen Dienst auszuführen hatten, bereitwillig die Kehle. Ohne Wanken mordeten jene alle insgesamt; darauf bestimmten sie dasselbe Gesetz des Loses auch für sich untereinander. … Der einsame Letzte aber überschaute ringsum die Menge der Dahingestreckten. … Als er erkannte, daß alle getötet seien, legte er an vielen Stellen Feuer an den Palast. Dann stieß er mit geballter Kraft das Schwert ganz durch seinen Körper und brach neben den Seinen zusammen.“
– Josephus: Jüdischer Krieg 7,394–397
960 Menschen starben; zwei Frauen und fünf Kinder, die sich versteckt hatten, überlebten und waren Zeugen der Geschehnisse. (Die Rede von kollektivem Selbstmord ist üblich, aber ungenau: Nur der Letzte beging Selbstmord im eigentlichen Sinn, und über den Tod der Frauen und Kinder entschieden andere.) Die Legionäre bahnten sich am nächsten Morgen einen Weg durch die brennenden Ruinen. Sie besichtigten den Palast und die Leichen. Flavius Silva ließ eine Garnison in Masada und kehrte zurück nach Caesarea Maritima. Soweit der Bericht des Josephus.

Cohen schlägt ein anderes, chaotisches Szenario vor: Einige Familien begingen Selbstmord, einige Sikarier setzten die Gebäude an mehreren Stellen in Brand, manche stellten sich zum Kampf, andere versteckten sich. Die vorrückenden Legionäre töteten, wen sie fanden. Josephus, mittlerweile in Rom, improvisierte mit den für ihn verfügbaren Informationen seine Geschichte. Eine zentrale Rolle kommt Eleasars Reden zu. Sie enthalten neben den oben genannten Motiven für den Freitod noch andere Erwägungen, die Josephus offenbar wichtig waren.
„Er wollte, dass Eleasar als Anführer der Sikarier die volle Schuld für den Krieg übernahm, dass er seine Politik als falsch erkannte, dass er bekannte, mitsamt seinen Leuten gesündigt zu haben, und den blasphemischen Gedanken aussprach, Gott habe sein Volk nicht nur gestraft, sondern verworfen. Durch die eigenen Worte schuldig gesprochen, bringen sich Eleasar und seine Leute dann selbst um und stehen so für das Schicksal aller, die es ihnen nachmachen und Rom Widerstand leisten.“
Byzantinische Zeit
Das frühchristliche Mönchtum entstand in Ägypten. In der Judäischen Wüste entwickelte sich aber schon bald eine Klosterlandschaft eigener Prägung, einerseits von der Nähe zu Ägypten beeinflusst, andererseits vom Pilgerverkehr nach Jerusalem und Bethlehem. Im 6. Jahrhundert gab es etwa 65 Klöster in der Judäischen Wüste. Auch die Ruinen herodianischer Wüstenpaläste waren von Mönchen besiedelt: in Herodion hieß ihre Niederlassung Castellum, in Masada wahrscheinlich Marda.
„[Es heißt, dass Euthymius von Melitene um 420] den Weg in die südliche Wüste entlang des Toten Meeres unter die Füße nahm und zu einem hohen Berg mit Namen Marda … kam, der von den anderen Bergen abgetrennt war. Dort fand er ein eingestürztes Wasserbecken, stellte es wieder instand und blieb dort. Er ernährte sich von den Pflanzen, die er fand, … baute als erster an diesem Ort eine Kirche … und darin einen Altar.“
– Kyrillos von Skythopolis: Vita Euthymii
Im 7. Jahrhundert, unter islamischer Herrschaft, nahm die Zahl der Klöster ab, obwohl einige bis in die Gegenwart überdauerten, darunter das Kloster St. Georg im Wadi Qelt und Mar Saba im Kidrontal.
Das Kloster St. Georg (auch Kloster von Choziba, Deir Mar Jariys, griechisch Μονή Αγίου Γεωργίου του Χοζεβίτη oder kurz Μονή Χοζεβά, arabisch دير القديس جورج) ist ein Kloster im Wadi Qelt in der Wüste Juda im Westjordanland. Ursprünglich der Theotokos geweiht, trägt es heute den Namen seines berühmtesten Mönches, Georg von Choziba. Es liegt etwa 20 km östlich von Jerusalem und 5 km westlich von Jericho.

Identifikation des Ortes, Kartographie und erste Sondierungen
Edward Robinson und Eli Smith bereisten 1837–1838 Palästina und angrenzende Länder mit dem Ziel, biblische und antike Orte zu identifizieren. Von En Gedi aus betrachteten die beiden am 11. Mai 1838 eine pyramidenförmige, steil über dem Toten Meer aufragende Klippe mit abgeflachtem Gipfel. Dort befanden sich Ruinen, die von den Arabern es-Sebbe genannt wurden. Mit dem Teleskop erkannte Robinson „ein Gebäude auf ihrem N. W. Theile und auch Spuren von andern Gebäuden weiter östlich.“ Zunächst hielten sie die Anlage für ein altes Kloster. Dann zogen sie Josephus’ Beschreibung von Masada hinzu und identifizierten es-Sebbe mit dieser antiken Stätte.
Der Missionar Samuel W. Wolcott und der Maler William J. Tipping erstiegen das Hochplateau im Jahr 1842 und lieferten die ersten Nahbeschreibungen und Zeichnungen der Ruinen. Weitere Forschungsreisende folgten ihrem Beispiel. Vor Beginn der archäologischen Grabungen war die Ruine der byzantinischen Kirche der Blickfang auf dem Gipfelplateau. Da sie arabisch ḳasr (Burg) genannt wurde, identifizierten mehrere Reisende sie mit dem Palast des Herodes; entsprechend sorgfältig wurde sie vermessen. Louis Félicien de Saulcy entfernte 1851 Teile des Bodenmosaiks aus dem Kirchenschiff; sie befinden sich heute im Louvre. Im Rahmen des Survey of Western Palestine fertigte Claude Reignier Conder 1875 exakte Pläne des Geländes an.
Alfred von Domaszewski und Rudolf Ernst Brünnow bereisten 1897/98 den Nahen Osten, um Informationen über die römische Provinz Arabia Petraea zu sammeln. Im Februar 1897 besuchten sie Masada. Domaszewski begann mit einer Bestandsaufnahme des römischen Belagerungskomplexes; die Zeit reichte aber nur für die Untersuchung eines der Lager. Adolf Schulten verbrachte im März 1932 einen Monat mit der Untersuchung von Masada, wobei er aber nur zweimal einen Aufstieg zum Gipfelplateau unternahm und die übrige Zeit der römischen Belagerungstechnik widmete. Schulten war ein Fachmann auf diesem Gebiet; er hatte zuvor die Römerlager von Numantia (Spanien) ausgegraben.
1955 und 1956 führten die Israel Exploration Society, die Hebräische Universität Jerusalem und die Israelische Altertümerverwaltung in jeweils 10 Tagen erste Geländeaufnahmen mit einem Expertenteam unter Leitung von Nahman Avigad durch. Einerseits wurden in der knappen Zeit detaillierte Karten des Plateaus erstellt, andererseits die Fundamente eines runden Gebäudes auf der mittleren Terrasse des Nordpalastes ausgegraben.
Archäologische Untersuchungen
Ein Team unter Leitung von Yigael Yadin führte in zwei Kampagnen vom Oktober 1963 bis Mai 1964 und von November 1964 bis April 1965 umfangreiche Ausgrabungen auf dem Gipfelplateau von Masada durch. Im Anschluss daran veröffentlichte Yadin ein populäres Buch über Masada und einen wissenschaftlichen Vorbericht. Ein Abschlussbericht erschien allerdings bis zu Yadins Tod 1984 nicht. Yadins Mitarbeitern Gideon Foerster und Ehud Netzer, Hebrew University, wurde danach die Durchsicht und Veröffentlichung des Materials übertragen; seit 1989 erschienen acht Bände des Abschlussberichts im Druck.
Zwischen 1995 und 2000 unternahmen Ehud Netzer und Guy Stiebel, Hebrew University, in geringem Umfang Ausgrabungen auf dem Gipfelplateau im Zusammenhang mit der touristischen Erschließung. Zu ihren spektakulärsten Funden gehört ein Amphorenfragment mit der Inschrift „Herodes, König von Judäa.“ Ebenfalls 1995 führte ein Team archäologische Untersuchungen der römischen Lager und der Belagerungsrampe durch (Gideon Foerster, Benjamin Arubas und Haim Goldfus, Hebrew University; Jodi Magness, Tufts University). Im Februar 2017 leitete Guy Stiebel, mittlerweile Tel Aviv University, eine neue Ausgrabung auf dem Gipfelplateau. Dabei wurde unter anderem die Zisterne der byzantinischen Mönchsgemeinschaft nahe der Kirche freigelegt.
Zugänge nach Masada
Als Herodes damit begann, Masada zur Palastfestung auszubauen, erfolgte der Zugang wahrscheinlich nur über zwei Saumpfade, einer von Westen, der andere (der sogenannte Schlangenpfad) von Osten. Der westliche Zugang könnte älter und vorherodianisch sein.
In Friedenszeiten gab es danach an der Westseite einen gut ausgebauten Weg zu den Palästen des Herodes; er wurde von der römischen Belagerungsrampe größtenteils überdeckt. Der obere Teil des herodianischen Weges war aber bis zu einem schweren Erdbeben 1927 noch vorhanden. So stiegen die Reisenden des 19. Jahrhunderts auf der römischen Belagerungsrampe empor und nutzten für das letzte Stück diesen alten Weg, bis er 1927 abstürzte. Yigael Yadins Ausgrabungsteam hatte sein Lager am Fuß des Berges aufgeschlagen. Die Archäologen und Volontäre stiegen auf der römischen Rampe zum Grabungsgelände auf dem Plateau; Pioniere der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte hatten eine Treppe gebaut, die den weggebrochenen antiken Weg ersetzte.
Der schon von Josephus beschriebene Schlangenpfad war an eine Route angebunden, die nach En Gedi und zum Toten Meer führte, das in der Antike mit Booten befahren wurde.

Wasserversorgung
Der jährliche Niederschlag beträgt an den Hängen des südlichen Jordantals im langjährigen Mittel 50–100 mm; er fällt von November bis März. Da man keine Quelle nutzen konnte, hing die Wasserversorgung der Menschen auf dem Plateau von Masada vor allem von Zisternen ab. Den antiken Ingenieuren stellten sich zwei Herausforderungen: Wasser aus den regenreichen Wintermonaten in die regenlosen Sommermonate zu transferieren und außerdem Jahre mit geringen winterlichen Niederschlagsmengen auszugleichen. Die wichtigste Ressource, die diese Ingenieure nutzten, waren die beiden Wadis, die am Tafelberg von Masada vorbeiführten: Wadi Nimre (Nachal Ben Jaʾir) im Norden, Wadi Sebbe (Nachal Metzada) im Süden. Wenn sie sich durch winterliche Regenfälle mit Wasser füllten, wurde es durch heute nicht mehr vorhandene Dämme aufgestaut und durch offene Kanäle in zwei Gruppen großer Zisternen an der nordwestlichen Flanke des Berges geleitet. Diese Zisternen hatte man aus dem anstehenden Dolomitgestein herausgeschlagen, wobei der Ausbruch auch als Baumaterial weiter verwendet werden konnte. Es gab 12 Vorratszisternen an der Flanke des Berges, die mit hydraulischem Mörtel verputzt waren; eine Treppe führte jeweils bis zum Grund. Die obere Zisternengruppe wurde durch einen Pfad erschlossen, der am Nordtor endete; der Pfad, der die untere Zisternengruppe verband, mündete in den Schlangenpfad, der zickzackförmig an der Ostseite des Berges emporstieg und am Osttor endete. Ein Turm auf halber Höhe des Hanges schützte dieses Wassersystem. Auf den Saumpfaden beförderten Lasttiere lederne Wassersäcke, die aus den Zisternen am Hang befüllt worden waren, auf das Plateau. Dort wurde das Wasser in die über die ganze Anlage verteilten Bassins und Zisternen umgefüllt. Insgesamt konnten auf Masada 48.000 m3 Wasser gespeichert werden, das heißt, 1000 Bewohnern hätten ein Jahr lang täglich 130 Liter Wasser pro Person zur Verfügung gestanden. Diese effektive Vorratshaltung ermöglichte es Herodes und seinen Gästen, Wasserluxus in Gestalt von Schwimmbecken und Thermen zu genießen.

Bauten aus der Zeit des Herodes
Nach Ehud Netzer lassen sich nach Analyse der Stratigraphie sowie der Architektur „mit der größten Plausibilität, versuchsweise“ drei Ausbauphasen unterscheiden:
Erste Bauphase, ungefähr 35 v. Chr.: Innerer Bereich des Westpalastes (19a), drei zentral gelegene kleine Paläste; im Süden des Plateaus ein großes Schwimmbecken; zwei Verwaltungs- und Versorgungsbauten im Norden. Die Anlage war zu diesem Zeitpunkt nur durch ihre Lage auf dem Tafelberg und drei sogenannte Kolumbarium-Türme geschützt. Schwimmbecken und Kolumbarium-Türme sind Elemente, die man auch in der hasmonäischen Palastanlage in Jericho findet. Herodes ließ hier also im traditionellen Stil jüdischer Könige bauen. Dieser Eindruck wird durch die Ähnlichkeit der Raumaufteilung mit den Palastanlage in Jericho verstärkt.


Zweite Bauphase, ungefähr 25 v. Chr.: Fertigstellung der Hauptbauten: des auf drei Ebenen angelegten Nordpalastes samt Thermen und Magazinen sowie des Westpalastes, der durch Anbauten vergrößert wurde. Im Norden des Plateaus war nun eine Akropolis entstanden. Ein Torhaus kontrollierte den Pfad, der zu Zisternen an der nordwestlichen Flanke des Berges führte. Die Zuordnung der beiden Paläste ist nicht eindeutig. Plausibel wäre, dass der Nordpalast Herodes’ privater Wohnbereich war, während der Westpalast offiziellen Empfängen sowie der Unterbringung von Gästen diente. Die Architektur würde dann auch eine Distanzierung des Herrschers von den übrigen Bewohnern des Plateaus zum Ausdruck bringen. Aber der Nordpalast war mit seiner ungewöhnlichen Architektur jedenfalls geeignet, Gäste zu beeindrucken. Der in älterer hasmonäischer Bautradition stehende Westpalast sollte vielleicht „eine andere Personengruppe ansprechen als der exquisite Nordpalast mit seinen römisch-hellenistischen Bauformen.“
Dritte Bauphase, ungefähr 15 v. Chr.: Nun erst wurde das gesamte Plateau mit einer Kasemattenmauer umschlossen und der Nordpalast von den übrigen Bauten auf dem Plateau deutlich isoliert. Zu diesem Zeitpunkt war die Herrschaft des Herodes gefestigt; das aber bedeutet: es handelt sich hierbei in erster Linie um einen Prestigebau, die militärische Bedeutung der Kasemattenmauer hatte keine Priorität.
Netzer ordnet Masada in ein Gesamtbild herodianischen Bauens in der Region ein, besonders die Bauten im nahegelegenen Jericho lassen sich vergleichen. Achim Lichtenberger übernimmt die von Netzer vorgeschlagenen drei Bauphasen Masadas und datiert ausgehend von Beobachtungen an der Architektur des Nordpalastes die zweite Bauphase vorsichtig in die Zeit nach dem Treffen des Herodes mit Oktavian (30 v. Chr.). Der erhebliche Aufwand, der hier getrieben wurde, und der Einfluss römischer Architektur passe zu einer Zeit, in der Herodes seine Herrschaft gesichert und stabile Beziehungen nach Rom aufgebaut hatte.
Westpalast
Der große Westpalast hatte eine Grundfläche von etwa 4000 m2. Er stellte sich bautypologisch in eine hasmonäische oder östlich-hellenistische Tradition. Charakteristisch dafür sind die Abgeschlossenheit der Anlage nach außen, die Multifunktionalität der Räume (Wohnen, Repräsentation, Service, Magazin) und die künstlerische Ausführung des Bodenmosaiks und der Wanddekoration.

Der herrschaftliche Trakt des Westpalastes wurde bereits in der ersten Bauphase geschaffen und war zu diesem Zeitpunkt der einzige Wohnbereich des Herrschers. Er besaß mindestens ein weiteres Stockwerk. Dieser Wohn- und Repräsentationsbau hatte eine Grundfläche von etwa 28 m × 23,5 – 24,5 m (die westliche Außenwand weicht aus unbekannten Gründen etwas von der rechtwinkligen Anlage ab). Ein Besucher betrat diesen Palast von der Nordseite durch eine Abfolge von zwei Wachräumen und stand dann in einem offenen Innenhof (12 × 10,5 m). Gegenüber, an der Südseite, sah er einen Empfangsraum (7 × 6,7 m), der sich als gedeckter Portikus in Gestalt eines Distylon in antis zum Innenhof öffnete. Die ionischen Säulen und Pilaster waren stuckiert und schwarz und rot gestrichen. Die schattige Lage machte den Aufenthalt hier recht angenehm, so dass Netzer vermutet, hier habe Herodes üblicherweise seine Gäste empfangen, und nur bei extremen Wetterbedingungen sei man in den östlich anschließenden, sogenannten Thronraum ausgewichen. Drei Durchgänge verbanden diese beiden repräsentativen Räume miteinander. Vier Bodenvertiefungen in der hinteren Raumecke von B interpretierte Yadins Team als Standspuren eines Throns oder Baldachins. Nach Gideon Foerster und Ehud Netzer ist es allerdings unwahrscheinlich, dass der König in einer Ecke sitzend seine Gäste empfing. Sie interpretieren die Standspuren als Hinweis auf einen Schautisch, wie er in hellenistischen Palästen vorkam. Auf einem derartigen Tisch präsentierte man etwa luxuriöses Tafelgeschirr, um es von den Gästen bewundern zu lassen.
Der Thronraum hatte an seiner Nordseite einen weiteren Zugang. Hier schloss ein kleiner Flur an, der zu einem Nebenraum (möglicherweise zur Aufbewahrung zeremonieller Kleidung) und zum sogenannten Mosaikraum führte. Die Funktion des durch ein Distylon in antis zweigeteilten Mosaikraums (8,0 × 5,0 m) war offensichtlich die eines Durchgangsraums: man gelangte von hier aus in den Innenhof, konnte den Palast durch einen Hinterausgang verlassen oder auf der rückwärtigen Treppe ins Obergeschoss emporsteigen. Aber die prächtige Ausstattung lässt vermuten, dass der Mosaikraum auch repräsentative Aufgaben erfüllen konnte. Auf der gegenüberliegenden, westlichen Seite des zentralen Innenhofs lagen Wohnräume, deren Funktion nicht näher bestimmt werden kann, während die Räume an der Nordseite des Innenhofs teils Wirtschaftsräume waren, teils (in der Nordostecke) eine kleine Badeanlage im „griechisch-jüdischen Stil“ bildeten. Die Raumaufteilung des Obergeschosses kann erschlossen werden; hier lagen vermutlich Schlafräume.
In der zweiten Bauphase wurden dem Westpalast zwei Wirtschaftsflügel angefügt. Der mit einer Grundfläche von 35 × 22 m größere Wirtschaftsflügel, ein Trakt mit etwa 20 Räumen um einen Innenhof, wurde im Norden angebaut. Zwei Einheiten konnten nur durch einen Wachraum betreten werden und waren so zur Aufbewahrung wertvoller Objekte geeignet. In andern Räumen dieses Traktes könnten sich Werkstätten befunden haben. Der zweite, 20 × 15 m messende Wirtschaftsflügel befand sich nordwestlich des herrschaftlichen Wohntraktes und dürfte vor allem der Speisenzubereitung gedient haben. Der Hauptzugang zum „alten“ Westpalast verlief nun zwischen den beiden neuen Wirtschaftsflügeln.
In der dritten Bauphase wuchs der Westpalast weiter und erhielt nun im Westen und Süden vier Magazinräume. Drei hatten eine Länge von 27 m, der vierte, 56 m lang, ist der größte Lagerraum von Masada. In der nordwestlichen Ecke des Palastes kamen zwei Trakte hinzu, der eine ein Wirtschaftstrakt, vielleicht die zentrale Küche, der andere ein Wohntrakt (, vielleicht für den Offizier der Palastwache.
Drei kleine Paläste
Die drei kleinen Paläste entstammen der ersten Bauphase und zeigen eine ähnliche Raumaufteilung wie der gleichzeitig gebaute königliche Trakt des Westpalastes. Alle besitzen sie einen offenen Innenhof mit einem an der Südseite gelegenen, deshalb schattigen offenen Empfangsraum mit Distylon in antis, dem sich in der südöstlichen Ecke ein geschlossener Empfangsraum anschließt. Gemeinsam ist all diesen Palastanlagen der ersten Bauphase, dass es keine Fenster gibt, die Ausblicke in die Landschaft gewähren könnten. Auch scheint ihre Verteilung auf dem Plateau allein topographischen Gegebenheiten zu folgen; die Paläste wirken isoliert und verbinden sich nicht zu einem Ensemble. Konzipiert waren die drei kleinen Paläste wohl für Mitglieder der königlichen Familie sowie für Gäste, die Herodes auf Masada empfing.
Schwimmbecken
Mit ihren ausgedehnten Schwimmbecken waren die Palastanlagen der Hasmonäer innovativ. Der Winterpalast in Jericho besaß deren sieben, die teilweise gleichzeitig in Gebrauch waren. In einer Wüstenlandschaft gelegen, war allein schon die Befüllung der Becken eine technische Herausforderung, eine Demonstration von Wasserreichtum. Herodes stellte sich in diese Tradition. Für Masada ist hier ein Schwimmbecken der ersten Bauphase zu nennen. Die herodianischen und hasmonäischen Schwimmbecken sind sich sehr ähnlich: die Tiefe schwankt zwischen 2,5 bis 3 m, eine Beckenseite besitzt eine Treppenanlage, eine Art Bank führt ganz um den Rand des Beckens, und dieses ist mit hydraulischem Mörtel verputzt.
Kolumbarium-Türme
Drei Kolumbarium-Türme, zwei mit rechteckigem Grundriss, einer rund, gehören der ersten Bauphase an. Sie fallen durch zahlreiche Nischen in den Wänden des Erdgeschosses auf. Yadin versuchte durch ein Experiment zu klären, ob es sich hier um einen antiken Taubenschlag handelte. Da eine Haustaube das antike Kolumbarium nicht annahm, vertrat Yadin daraufhin die Ansicht, dass in den Nischen die Asche verstorbener Nichtjuden, die zur Entourage des Herodes gehörten, beigesetzt worden sei. Yadins Hypothese wird heute nicht mehr vertreten, denn mittlerweile ist viel mehr über die Taubenzucht bekannt, die in Judäa und besonders im Raum Jerusalem seit hellenistischer Zeit im großen Stil betrieben wurde. In Masada leistete die Taubenhaltung einen Beitrag zur Palastküche. Die drei Türme verbanden Taubenhaltung im Erdgeschoss und Wachräume im Obergeschoss.

Nordpalast
Das Nordende des Plateaus von Masada hat Ähnlichkeit mit einem Schiffskiel und besitzt von Natur aus drei stufenartig angeordnete Terrassen. Die mittlere Terrasse liegt 18 m tiefer als das Gipfelplateau, die untere Terrasse liegt weitere 12 m tiefer bzw. 30 m tiefer als das Gipfelplateau. Herodes’ Architekten machten sich diese Gegebenheiten zunutze und schufen eine spektakuläre Palastanlage, die sich zur umgebenden Landschaft öffnet. An der Nordseite des Berges gelegen, war dies auch ein im Wüstenklima angenehmer, schattiger Aufenthalt. Hier zeigt sich die römische Seite des herodianischen Bauens. Eine mehrstufige axiale Villenarchitektur findet man auch bei suburbanen Palästen und Meeresvillen der römischen Oberschicht und des Kaiserhauses.

Um die untere Terrasse für einen Palastbau nutzen zu können, musste an der nordöstlichen Ecke zunächst eine 12 m hohe Stützmauer aufgeführt werden. Die Bauten auf dieser Terrasse sind am besten erhalten. Hier ermöglichte ein rechteckiger Saal (10,3 m × 9,0 m) mit umlaufenden Kolonnaden Panoramablicke auf die umgebende Wüstenlandschaft. Man kann ihn sich gut als überdachtes Triclinium vorstellen. Die Säulen und Halbsäulen aus Kalkstein mit einer Kannelierung aus Stuck folgen der korinthischen Ordnung und stehen auf erhöhten Wandsockeln, die mit Fenstern abwechselten. Nach Bedarf konnte man diese Fenster wohl mit hölzernen Läden schließen. Die Zwischenräume der Halbsäulen waren mit Wandmalereien des 2. Pompejanischen Stils dekoriert. Foerster weist darauf hin, dass dieser Bankettsaal in der Tradition alexandrinischer Palastarchitektur steht. An der Ostseite gelangte man in ein kleines Badehaus G, an der Westseite ins Treppenhaus und auf diesem Weg hinauf zur mittleren Terrasse.
Die Bauten auf der mittleren Terrasse sind nur schlecht erhalten. Ehud Netzer deutet zwei konzentrische Fundamentkreise als Tholos, bzw. Saal mit Obergaden und umlaufender Ringhalle. Der äußere Kreis hat einen Durchmesser von etwa 15 m; der Abstand zwischen beiden Kreisen beträgt etwa 3 m. Wenn man Herodes zutraut, dass er seinen nichtjüdischen Gästen einen Kultort zur Verfügung stellen wollte, kann man den Rundbau als Aphrodite-Heiligtum verstehen. Alternativ kann es sich auch um ein Belvedere handeln. Gideon Foerster verweist auf runde Speiseräume in Vergina und Pella. Die südlich anschließende Exedra mit fünf Nischen wird als Bibliothek gedeutet; Netzer hält das für ausgeschlossen, da der Raum der Witterung ausgesetzt gewesen sei. Möglicherweise seien in den Nischen dekorative Objekte ausgestellt gewesen.
Auf der oberen Terrasse fanden die Bewohner Masadas eindeutig spätrepublikanisch-kaiserzeitliche Villenarchitektur vor: im Zentrum ein großer Oecus (11,5 m × 7,6 m), von dem an der West- und Ostseite je drei Privaträume (cubicula) abgingen. Sie besitzen geometrische schwarz-weiße Bodenmosaiken (Opus sectile) und Wandmalereien im 2. Pompejanischen Stil. Von Südosten gelangte man durch ein Vestibül in den Palast und hatte dann linker Hand Zugang zum Oecus und auf der gegenüberliegenden Seite einen weiten Ausblick in die Landschaft. Dazu diente ein Vorbau auf halbkreisförmigem Grundriss (Durchmesser 9 m). Nur geringe Reste sind erhalten, vor allem heruntergestürzte Säulentrommeln. Wahrscheinlich war dies eine Pergola mit Säulenportikus, eine Art Aussichtsplattform, zu der auch ein kleiner Garten gehört haben mag.



Südlich angrenzend an die obere Terrasse der Palastanlage befand sich eine große Thermenanlage in römischem Stil sowie Magazingebäude mit auffällig schmalrechteckigem Grundriss, schließlich Verwaltungsgebäude und Kasernen. Damit gab es am Nordende des Gipfelplateaus eine geschlossene Bebauung.
Große Thermen
Die Großen Thermen waren vom Nordpalast baulich getrennt. Wer diese luxuriöse Anlage besuchen wollte, musste deshalb nicht den Nordpalast betreten, auf dessen Abgeschiedenheit offenbar Wert gelegt wurde. Der Zugang hatte die Form einer Palästra (18 × 8,4 m), die an drei Seiten von Kolonnaden umgeben war. An ihrer Nordseite befand sich eine Exedra und daneben ein Becken, in das Stufen hinabführten. Es kann als natatio oder als Mikwe interpretiert werden. Der eigentliche Thermenbereich hatte eine Grundfläche von 17,5 × 11,5 m und war gegliedert in den Umkleideraum (Apodyterion), das Kaltwasserbassin (Frigidarium), in das Stufen hineinführten, den ausgemalten und gefliesten lauwarmen Raum (Tepidarium) und schließlich den größten Raum (6,8 × 6,6 m), die Heißwasser- und Heißluftanlage (Caldarium). Dieser Raum war überkuppelt, während die übrigen Räume Flachdecken hatten. Das Caldarium hatte zwei Nischen. In der einen, rechteckigen, fand der Badegast ein Wasserbecken aus Quarzit vor. In der anderen, auf halbkreisförmigem Grundriss, stand wohl ein marmornes Heißwasserbassin (labrum). Dieses ist nicht mehr vorhanden. Die Thermenanlagen des Herodes unterschieden sich von ihrem römischen Vorbild in der Gestaltung des Frigidariums. Ein Becken, in das Stufen hinabführten, nahm fast den ganzen Raum ein. Netzer nimmt an, dass dieses Becken auch als rituelles Tauchbad (Mikwe) genutzt wurde. Von der reichen Innenausstattung mit Bodenmosaiken und Fresken blieben Reste erhalten. Mit Ausnahme der Palästra wurden die Bodenmosaiken später durch Opus-sectile-Fußböden ersetzt. Die zum Betrieb einer Therme notwendigen technischen Anlagen und Nebenräume sind erhalten (Hypokaustum) bzw. als Abdrücke von Bleirohren im Befund erkennbar.
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Kasemattenmauer
Mit Ausnahme der Akropolis (Nordpalast, Große Thermen, Magazingebäude) umschloss die 1,290 km lange Kasemattenmauer mit ihren 27 Türmen das gesamte Plateau. Sie wurde in der dritten Bauphase errichtet und bezog die Torhäuser sowie zwei Kolumbarium-Türme der ersten Bauphase ein. Die Kasemattenmauer besteht aus einer 1,4 m breiten Außenmauer und einer 4 m davon entfernten Innenmauer. Die rund 70 Kasematten haben somit eine standardisierte Breite, die Länge
(bis zu 35 m) variiert. Ihre Höhe wird auf 4 bis 5 m geschätzt. Die einzelnen Kasemattenräume waren vielfältig nutzbar, als Lager für Vorräte oder als Wohnräume für Soldaten und Personal. In der westlichen Mauer waren mehrere Kasematten untereinander verbunden, möglicherweise eine Wohneinheit, z. B. für einen Kommandanten. Die 27 Türme waren im Abstand von etwa 40 m in die Kasemattenmauer einbezogen. Am Südende des Plateaus wurde die Kasemattenmauer durch eine Bastion verstärkt. Diese besaß mehrere Stockwerke mit je 5 an einem Korridor aufgereihten Räumen; eine Wendeltreppe erschloss die vermutlich 3 oder 4 Etagen.
Bauten und Umbauten aus der Zeit des Jüdischen Krieges
„Legt man die Archäologie zugrunde, würden wir den Schluss ziehen, dass eine einzige römische Legion hier eine ziemlich kleine Anzahl von Juden, darunter Familien, belagerte, die aus irgendeinem Grund auf dem Gipfel dieser Wüstenfestung Zuflucht gesucht hatten“, so Kenneth Atkinson. Aber in der Regel wird der archäologische Befund nicht für sich betrachtet, sondern mit dem Bericht des Josephus kombiniert.
Wohnquartiere und Werkstätten
Die im Jüdischen Krieg nach Masada geflohenen Menschen richteten nicht nur die Räume der Kasemattenmauer durch Einzug von Zwischenwänden als Wohnungen ein, sie bauten Gruppen von Lehmhütten, die sich an die Mauer oder an andere Gebäude lehnten. Die dünnen Mauern dieser Hütten konnten nur leichte Dächer aus Zweigen oder Textilien tragen.
Die archäologischen Spuren des Alltagslebens sind vielfältig: Backöfen und Vorratsnischen, Reste von Textilien, Leder, Körben, Glaswaren, Bronzegerät usw. wurden in diesen Wohnbereichen in großer Zahl aufgefunden, außerdem hunderte Fundmünzen und mehrere Fragmente von Schriftrollen. Die Türme wurden anscheinend häufig als Werkstätten genutzt; eine von den Ausgräbern als Gerberei gedeutete Werkstatt wird heute als Wäscherei identifiziert.
Im Mosaikraum des Westpalastes sowie einem Nebenraum richteten die Zeloten eine Werkstatt für Pfeilspitzen ein. Möglicherweise wollten sie die Bassins im benachbarten Badetrakt zum Kühlen des geschmiedeten Eisens nutzen. Über 200 Pfeilspitzen römischen Typs wurden hier gefunden.
Synagoge/Versammlungsraum
Im nordwestlichen Bereich der Kasemattenmauer gibt es einen Einbau, dessen Funktion in herodianischer Zeit nicht eindeutig bestimmbar ist. Möglicherweise war es ein Stall, denn auf dem Boden fanden die Archäologen mehrere Dungschichten. Yadin vermutete, dass der Bau zur Zeit des Herodes bereits als Synagoge diente und erst von der auf Masada vor dem Jüdischen Krieg stationierten Garnison als Stall genutzt worden sei. Während des Jüdischen Krieges fanden Umbauten statt. Das Gebäude hat eine Grundfläche von 15 × 12 m; fünf Säulen in zwei Reihen trugen die Decke. Die Zeloten rissen eine Zwischenwand ein und fügten an den Wänden umlaufende, verputzte Sitzbänke hinzu. In der nördlichen Ecke trennten sie eine Kammer (5,7 × 3,5 m) ab. Typische Merkmale, an denen antike Synagogen erkannt werden, fehlen hier: die Nische für den Toraschrein, jüdische Symbole als Dekorationselemente, die Orientierung nach Jerusalem. Jodi Magness schlägt vor, den Begriff Synagoge hier in seinem ursprünglichen Wortsinn („Zusammenkunft“) zu verstehen. Zweifellos handelt es sich um einen Versammlungsraum.
Die Kammer hatte keinen Estrich wie der Rest des Gebäudes, sondern einen Fußboden aus gestampfter Erde. Hier stieß Yadins Team auf Gruben aus der Zeit der Belagerung. Darin befanden sich Pergamentreste biblischer Schriften. Das war ein zusätzliches Argument für die Identifikation des Gebäudes als Synagoge. Die Ausgräber identifizierten die Kammer mit einer Geniza, in der unbrauchbar gewordene heilige Texte deponiert wurden. Genizot sind allerdings erst seit dem Mittelalter bezeugt. Solche Depots für heilige Texte wurden notwendig, weil man Restaurierungen an beschädigten Schriftrollen nur in beschränktem Maß für möglich hielt. Das Beispiel von Qumran zeigt, dass in der Antike andere Anschauungen herrschten und beschädigte Rollen in einer Weise geflickt wurden, die im Mittelalter inakzeptabel gewesen wäre. So gesehen, brauchten antike Juden keine Geniza.
Rituelle Tauchbäder (Mikwen)
„Wasserbecken, deren Stufen bis nach unten führen, fungieren in dieser Region und Epoche als Bad.“ Es ist aber schwierig, anhand archäologischer Kriterien festzustellen, ob das Baden für die damaligen Benutzer religiöse Bedeutung hatte. Der Talmudtraktat Mikwaot stellt genaue Regeln für ein rituelles Tauchbad auf, sie lassen sich aber nicht auf alle Mikwen des 1. Jahrhunderts n. Chr. übertragen. Insbesondere das Erfordernis von „fließendem Wasser“ scheint in dieser frühen Zeit anders interpretiert worden zu sein. Es ist auch denkbar, dass geeignete Becken, etwa im Frigidarium der Thermenanlage von Masada, nach Bedarf für rituelle Tauchbäder genutzt wurden, ohne dass sie ihre Alltagsfunktion als Bad verloren. Yadin identifizierte zwei Mikwen. Je nachdem welche Kriterien man anlegt, werden heute 16 bis 21 Becken auf dem Gelände von Masada als Mikwen interpretiert.

Die Schwierigkeit, eine Mikwe zu identifizieren, lässt sich an dem Bauwerk illustrieren, „ein mächtiger Swimming Pool in unsymmetrischer Form, mit Treppen und Kleidernischen.“ Yigael Yadin und Hanan Eshel datierten die Anlage in die herodianische Zeit und interpretierten sie als Schwimmbecken, das den Gästen im Westpalast zur Verfügung stand. Gegen diese Deutung spricht, dass typische Züge herodianischer Badebecken, wie rechtwinkliger Grundriss, fehlen. Ehud Netzer, Ronny Reich, Asher Grossberg und Yonatan Adler dagegen interpretieren als Mikwe aus der Zeit des Jüdischen Krieges. Sie sei möglicherweise von Essenern genutzt worden, die sich im Westpalast und/oder im Palast angesiedelt und auf dem Gelände von Masada ein kleines Essenerviertel angelegt hätten. Gegen diese Deutung spricht, dass ein Wasserbecken dieser Größe nicht mit „fließendem Wasser“ gefüllt werden konnte (auch nicht mit Hilfe einer Dachkonstruktion zur Sammlung von Regenwasser) und eine Befüllung mit Zisternenwasser jedenfalls den späteren Regeln für eine Mikwe widersprochen hätte.
Als Yigael Yadin und sein Team in den 1960er Jahren in Masada gruben, war über antike Mikwen archäologisch kaum etwas bekannt. Die Mikwen von Masada prägten für die nächsten Jahrzehnte das Bild, das die Forschung sich von diesen antiken Tauchbädern machte. Eine Schlüsselszene war die Begutachtung eines Tauchbads auf Masada durch den orthodoxen Rabbiner David Muntzberg. Es handelte sich um einen Einbau in der südlichen Kasemattenmauer: Das Tauchbecken wurde hauptsächlich mit Zisternenwasser gefüllt, dem aus einem benachbarten Reservoir Regenwasser beigemischt werden konnte. Durch diese Regenwasser-Zuleitung galt der gesamte Inhalt des Tauchbeckens als „fließendes Wasser“. Muntzberg untersuchte die Installation und erklärte sie zur Mikwe, die höchsten Ansprüchen genüge. Yadin ging davon aus, dass moderne rabbinische Autoritäten auf diesem Gebiet die gleichen Maßstäbe anlegten, die auch in der Antike galten. Dies formte sein Bild davon, dass die Verteidiger von Masada orthodoxe Juden gewesen seien. Ritualbäder und Synagoge dokumentierten, dass die Religion für die Verteidiger Masadas große Bedeutung hatte. Als Kämpfer gegen römische Invasoren waren sie ein Vorbild für die Bürger Israels, als traditionelle Juden konnten sie Identifikationsfiguren für Juden weltweit sein.
Römischer Belagerungskomplex
Die Bauten des römischen Militärs im Zuge der Belagerung von Masada gehören zu den am besten erhaltenen Anlagen dieser Art überhaupt. Weder Vegetation noch Überbauung veränderten die Strukturen, lediglich winterliche Sturzbäche beschädigten einige Mauerzüge. Adolf Schulten äußerte sich begeistert über den Erhaltungszustand, in dem sich ihm die Lager 1932 darboten: „So ist die clavicula am Südtor des Lagers F in alter Höhe erhalten, und auf manchen in den Baracken eingebauten Triclinien könnte man sich heute noch lagern.“

Die sonst bei Belagerungen geübte römische Taktik, den Gegner mit einem Wall einzuschließen und dann auszuhungern, war im Fall von Masada nicht erfolgversprechend. Denn auf dem Plateau waren große Trinkwasser- und Lebensmittelvorräte vorhanden, während die Belagerer ihren eigenen Nachschub relativ mühsam heranführen mussten. Ihre Strategie war deshalb darauf gerichtet, die Belagerung abzukürzen; dazu diente die Belagerungsrampe.

Etappenstraßen
Die erste Maßnahme der römischen Armee war der Ausbau der Straßen nach Hebron und En Gedi, da der Transport von Lebensmitteln und Trinkwasser ein erhebliches logistisches Problem für die Belagerer darstellte. Das konnte in einer Woche erledigt werden, möglicherweise von einer Vorhut. Schulten beschrieb die römischen Etappenstraßen, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts als 5 bis 6 m breite Streifen deutlich sichtbar im Gelände abhoben:
Die etwa 4 km lange Straße zum Toten Meer begann an der Porta praetoria des Lagers B. Auf dem Toten Meer bestand Schiffsverkehr nach En Gedi.
Die Straße nach Hebron (34 km) begann hinter dem römischen Wall, stieg dann hinab ins Wadi Sejal, in zwei Kehren hinauf auf das Plateau „und ist von hier aus bis Hebron noch heute die Straße.“
Die Straße Masada–En Gedi–Herodium–Jerusalem (16 km) dürfte aus der Zeit des Herodes stammen, wurde aber während der römischen Belagerung ausgebaut: Sie begann bei Lager D, verlief am Fuß der Talwand als gut gebaute Straße mit Unterbau; nach 1800 m zweigte rechts eine Straße, die durch die Strandebene nach En Gedi führte. Ihrer besonderen Bedeutung entsprechend erhielt sie zu ihrem Schutz ein kleines Kastell.
Wall und Lager
Der aus unbearbeiteten Feldsteinen aufgeschichtete, etwa 2 m breite Blockadewall ist auf einer Länge von etwa 3,5 km erhalten. Er versperrte alle Regionen, die der Besatzung von Masada einen Ausfall oder eine Flucht ermöglicht hätten. Im Grunde war der Belagerungswall überflüssig, denn es gab auch ohne Wall vom Gipfelplateau kein unbemerktes Entkommen. Roth sieht darin eine Beschäftigungsmaßnahme für die Teile der Legion, die nicht am Bau der Rampe eingesetzt werden konnten.
Wall und Rampe wurden demnach parallel gebaut und nicht, wie Josephus suggeriert, nacheinander.
Jonathan Roth übernimmt Schultens Berechnungen, wonach 8000 römische Soldaten an der Belagerung beteiligt waren, außerdem etwa 2000 Militärsklaven. Außerdem schätzt Roth, dass etwa 3000 jüdische Zwangsarbeiter die Erde für die Aufschüttung der Rampe herbeischaffen mussten; sie waren wohl in einem umwallten Gelände am Fuß der Rampe untergebracht.
Acht Lager, ebenfalls aus Bruchstein ohne Mörtel errichtet, befinden sich nahe dem Belagerungswall bzw. sind in diesen integriert. Meist ist ihr Grundriss ein Parallelogramm. Auffällig ist die geringe Fläche und daraus folgende dichte Innenbebauung der Lager. Innerhalb der Lager erkennt man noch bis zu 50 cm hohe Mauerzüge, bei denen es sich nach Schulten um die Außenwände von Legionärsbaracken handelt und nicht etwa um Markierungen der Zeltplätze. Sie waren im Mittel etwa 3,5 × 2,5 m groß, allerdings scheint diese Größe nicht genormt gewesen zu sein. Neuere Gutachten, Luftaufnahmen und Ausgrabungen ergänzten dieses Bild: die ledernen Legionärszelte wurden über den Mauern aufgespannt und mit eisernen Heringen gesichert. Die hufeisenförmigen Strukturen innerhalb dieser Baracken waren Triclinien, und zwar Schlafplätze für acht Soldaten pro Baracke, keine Liegeplätze zum Essen. Zwar verschenkte man mit diesen Triclinien etwas von dem ohnehin knappen Platz, nahm das aber wohl in Kauf, weil es so besser möglich war, den eigenen, nur 45 cm breiten Schlafplatz zu erreichen, ohne die Gefährten zu stören. Die Kochgelegenheit befand sich jeweils vor dem Eingang der Baracke und ist vielfach noch als Kreis im Boden erkennbar.
Belagerungsrampe
Für die Rampe machten sich Flavius Silvas Ingenieure einen natürlichen Felsgrat zunutze, der nur 13 m unterhalb des Gipfelplateaus endete. Auf ihm setzte die Rampe auf. Das Baumaterial lieferte die Umgebung; Zwangsarbeiter mussten es herbeischaffen. Die Errichtung der Rampe übernahmen die Legionäre allerdings selbst, um Sabotage zu verhindern. Hölzer von Tamarisken und Dattelpalmen dienten dazu, die Stein- und Erdpackungen zusammenzuhalten. Im Wesentlichen bestand die Rampe aus grob behauenen Kalksteinblöcken, die in der Nähe gebrochen wurden. Nach Josephus erbauten die Legionäre am oberen Ende der Rampe eine mächtige steinerne Plattform, auf der sie den metallverkleideten Belagerungsturm platzierten. Dieser sei ihre Basis für den Angriff mit Wurfgeschossen und Ballisten gewesen, während ein Rammbock schließlich die Festungsmauer zum Einsturz gebracht habe. Bei ihren Untersuchungen der römischen Belagerungsrampe fanden Benjamin Arubas und Haim Goldfus allerdings keine Spuren der steinernen Plattform und keine Befunde, die einen heftigen Ballistabeschuss in diesem Segment bestätigt hätten, wie er z. B. aus Gamla und Jotfata bekannt ist. Dass ein Stück aus der Kasemattenmauer herausgebrochen ist, was üblicherweise als das Werk der römischen Belagerer interpretiert wird, kann nach Arubas und Goldfus auch andere Gründe haben, z. B. Baumaßnahmen in byzantinischer Zeit. Arubas und Goldfus meinen, dass die Belagerungsrampe seit ihrer Errichtung in der Antike nur geringer Erosion ausgesetzt war, sie sei nie sehr viel höher gewesen als jetzt. Das heißt aber, dass sie nicht so weit fertiggestellt wurde, um ihren Zweck erfüllen zu können. Sie meinen deshalb, die letzte Phase der römischen Belagerung Masadas habe einen anderen Verlauf genommen als von Josephus beschrieben, welchen, müsse offen bleiben. Verschiedene Autoren haben Arubas und Goldfus hier widersprochen. So argumentiert Gwyn Davies, die Steinpflasterung könne bei dem starken Erdbeben 1927 verschüttet worden sein, und sogar wenn man konzediere, dass die Belagerungsrampe etwa auf dem heutigen Niveau, 13 m unter dem Plateau, endete, hätte ein darauf in Stellung gebrachter, 30 m hoher Belagerungsturm die Kasemattenmauer deutlich überragt.
Holley weist auf ein Depot von Ballistakugeln im Kasemattenraum L 1038 hin. Dass hier eine Balliste der Verteidiger positioniert war, sei unwahrscheinlich. Aber der Punkt sei strategisch sehr günstig, um mit Bogenschützen und Steinschleuderern die Legionäre beim Bau der Belagerungsrampe zu attackieren. Deshalb hätten die römischen Ballisten diesen Mauerabschnitt unter starken Beschuss genommen. Die in diesem Bereich eingeschlagenen Kugeln wurden nach Holley im Rahmen der Aufräumarbeiten nach Einnahme Masadas an einem Ort (Depot) zusammengetragen.
Eine zweite Belagerungsrampe?
Bei den Ausgrabungen Yadins wurde eine große Erdaufschüttung gegen die Außenmauer der Akropolis im Norden des Plateaus festgestellt. Volontäre der Jugendorganisation Gadna waren elf Monate nur damit beschäftigt, diese fundarme Aufschüttung abzutragen. Hillel Geva schlägt vor, dass dieser 20 m lange und 15 m breite Hügel, etwa 600–750 m³ Erde untermischt mit Architekturfragmenten, eine weitere römische Belagerungsrampe gewesen sei. Die Akropolis mit dem Nordpalast war seit der dritten herodianischen Bauphase eine autarke, vom Rest der Gipfelbebauung getrennte Einheit. Geva vermutet, dass einige Rebellen sich dort nach dem Eindringen der römischen Armee in die Festung verschanzt hatten und weiter Widerstand leisteten, so dass die Soldaten eine breite Rampe anschütten mussten, um in die Akropolis vorzudringen. Wenn dem so war, fand der von Josephus berichtete kollektive Freitod nicht statt.
Byzantinische Mönchssiedlung
Nach der Aufgabe des römischen Standkastells im frühen 2. Jahrhundert war Masada unbewohnt, bis sich eine christliche Mönchsgemeinschaft von etwa 15 bis 20 Personen im 5. Jahrhundert auf dem Plateau ansiedelte. Das einzige Gebäude, das die Mönche neu errichteten, war die Kirche mit ihren Anbauten. Alle übrigen Gebäude der byzantinischen Zeit wurden mit dem Baumaterial der Ruinen von 73/74 n. Chr. aufgeführt.
Das gut erhaltene byzantinische Tor besteht aus einem äußeren Tor, einem Hof und einem inneren Tor. Es wurde anstelle eines herodianischen Westtors gebaut. Von dort führt ein Pfad zum Zentrum der Lawra, dem Kirchenkomplex: Die Kirche besteht aus dem Kirchenschiff (10,3 × 7,7 m) mit Apsis und einem Narthex (4,8 × 2,4 m). Die Wände sind teilweise fast bis zur Firsthöhe erhalten. Sie waren mit geglättetem Mörtel verputzt, in den römische Keramikscherben so eingedrückt wurden, dass sie geometrische Muster bilden. In der Apsis gibt es ein zentrales Fenster mit Rundbogen. Die Kirche hat zwei Anbauten an der Nordseite, darunter einen Raum auf quadratischem Grundriss (3,6 × 3,6 m) mit einem Mosaikfußboden (Foto). Das zentrale Panel ist gut erhalten und zeigt von einem Flechtband eingefasste Medaillons, darin geometrische Formen, Pflanze, Früchte und einen Korb mit zwölf Broten. An der Ostseite der Kirche legten die Mönche einen Hof an (18 × 20 m), den sie mit einer Mauer einfassten. Der Wirtschaftstrakt der Lawra (Küche und Refektorium) war offenbar in einem Abschnitt der Kasemattenmauer, etwa 50 m westlich von der Kirche entfernt, untergebracht. Hier standen steinerne Tische und byzantinische Vorratsgefäße. Auch dieser Bereich wurde von den Mönchen mit einer Mauer umgrenzt. Der Kirchenkomplex und dieser Wirtschaftstrakt waren die Bereiche der Lawra, in denen das Gemeinschaftsleben der Mönche stattfand. Die übrige Zeit verbrachten sie als Eremiten in ihren Zellen, die in einigem Abstand voneinander errichtet wurden. Insgesamt 13 Mönchszellen in Gestalt kleiner Steingebäude und Wohnhöhlen finden sich an mehreren Stellen des Plateaus, zum Beispiel:
an der Wand des Caldariums in den großen Thermen, im Eingangs
bereich des Westpalastes, in einer ehemaligen Zisterne, im runden Kolumbarium-Turm.
Die Werkstatt der Mosaikleger ist durch Mengen dort vorhandener Mosaiksteinchen lokalisierbar.


Einzelfunde
Das Wüstenklima und die Abgeschiedenheit des Felsplateaus haben ein reiches Spektrum von Objekten der antiken Alltagskultur konserviert. Die Einzelfunde können aus herodianischer Zeit, aus den Jahren des Jüdischen Krieges oder aus byzantinischer Zeit stammen; genauer bestimmbar ist das nicht in jedem Fall. Der größte Teil der Befunde gehört aber in den Zerstörungshorizont der römischen Einnahme 73/74. Danach fanden auf dem Plateau Aufräumungsarbeiten statt. Die Legionäre oder, weniger wahrscheinlich, die byzantinischen Mönche füllten Schutt und Müll in ausgehobene Gruben und in einige Kasematten; zwei Beispiele:
Der als Wäscherei genutzte Kasemattenturm war vollständig, d. h. 4 bis 5 m hoch, mit Schutt angefüllt; darunter befanden sich Lederstücke, Keramik, ein Papyrusfragment mit griechischen und lateinischen Namen und 34 Münzen.
Kasematte L 1039, nahe der Synagoge, war mit Ofen und Silo zu Wohnzwecken eingerichtet worden. Außerdem fand man dort eine Aufschüttung von Ballistenkugeln und darüber eine dicke Schuttschicht mit Weidenkörben, Textilresten, Münzen (darunter Silberschekel), sieben Fragmenten biblischer und außerbiblischer Schriftrollen, 18 lateinische und 4 griechische Papyri. Die Silberschekel lagen beieinander und waren wohl als kleiner Hort in der Wand versteckt worden.
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Literarische Texte
Unter den antiken Handschriftenfunden in der Gegend am Toten Meer haben die Texte von Qumran und von Masada eine Sonderstellung: erstens stammen sie aus der gleichen Zeit (die Dokumente von Wadi Daliyeh sind früher, die Funde von Nachal Zeʾelim, Nachal Chever, Nachal Mischmar, Wadi Sdeir, Wadi Murabbaʿat und Ketef Jericho sind später zu datieren), zweitens handelt es sich um literarische Texte. Deshalb wird diskutiert, ob zwischen den beiden Textkorpora von Qumran und Masada eine Verbindung besteht.
An verschiedenen Stellen des Gipfelplateaus wurden Reste von 13 Schriftrollen mit Texten der Hebräischen Bibel gefunden. Sie sind für die Textgeschichte der Bibel von großer Bedeutung, weil sie Einblicke gewähren, wie der hebräische Text vor der vereinheitlichenden Arbeit der Masoreten aussah. Interessant ist zum Beispiel die Handschrift MasPsb, denn sie gehörte zu einem Psalmenbuch, das mit Psalm 150 endete, während andere Texttraditionen (Septuaginta, aber auch 11Q5 aus Qumran) mehr als 150 Psalmen kennen. Das biblische Buch Ezechiel hat eine komplizierte Entstehungsgeschichte; bis in die hellenistische Zeit wurden am Text noch Veränderungen vorgenommen. Das Ezechiel-Schriftrollenfragment, das in der Synagoge von Masada gefunden wurde, ist zwar sehr fragmentarisch, deckt aber mehrere Kapitel ab und bezeugt die gleiche Kapitelreihenfolge wie der spätere masoretische Text. Das ist nicht selbstverständlich, denn der um 200 n. Chr. geschriebene Papyrus 967 aus dem ägyptischen Aphroditopolis hat eine abweichende Kapitelanordnung. Insgesamt stehen die biblischen Texte von Masada dem später normativen Text der Hebräischen Bibel sehr nahe, und dies spricht nach Emanuel Tov für eine jüdische Gemeinde mit engen Verbindungen nach Jerusalem, wo der proto-masoretische Text (bis zur Zerstörung der Stadt im Jahr 70) in besonderer Weise gepflegt wurde.
Im Schutt einer Wohnkasematte lagen Reste einer Schriftrolle des Buches Jesus Sirach.
Unter den Textfunden in Kasematte L 1039 war je ein Exemplar der Sabbatopferlieder, des Apokryphon Josuas (unsicher) und des Jubiläenbuchs. Exemplare dieser Texte finden sich auch unter den Schriftrollen vom Toten Meer. Emanuel Tov vermutet, dass Essener nach Masada flohen, als die römische Armee Qumran zerstörte, und diese Texte mitbrachten. Es wird aber auch umgekehrt argumentiert: dass neun Kopien der Sabbatopferlieder in Qumran und eine Kopie in Masada gefunden wurde, kann darauf hindeuten, dass die Verfasser trotz sprachlicher Merkmale, die auf Qumran weisen, „soziologisch nicht unbedingt im Jachad zu verorten“ sind. Ursprünglich könnten die Sabbatopferlieder aus der Priesterliturgie im Jerusalemer Tempel stammen. Erst recht wurde das sehr beliebte Jubiläenbuch nicht exklusiv in Qumran gelesen.
Das Papyrusfragment Mas 721 lat (maximale Maße: 16 × 8 cm) ist auf beiden Seiten mit je einem lateinischen Hexameter in geübter Handschrift beschrieben. Der Satz auf der Vorderseite stammt aus der Aeneis: „Anna, mich schrecken Traumbilder, lassen mich zweifeln und schwanken.“Wenn die Niederschrift ungefähr zeitgleich mit der Eroberung Masadas war, handelt es sich um eines der frühesten Vergil-Manuskripte. Von dem unvollständig erhaltenen Hexameter auf der Rückseite ist das Partizip titubantia klar lesbar. Der Vers kann aber innerhalb der bekannten lateinischen Dichtung nicht zugeordnet werden. Der Papyrus stammt aus dem Gepäck eines Soldaten der 10. Legion. Hannah M. Cotton und Joseph Geiger schlagen im Abschlussbericht vor, dass der Schreiber seine Emotionen angesichts der Einnahme von Masada durch ein literarisches Zitat habe ausdrücken wollen. Als literarischer Text hebt sich Mas 721 lat aus der Gruppe der lateinischen Papyri heraus. Andere Papyri erlauben Einblicke in den Alltag des römischen Militärs, z. B. ein Dokument, das Beträge auflistet, die ein Legionär namens Gaius Messius unter anderem für Gerste und Kleidung zahlte und die von seinem Sold abgingen, oder eine Liste von Sanitätsartikeln wie Bandagen und Öl.
Ostraka
Auf dem Gelände von Masada wurden über 700 Ostraka gefunden. Die meisten tragen nur einen einzigen Buchstaben. Andere sind mit einem Namen beschriftet. Diese Ostraka leisten einen Beitrag zur Paläografie der hebräischen Schrift. Nach Jodi Magness dienten die Ostraka vor allem dazu, die Ausgabe der Lebensmittel aus den Magazinen zu organisieren. Mit Ostraka, aber auch mit entsprechenden Beschriftungen auf Gefäßen konnte man außerdem darauf hinweisen, ob der Inhalt kultisch rein oder unrein, verzehntet oder nicht verzehntet war. Ein Ostrakon nennt anscheinend einen sonst nicht bekannten Sohn des Hohenpriesters Ananias. Er hieß ʿAḳavia, hielt sich offenbar bei den Rebellen auf Masada auf und zertifizierte dort die kultische Reinheit von Gütern. Kenneth Atkinson schließt aus der Anwesenheit eines Angehörigen der Jerusalemer Priesteraristokratie, dass die Anführer auf Masada eine Gruppe von Priestern gewesen seien und Josephus dies verdunkle – schließlich war er selbst Priester.

Westlich der Großen Thermen fanden sich Spuren heftiger Verwüstung und darunter mehr als 250 Ostraka. Yadin bezeichnete zwölf der Ostraka, die von der gleichen Person beschrieben worden waren, als Lose und brachte sie in Zusammenhang mit dem Bericht des Josephus, dass zehn (nicht zwölf) Personen ausgelost worden seien, die übrigen zu töten. Ein Ostrakon trägt den Namen Ben Jaʾir, bezeichnete also wahrscheinlich den Befehlshaber der Festung. Joseph Naveh, der im Abschlussbericht die Ostraka publizierte, wiederholte diese Interpretation Yadins nicht. Welche Aufgaben oder Rationen mit Hilfe von Namens-Ostraka zugeteilt wurden, ist nicht ermittelbar.
Anwesenheit von Essenern und Samaritanern
Sowohl Essener als auch Samaritaner sollen sich in Masada aufgehalten haben. Das stärkste Argument für die Anwesenheit von Essenern sind literarische Textfunde, die sich mit den Schriftrollen vom Toten Meer vergleichen lassen. Bibeltexte, das Sirachbuch oder das Jubiläenbuch können von fliehenden Essenern aus Qumran nach Masada mitgebracht worden sein; relativ wahrscheinlich ist das bei einem in Masada gefundenen Exemplar der in Qumran sehr beliebten Sabbatopferlieder. Doch ist kaum auszuschließen, dass ein Nicht-Essener diese Schriftrolle mit nach Qumran brachte.
Spinnwirtel sind im Fundgut von Masada mit 384 Exemplaren sehr häufig vertreten. Spinnen war in der Antike eine typische Tätigkeit von Frauen. Erwartungsgemäß fand man Spinnwirtel häufig im Kontext von Zelotenunterkünften, auffälligerweise gab es aber einige eindeutig als Wohnraum genutzte Gebäude, in denen Spinnwirtel fast völlig fehlten. Ronny Reich vermutet, dass hier ehelose Essener lebten, die auch eine nahegelegene, architektonisch an Qumran erinnernde Mikwe benutzten. Ein zusätzliches Argument ist die Verteilung von Fundmünzen, verbunden mit der Annahme, die Essener hätten eine Gemeinschaftskasse gehabt und daher kaum individuell Münzen verloren. Reich leitet daraus die Hypothese ab, dass auf Masada eine effektive Verwaltung die Unterbringung der Flüchtlinge geregelt habe, die Familien, einzeln angekommenen Personen und Essenern mit ihrer besonderen religiösen Praxis jeweils getrennte Wohnbereiche zugewiesen habe. Jodi Magness wendet dagegen ein, dass die Verteilung der Münzen im Fundgut von Qumran keine Auffälligkeiten zeige, was aber zu erwarten wäre, wenn sie für das hypothetische Essenerviertel von Masada kennzeichnend sind. Die ungleichmäßige Verteilung von Spinnwirteln und Münzen in den Wohnbereichen von Masada sei zwar interessant, aber da es sich um kleine, leichte Objekte handle, könne man daraus keine so weitreichenden Schlüsse ziehen.
Aus Kasematte L 1039 stammt ein Papyrusstück, das einen fragmentarischen Text in paläohebräischer Schrift enthielt. Diese Schrift wurde (und wird) von Samaritanern für ihre heiligen Texte verwendet. Der Text enthielt die Wendung „Berg Garizim“; die Schreibweise הרגריזים ohne Worttrennung ist typisch für samaritanische Texte. Shemaryahu Talmon vermutete, dass dieser Papyrus einem nach Masada geflohenen Samaritaner gehört habe. Er nahm daher an, dass die Bewohnerschaft Masadas während des Jüdischen Krieges sehr heterogen gewesen sei: neben Zeloten, die er in religiöser Hinsicht dem „Mainstream“ zuordnet, Dissidenten wie Essener und Samaritaner. Hanan Eshel interpretierte den Text im Gegensatz dazu als eine antisamaritanische Dichtung, die Freude über die Zerstörung des samaritanischen Tempels auf dem Berg Garizim ausdrücke. Der Text ist so fragmentarisch, dass eine Entscheidung in dieser Frage nicht möglich ist. Zwar erhielt das Papyrusfragment von Talmon im Abschlussbericht den suggestiven Namen „Masada-Papyrus mit paläohebräischem Text samaritanischen Ursprungs“ (Mas pap paleoText of Samaritan Origin), aber Emanuel Tov hält das kleine Fragment für unzureichend, um daraus historische oder sonstige Schlüsse zu ziehen.
Anwesenheit von Frauen
Dass in Masada zahlreiche jüdische Familien lebten, wurde von Josephus im Zusammenhang mit dem kollektiven Selbstmord hervorgehoben. Ronny Reichs Spinnwirtel-Studie lieferte eine Bestätigung hierfür. Im Fundgut sind auch Objekte, die Frauen gehörten, z. B. mehrere Haarnetze und Kosmetikartikel. Ein gewisser Josef, Sohn des Naqsan, Einwohner von Masada, stellte seiner Frau Mariam, Tochter des Jonatan, einen Scheidebrief (Get) aus, der ihr die Freiheit gab, eine Ehe mit einem anderen Juden einzugehen. Das Dokument ist datiert auf das „Jahr 6“ des jüdischen Aufstands – im Jahr 5 war Jerusalem gefallen. Mariam verließ den Ort, noch bevor die römische Belagerung begann. Ihr Scheidebrief wurde unter den Dokumenten im Wadi Murabbaʿat gefunden. Zusammen mit anderen Indizien weist dieser Textfund auf die Fluktuation der Bewohnerschaft von Masada hin: „Bis zum Beginn der Belagerung kamen und gingen die Flüchtlinge.“
Ernährungssituation
Josephus rühmte die Magazine, die Herodes auf Masada anlegen ließ, und die Archäologie konnte ihn in diesem Punkt bestätigen. Zum Fundgut gehören etwa 4500 Keramikgefäße, viele herodianisch, aber fast alle in der Endphase des Jüdischen Krieges in Benutzung. Rot überzogenes Tafelgeschirr und Amphoren stammen aus dem Kontext der herodianischen Residenz, sind aber selten. Die Masse der Keramik ist lokaler judäischer Produktion: Vorratsgefäße und Kochtöpfe. Dass Vorräte bis zuletzt in den Magazinen verblieben, widerspricht der Darstellung des Josephus und stützt diejenigen, die seinen Bericht über die Einnahme Masadas für unzutreffend halten.
37 Gefäße tragen Inschriften, die ihren Inhalt bezeichnen, darunter waren über die Hälfte Behältnisse für getrocknete Feigen. Außerdem wurden Beeren oder Oliven, Fisch, Teig, Fleisch und Kräuter erwähnt. Im Fundgut waren Kerne von Granatäpfeln, Oliven und Feigen. Gartenbau dürfte in Masada in bescheidenem Umfang möglich gewesen sein, auch könnten einige Schafe und Ziegen gehalten worden sein. Das sollte aber nicht den Eindruck reichhaltiger Ernährung erwecken, denn diese Güter standen wohl nur wenigen zur Verfügung. Nach Magness kann man sich den Speisezettel der Zelotenfamilien etwa so vorstellen: in Olivenöl getunktes Brot, Bohnenbrei oder fleischloser Linseneintopf. Die Vorräte aus den Magazinen von Masada wurden von Archäologen untersucht. Sie waren erheblich von Parasiten befallen, insbesondere die Trockenfrüchte.

Wie im vornehmen Herodianischen Quartier in Jerusalem und in Qumran, so fand man auch in Masada Produkte des heimischen Steinschneiderhandwerks. Sie sehen aus wie große Henkelbecher aus Kalkstein (31 vollständige Exemplare, 110 Fragmente). Da Steingefäße im Gegensatz zu Keramik keine rituelle Unreinheit annehmen, waren sie bei Wohlhabenden beliebt, die z. B. als Priester auf einen hohen Standard ritueller Reinheit achteten. Daneben fand Yadins Grabungsteam auch Gefäße aus sonnengetrocknetem Lehm und Tierdung, in denen Getreide und Trockenfrüchte aufbewahrt wurden. Diese Gefäße nehmen nach der Mischna ebenfalls keine Unreinheit an. Jodi Magness geht allerdings davon aus, dass Gefäße aus Lehm und Dung bei armen Juden und Nichtjuden häufig in Gebrauch waren, aber bei archäologischen Grabungen nur unter günstigen Bedingungen angetroffen werden. Auch während der Belagerung von Masada konnte man an Ort und Stelle diese ungebrannten Gefäße herstellen; dies müsse, so Magness, kein Indiz für ein hohes Interesse an kultischer Reinheit bei den Armen sein.
Skelettfunde
An zwei Stellen fand Yadins Team Reste menschlicher Gebeine. Sie wurden aus religiösen Gründen am 7. Juli 1969 beigesetzt.
1963 wurden in einem Becken auf der unteren Ebene des Nordpalastes Skelettreste gefunden, die drei Individuen zugeordnet wurden, einer Frau, einem Mann und einem Jungen. Da das Alter der Frau auf maximal 18 Jahre, das des Jungen auf etwa 12 Jahre geschätzt wurde, war man bei der Teambesprechung einig, dass die beiden Erwachsenen ein Paar sein konnten, der Junge aber nicht der Sohn jener Frau. In seinen Veröffentlichungen 1966, 1971 (Beitrag für die Encyclopaedia Judaica) und einem wissenschaftlichen Vortrag 1973 behauptete Yadin mit zunehmender Sicherheit, dass es sich um einen „sehr wichtigen Kommandeur“, seine Frau und ihr gemeinsames Kind handle. Dieser habe seine Frau und sein Kind getötet, den Palast in Brand gesetzt und dann Selbstmord begangen. Nachman Ben-Yehuda weist darauf hin, dass diese Version nur den Anschein erweckt, zu Josephus’ Bericht zu passen. Denn der letzte Kämpfer bringt nach Josephus nicht seine Familie um, sondern die anderen neun Ausgelosten. Die Tötung von über 900 Menschen kann zwar beim Westpalast stattgefunden haben, aber im Nordpalast ist dafür kein Platz.
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In einer kleinen Höhle am Südsteilhang, unterhalb des Südtores, fand Yadins Team menschliche Gebeine. Die Erkundung dieser Höhle leitete Yoram Tsafrir. Nicu Haas als Anthropologe der Grabung identifizierte die sterblichen Überreste von 15 Männern, sechs Frauen und vier Kindern sowie einem Embryo. Also konnten weder römische Soldaten noch byzantinische Mönche hier beigesetzt sein, sondern nur Zeloten, folgerte Yadin. „Hatten ihre Kameraden sie während der Belagerung in diese Höhle gebracht? Das ist schwerlich glaubhaft. So bleibt nur die Möglichkeit, daß die pietätlosen römischen Soldaten sie nach dem Sieg dorthin geworfen hatten.“ Shaye Cohen hielt es 1982 für unwahrscheinlich, dass die Soldaten hunderte von Leichen ihrer Gegner beseitigten, indem sie diese (wahrscheinlich) über die Mauer in die Tiefe warfen, aber 25 Leichen auswählten und in eine schwer erreichbare Höhle schleppten, wobei sie selbst in Gefahr waren abzustürzen: „Das ist nicht pietätlos, das ist töricht.“ Stattdessen schlug er vor, dass eine Gruppe von Juden sich in der Höhle versteckte, dort von den Legionären entdeckt und an Ort und Stelle getötet wurde.
Seit den 1990er Jahren hat Joseph Zias aus anthropologischer Sicht Einwände gegen Yadins Interpretation der Skelettfunde erhoben. Im Becken des Nordpalastes seien keinerlei Skelettreste einer Frau gefunden worden, sondern nur ihre Haarflechten, die ihr zu Lebzeiten dicht über der Kopfhaut abgeschnitten worden seien. Zias vermutet, dass es sich bei den beiden männlichen Toten um Angehörige der römischen Garnison handelte, die im Jahr 66 von den Aufständischen getötet wurden. Die Frau habe man als Kriegsgefangene am Leben gelassen, aber ihre Haare kurz abgeschnitten, entsprechend den Kriegsgesetzen der Tora (Dtn 21,10–14 EU) und deren Interpretation in der Tempelrolle. Die Skelette im Becken des Nordpalastes wurden vielleicht von Hyänen an diesen Ort verschleppt. Auffälligerweise fehlten hier nämlich viele proteinreiche Knochen.
Bei den Befunden in der Höhle könnte es sich um Gebeine von Römern handeln. Erst 1982 teilte Yadin der Öffentlichkeit mit, dass an dieser Stelle auch Schweineknochen gefunden wurden. Ein Schweineopfer bei der Beerdigung war bei Römern und Griechen in der Antike üblich. Es ist in Europa und Zypern häufig dokumentiert. Yadin erklärte bei dem gleichen Interview 1982 auch, dass er wegen der Schweineknochen Bedenken gehabt habe, die Skelettfunde aus der Höhle den jüdischen Verteidigern zuzuordnen. Rabbinische Stellen hätten aber ein hohes Interesse an einer Bestattung der Gebeine gehabt und vorgeschlagen, die Verteidiger von Masada hätten Schweine gehalten, um ein Müllproblem zu beseitigen. Zias zweifelt die Zahl von 25 (oder 24) Toten an, nachdem der knappe Bericht des Anthropologen Haas an Yadin bekannt wurde. Demnach wurden insgesamt nur 220 Knochen gefunden; bei angenommenen 24 Toten wären 96 % der Gebeine verloren, was angesichts der Erhaltungsbedingungen im Wüstenklima von Masada ein sehr hoher Wert ist. Dann wurden auch Fotos bekannt, die Tsafrir bei der archäologischen Untersuchung der Höhle anfertigen ließ. Sie zeigen, dass es drei Gräber gab: zwei Primärbestattungen einzelner Individuen und ein Grab, in dem 5 bis 6 Individuen gemeinsam beigesetzt wurden. Zias’ Fazit ist, dass das Schweineopfer eindeutig für eine griechische oder römische Beisetzung spreche. Die Toten seien römische Soldaten oder Zivilisten, die sich entweder vor oder nach dem Jüdischen Krieg in Masada aufhielten.
Letztlich, so Jodi Magness, ist das Fehlen von Skeletten der Verteidiger weder ein Beweis noch eine Widerlegung des Berichts vom Ende Masadas, den Josephus verfasste.
Entstehung des Masada-Mythos
Die Ereignisse von Masada kamen in der rabbinischen Literatur nicht vor. Der Autor des Josippon, einer mittelalterlichen hebräischen Nacherzählung von Josephus’ Jüdischem Krieg, lässt die Verteidiger zunächst ihre Frauen und Kinder töten, dann aber stellen sie sich den römischen Legionären in einer letzten Schlacht, anstatt Selbstmord zu begehen.
Obwohl die Version des Josippon dem Masada-Mythos eigentlich entgegenkommt, wurde sie durch die Jahrhunderte und auch im Staat Israel wenig rezipiert. Der israelische Masada-Mythos gründet sich auf Flavius Josephus.
Er nimmt aber an diesem antiken Text folgende typische Veränderungen vor:
Dass die Verteidiger von Masada Sikarier waren, modern formuliert eine Art Terroristen, wird nicht erwähnt.
Die Belagerung von Masada wird auf zwei bis drei Jahre ausgedehnt, obwohl sie nur einige Monate dauerte.
Die Verteidiger werden als heroische Kämpfer dargestellt, obwohl Josephus dazu nichts schreibt.
Ihr Freitod wird als Akt der Selbstbefreiung interpretiert, der den Überlebenswillen des jüdischen Volkes verkörpert.
Masada-Exkursionen
Im Zweiten Weltkrieg wurde Masada zur Identifikationsstätte des Zionismus. Das Konzept hierfür stammte von Shmarya Guttman, einem Funktionär des Jugendverbandes haNoʿar haʿOved. Guttman war ein Vertreter der Jediʿat haʾAretz-Bewegung, die intime Kenntnis des Landes Israel als eine Form der Inbesitznahme propagierte.
Guttman überzeugte die zionistische Führung im Herbst 1941 davon, ein Masada-Seminar finanziell zu unterstützen. Dabei begegnete ihm auch Skepsis. Die antiken Zeloten hatten kollektiven Selbstmord begangen; David Ben-Gurion zweifelte, ob man dieses Vorbild jungen Menschen nahebringen sollte. Guttman ließ in seinem Masada-Narrativ den Selbstmord in den Hintergrund treten. Das sei eine Form von Kiddusch HaSchem, wie ihn jüdische Märtyrer in der Geschichte immer wieder gewählt hätten.
Im Januar 1942 führte Guttman 46 ausgewählte Pioniere, die später Multiplikatoren werden sollten, zum Hochplateau. Sie stammten aus drei sozialistischen Jugendorganisationen; einer der Teilnehmer war der junge Schimon Peres.
Lagerfeuerromantik, Tänze, Rezitationen und Besichtigung der Ruinen verbanden sich auf dem mehrtägigen Seminar zu einem Gesamterlebnis.
Es gab im Jischuw Befürchtungen, dass das Deutsche Afrika-Korps nach Ägypten und Palästina vorstoßen würde. Für diesen Fall plante die Leitung der zionistischen Bewegung im März 1942, im Karmelgebirge Verstecke für Waffen, Trinkwasser und Proviant anzulegen, ebenso Notquartiere für bis zu 100.000 Menschen. Dieses nie realisierte geheime Projekt wurde teils Masada, teils Musa Dagh benannt.
Parallel dazu gab es zahlreiche Nachfolgeveranstaltungen von Guttmans legendärem Masada-Seminar. Palmach-Einheiten und andere Gruppen wanderten zum Hochplateau. Der schwierige Aufstieg hatte einen Sozialisationseffekt für die Teilnehmer. Anfang 1943 wurden die Nachrichten aus Europa immer verstörender; es wurde klar, dass dort kein Pogrom stattfand, wie man es aus der Geschichte kannte, sondern der Holocaust. Dadurch veränderte sich die Masada-Symbolik, wie Ari Shavit erläutert: „Masada wird zu einer mythischen, beinahe metaphysischen Metapher für die Verlassenheit, die Einsamkeit des jüdischen Volkes.“
Archäologische Zuordnung zu den Zeloten
Shmarya Guttman warb nach der Staatsgründung für eine archäologische Untersuchung Masadas. Yigael Yadin, der dem Vorhaben zunächst skeptisch gegenüberstand, sich dann aber von Guttman überzeugen ließ, nahm dabei eine Schlüsselrolle ein, denn der bekannte Archäologe verfügte dank seiner militärischen Laufbahn über Einfluss und Kontakte. Yadins Ausgrabung von Masada 1963–1965 stieß in der israelischen und internationalen Öffentlichkeit auf starkes Interesse. Die israelische Armee unterstützte das Team durch Logistik und eigene Volontäre. Für die Grabungskosten, 1996 auf 2 Millionen US-Dollar geschätzt, kamen zum größten Teil ausländische Sponsoren auf. Dazu gehörte auch die britische Zeitung The Observer, deren Berichterstattung wesentlich dazu beitrug, dass die Ausgrabung von Masada zu den bekanntesten archäologischen Unternehmungen des 20. Jahrhunderts gehört. Sie schrieb:
„Als Titus den Tempel zerstört hatte, floh ein Kern der Verteidiger Jerusalems, 900 alte Kämpfer, nach Masada und widerstand römischen Angriffen drei Jahre lang. Als die Römer die Festung schließlich stürmten, fanden sie, dass die Verteidiger kollektiven Selbstmord begangen hatten. Masada war schon immer ein begehrtes Ziel für Archäologen, da man zuversichtlich annehmen kann, dass die Verteidiger die Schriftrollen und Dokumente ihres Volkes so wenig ausliefern wollten wie das eigene Leben, und sie hatten genug Zeit, diese zu verstecken.“
– Ronald Harker: New siege of Herod’s fort. In: The Observer, 11. August 1963
Mit dem zitierten Artikel warb der Autor Ronald Harker internationale Volontäre für die Grabung. Anschließend berichtete er für den Observer exklusiv über Masada. Mit finanzieller Unterstützung der Zeitung wurden Ende 1966 Grabungsfunde in der Londoner Royal Festival Hall ausgestellt. Dabei stellte Harker ein von ihm verfasstes Buch über Masada der Öffentlichkeit vor.
In einer damals ungewöhnlich akribischen Weise ließ Yadin alle Befunde dokumentieren. Seine und Guttmans nationale Agenda hatte auf die Grabungstätigkeit selbst wohl keinen Einfluss, prägte aber die Geschichte, die mit ihrer Hilfe erzählt wurde: Yadin vermied es zum Beispiel, die Verteidiger von Masada als Sikarier zu bezeichnen, und sprach konsequent von Zeloten. Vermutlich stand hinter dieser Wortwahl Yadins starke Ablehnung der Gruppe Brit HaBirionim, die sich in der Mandatszeit als moderne Sikarier verstanden.
„Ben Yair und seine Kameraden hatten in heroischer Haltung den Tod der Sklaverei vorgezogen … Ihnen verdanken wir es, daß Masada zu einem Beispiel verzweifelten Mutes, ja zu einem Symbol geworden ist, das die Herzen der Nachgeborenen in den vergangenen neunzehn Jahrhunderten zutiefst bewegt hat. Diese Geschehnisse zogen Wissenschaftler und Laien nach Masada, und ein israelischer Dichter sollte ausrufen „Masada darf nie wieder fallen.“ Diese Worte sind zur Eidesformel der israelischen Rekruten geworden, und unsere Jugend wird dafür sorgen, daß Masada nie wieder fallen wird.“
– Yigael Yadin: Masada
„Masada-Komplex“
Stewart Alsop prägte in den 1970er Jahren den Begriff Masada-Komplex. In einer Kolumne für Newsweek zitierte er am 12. Juli 1971 einen hohen US-Diplomaten (wie man später erfuhr, Joseph Sisco) mit dem Satz, Premierministerin Golda Meir habe einen Masada-Komplex. Die Begriffsprägung unterstellt, dass israelische Politiker aktuelle politische Konstellationen nach den Modellen von Masada und Holocaust interpretierten: Israel als ein isoliertes Volk in einer Welt von Feinden. Lösungsmöglichkeiten für heutige Probleme würden nicht wahrgenommen. Yael Zeruvavel erläutert, dass die politischen Ereignisse nach 1973 (Jom-Kippur-Krieg, Aufstieg des Likud, Libanonkrieg, Intifada) zu einer neuen Sicht auf Masada führten: Masada als historisches Modell einer ausweglosen Situation, in der Juden Verfolgung und Tod ausgeliefert sind.
Masada und die israelische Armee
Die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) haben eine wichtige Funktion bei der Sozialisation in die israelische Gesellschaft. Im Jahr 1956 gab es erstmals militärische Zeremonien auf Masada, und seitdem fanden dort bis 1991 Rekrutenvereidigungen statt. Das ergab sich ohne eigentliche Beschlussfassung dadurch, dass viele IDF-Kommandeure aus dem Palmach kamen und den Masada-Mythos rezipiert hatten.
Der typische Ablauf der Rekrutenvereidigung war:
Wanderung nach Masada und Aufstieg zum Gipfel;
Parade in Formation auf dem Berg, Aufstellung dort in Formation;
Verlesung von Eleasar ben Jaʾirs „Rede“, die aus Josephus-Passagen zusammengestellt worden war;
Abbrennen von großen Buchstaben, meist der hebräische Schriftzug: „Masada wird nicht wieder fallen!“
Vereidigung: „Wegen der Tapferkeit der Kämpfer von Masada stehen wir heute hier…“;
Rede des militärischen Befehlshabers und Rede des obersten Militärrabbiners (oft war Shlomo Goren in dieser Funktion beteiligt);
Ausgabe der persönlichen Waffen.
Die Ablösung von Masada als Ort für Vereidigungen geschah allmählich. Nach dem Sechstagekrieg wurden zwei Jahrgänge auf dem Platz vor der Klagemauer vereidigt. Ein Artikel in der Zeitung Maariw kündigte am 3. Mai 1987 an, dass die Vereidigungen künftig in Latrun statt in Masada stattfinden würden. Generalmajor Yossi Ben-Hanan begründete den Ortswechsel mit dem hohen logistischen Aufwand für die Vereidigungszeremonie in Masada.
Masada blieb weiterhin Kulisse für Abschlussveranstaltungen militärischer Lehrgänge.

Masada als halachischer Präzedenzfall
Shlomo Goren argumentierte 1960 als oberster Militärrabbiner mit dem Selbstmord der Verteidiger von Masada, um Selbstmord von Soldaten in Ausnahmefällen als religionsgesetzlich (gemäß der Halacha) geboten zu deklarieren. Es ist naheliegend, dass Goren sich auf den Fall des israelischen Soldaten Uri Elan bezog, der 1955 in syrische Gefangenschaft geriet, gefoltert wurde und Selbstmord verübte, um keine militärischen Geheimnisse preiszugeben. In der folgenden Diskussion wurde der Bericht des Josephus, inklusive der Reden des Eleasar ben Jaʾir, in allen Details als historisch verlässlich vorausgesetzt. Gorens Position blieb eine Minderheitsmeinung; die Mehrheit der Rabbiner hielt den Selbstmord der Verteidiger von Masada für nicht religiös geboten. Eleasar wäre nur dann im Recht gewesen, wenn die Römer mit Sicherheit alle gefangenen Juden töteten; da er das aber (laut Josephus) gar nicht annahm und selbst mit der Versklavung und also dem Überleben von Gefangenen rechnete, habe eine religionsgesetzliche Verpflichtung zum Selbstmord für die Verteidiger Masadas nicht bestanden, und könne folglich auch nicht aus dem Präzedenzfall Masada abgeleitet werden.


UNSER FERNSEHTURM
Der Berliner Fernsehturm ist mit 368 Metern das höchste Bauwerk Deutschlands sowie der sechsthöchste Fernsehturm Europas. Der Fernsehturm befindet sich im Park am Fernsehturm im Berliner Ortsteil Mitte.
52° 31′ 14.89″ N, 13° 24′ 34.02″ E
Er war im Jahr der Fertigstellung 1969 der zweithöchste Fernsehturm der Welt und zählt mit über einer Million Besuchern jährlich zu den zehn beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Deutschland.
Der Fernsehturm im Internationalen Stil wurde 1965–1969 von der Deutschen Post der DDR im Park am Fernsehturm anstelle des abgerissenen Marienviertels errichtet. Am 3. Oktober 1969 erfolgte die Eröffnung. Als Wahrzeichen und weithin sichtbare Landmarke prägt es die Skyline der Stadt. In Eröffnungsszenen von Filmen mit Bezug zu Berlin wird die Hauptstadt neben Bauwerken wie dem Brandenburger Tor, der Siegessäule und dem Reichstagsgebäude häufig durch den Fernsehturm symbolisiert.
Das intern als „Fernmeldeturm 32“ bezeichnete Bauwerk dient neben seiner Hauptfunktion als Standort mehrerer Rundfunksender für Hörfunk und Fernsehen als Aussichtsturm mit einer Aussichtsetage inklusive Bar auf 203 Metern Höhe und beinhaltet ein Drehrestaurant auf 207 Metern Höhe.
Darüber hinaus dient der Berliner Fernsehturm als Veranstaltungsort.
Das markante und stadtprägende Bauwerk unterlag einer starken symbolischen Wandlung.
Von einem politisch vereinnahmten nationalen Symbol der DDR entwickelte es sich nach der deutschen Wiedervereinigung zum gesamtstädtischen Symbol im wiedervereinten Berlin.
Aufgrund seiner universellen und zeitlosen Formensprache fand es zunehmend als Markenzeichen Verwendung und wird international mit Berlin und Deutschland identifiziert. Der Berliner Fernsehturm erhielt 1979 in der DDR den Denkmalstatus, der nach der deutschen Wiedervereinigung fortgeschrieben wurde.
Vorgeschichte
Bei der Europäischen Rundfunkkonferenz in Stockholm 1952, die für die Koordinierung der Frequenzwellen in Europa zuständig war, wurden der damals von den meisten Staaten politisch nicht anerkannten DDR nur zwei Fernsehfrequenzbereiche zugestanden: für Band I der als störanfällig eingestufte (und später nicht mehr verwendbare) Frequenzbereich von 40,5 bis 48,5 MHz und der Frequenzbereich von 208 bis 216 MHz für Band III.
Unter diesen Voraussetzungen konnte das Berliner Stadtgebiet nicht mit mehreren kleineren Sendern ausgestattet werden, ohne dass es zu Überlagerungen und damit zu Störungen oder Lücken im Fernsehempfang gekommen wäre.
Für eine vollständige und lückenlose Abdeckung war somit ein leistungsstarker Großsender mit einem möglichst hohen Standort erforderlich.
In den 1950er Jahren erfüllten nur sehr schwache Behelfssender des Deutschen Fernsehfunks ihren Zweck in Berlin.
Der Gebäudekomplex nach Plänen des Architekten Franz Ehrlich wurde im Bauhausstil errichtet.
Das Bauwerksensemble in Berlin-Adlershof ist in der Liste der Kulturdenkmale eingetragen.
Gescheiterte Bauprojekte
Im Jahr 1952 begann die Deutsche Post mit der Planung eines Fernsehturms für Berlin.
Die Hauptverwaltung Funkwesen favorisierte dafür ein Grundstück in den Berliner Müggelbergen, die mit der höchsten Erhebung im Berliner Umfeld topografisch die beste Voraussetzung innerhalb des Berliner Stadtgebietes boten.
In den Überlegungen spielte eine Rolle, dass der Standort für solch einen Zweckbau weitab vom Zentrum lag und damit weder die architektonische noch die städtebauliche Dimension beeinflusste. Nachdem die Deutsche Post am 23. April 1954 beim Chefarchitekten des Ost-Berliner Magistrats Hermann Henselmann die Standortgenehmigung beantragt hatte, wurde diese am 4. Mai 1954 erteilt.
Das Gelände und der Turm sollten für die Bevölkerung zugänglich sein, die Höhe des Bauwerks war mit 130 Metern geplant.
Der Betonbau mit quadratischem Grundriss sollte auf 70 Metern Höhe zwei Aussichtsplattformen enthalten, aber keinen auskragenden Turmkorb.
Der Fernsehturm unter dem Decknamen F4 war mit einer Bilanzsumme von 8,714 Millionen Mark angesetzt und in den Volkswirtschaftsplan für die Jahre 1954 bis 1957 aufgenommen.
Am 13. Dezember 1955 forderte Innenminister Karl Maron die sofortige Einstellung der bereits in vollem Gang befindlichen Bauarbeiten. Zwar hatte das Ministerium am 29. Mai 1954 dem Bauvorhaben zugestimmt; es habe allerdings nun festgestellt, dass der Standort nur acht Kilometer vom Flughafen Berlin-Schönefeld entfernt liege und durch seine Höhe am Rande der Einflugschneise den Flugbetrieb zu gefährden drohe.
Verschiedene Kompromissbemühungen der Post, die Turmhöhe zu reduzieren, scheiterten, so dass am 15. November 1956 das Bauprojekt endgültig eingestellt wurde.
Das Ende des Projektes stellt ein frühes Beispiel für die konzeptionellen Probleme der ostdeutschen Planwirtschaft dar, die in diesem Fall den Aufbau des Fernseh- und Richtfunknetzes der DDR um Jahre zurückwarf.
Der bis dahin fertiggestellte Gebäudestumpf des Fernsehturms Müggelberge mit zwei Obergeschossen wurde wetterfest gemacht und dient jetzt der Deutschen Telekom als Richtfunkknoten.

Nach dem Scheitern des Projektes F4 musste das Ministerium für Post und Fernmeldewesen nach einer geeigneten Alternative suchen. Zu jener Zeit gab es auf der Fläche der DDR drei sich berührende Ringe von Richtfunkverbindungen: den Nord-, den Mittel- und den Südring; ein Ostring war für später geplant.
An den Berührungspunkten von Nord- mit Mittel- und Mittel- mit Südring waren die zentralen Fernsehtürme Berlin und Leipzig vorgesehen. 1957 setzte deshalb für den Ost-Berliner Fernsehturm eine neue Projektierungsphase ein.
Mittlerweile war in der DDR mit dem Fernsehturm Dequede der erste Fernsehturm aus Stahlbeton nach dem Vorbild des Stuttgarter Fernsehturms im Bau.
Die wieder ungeklärte Standortfrage führte Ende 1957 dazu, dass das Postministerium einen Vorstoß unternahm, den Turm in der Innenstadt zu errichten.
Alle anderen Areale waren entweder wegen der Gefährdung des Flugbetriebs ungeeignet oder schwer in das Richtfunknetz einzubinden.
Den Plan der ersten Variante eines zentral im Stadtgebiet gelegenen Fernsehturms legten die Architekten Gerhard Frost und Waldemar Alder in den Jahren 1957/1958 vor. Sie favorisierten die hügelige Parkanlage des Volksparks Friedrichshain. In der Folge wurden vier weitere Standorte in der Nähe des Parks diskutiert.
Nach nur zögerlichem Fortschritt kam am 24. Juli 1960 ein positives Gutachten zum ausgewählten Standort zur Beschlussfassung und die Staatliche Plankommission schuf wenige Tage danach die ökonomischen Voraussetzungen für die Errichtung.
Laut Plan sollte der Fernsehturm in Friedrichshain 1964 einsatzbereit sein.
Eine besonders schwere wirtschaftliche Krise – unter anderem wegen der enormen Kosten des Baus der Berliner Mauer – zwang die Regierung im Frühjahr 1962, ihren Siebenjahresplan – den einzigen der DDR-Geschichte – vorzeitig abzubrechen. Der Fernsehturm in Friedrichshain fiel dem Sparzwang zum Opfer; der Ost-Berliner Magistrat beschloss am 26. Mai 1962 das Ende des Projektes.
Der Abbruch war ein Rückschlag für das Postministerium und drohte alle anderen Türme im Rundfunknetz zu Investitionsruinen werden zu lassen.
Die 1960 geschätzten Kosten lagen bei rund 20 Millionen Mark; bereits am 5. Mai 1961 wurde diese Schätzung vom Ministerium auf 29,322 Millionen Mark und im Januar 1962 abermals auf 30,7 Millionen Mark korrigiert.
Trotz des beschlossenen Planungsendes und der fehlenden Mittel erfolgten Fundamentbohrungen zur Erkundung des Baugrunds, und Bauunternehmen erhielten erste Aufträge.
Die Mieter, die auf dem geplanten Errichtungsstandort wohnten, hatten ihre Wohnungen verlassen müssen; die Häuser wurden zum größten Teil abgerissen.
Der Baubeginn war kaum noch aufzuhalten.
Bereits Ende 1961 gab eine Kommission zur „Überwindung der technischen Rückstände auf dem Gebiet des Rundfunks und Fernsehens“ bekannt, dass zum damaligen Zeitpunkt statt der geplanten 26 nur 16 UKW-Sender zur Verfügung standen und diese nur etwa 80 % der Bevölkerung mit Fernsehprogrammen versorgen konnten.
Die Schließung der Grenzen nach Westdeutschland erschwerte die Produktion und Instandhaltung wegen dringend benötigter Importe. Zu den besonders schlecht mit DDR-Fernsehen versorgten Gebieten zählte neben den Landstrichen an der innerdeutschen Grenze der Bereich nordwestlich von Berlin.
Das Postministerium führte Verhandlungen, um den Turmbau wenigstens für das Jahr 1963 im Plan zu verankern.
Trotz finanzieller Zusage von 300.000 Mark für die Bauvorbereitung wurde das Projekt ein weiteres Mal storniert und der Standort Friedrichshain endgültig aufgegeben.
Alle Verträge wurden gekündigt.
Erneute Standortsuche
Nach dem endgültigen Baustopp im Volkspark Friedrichshain erwartete die Regierung vom Ministerium weitere Vorschläge zur Verbesserung der Rundfunkversorgung in der Hauptstadt. Um die Kosten gering zu halten, folgten mehrere abgespeckte Vorschläge.
Die Variante, auf einen zentralen Turm zu verzichten und vier kleinere Funkstandorte zu errichten, war eine Option. Damit wären beträchtliche Einbußen in der Funkversorgung verbunden gewesen.
Da die Regierung ein besonderes Interesse an der Rundfunkversorgung hatte, stieg der politische Druck zur Umsetzung, sodass der Turmbau in den Volkswirtschaftsplan 1964 erneut aufgenommen wurde.
Allerdings erwogen die Planer, den Publikumsbereich aus Kostengründen zu streichen; die Standortwahl war wieder ungewiss.
Das Rundfunk- und Fernsehtechnische Zentralamt (RFZ) der Deutschen Post untersuchte mehrere Standorte und kam nach verschiedenen Analysen zum Schluss, dass der Standort Friedrichshain die perfekte Lösung sei.
Daher versuchte das Ministerium im Januar 1964 in einem neuen Anlauf, das Baugrundstück am Friedrichshain durchzusetzen.
Mit Beschluss vom 13. Februar 1964 akzeptierte der Ministerrat die bauliche und technische Konzeption.
In der ersten Jahreshälfte 1964 nahmen die Planungen, die seit über zehn Jahren ergebnislos waren, wieder Fahrt auf.
Neben dem sachlichen Zweck der optimalen Rundfunkversorgung rückte die Rolle des Turms als neues Wahrzeichen immer mehr in den Vordergrund.
In einem Brief der Staatlichen Plankommission vom 23. Mai 1964 heißt es dazu:
„Seine Höhe von 360 m […] wird das dem internationalen Stand entsprechende Bauwerk gleichzeitig zu einem eindrucksvollen architektonischen Anziehungspunkt machen, der aus diesem Grund einen zentralen Standort einfordert.
Unter Berücksichtigung dieser repräsentativen Wirkung für den Aufbau der Hauptstadt und Entwicklung der DDR ist dem Gelände östlich des Marx-Engels-Platzes gegenüber dem bisher vorgesehenen am Friedrichshain der unbedingte Vorzug zu geben.“
Der Fernsehturm als städtebauliche Höhendominante erschien vielen Parteifunktionären als angemessener Ersatz für das nicht realisierte Zentrale Hochhaus, das bei der sozialistischen Umgestaltung des Ost-Berliner Zentrums anstelle des abgerissenen Berliner Schlosses gebaut werden sollte.
Im Zusammenhang mit diesem Architekturwettbewerb Ende der 1950er Jahre hatte Hermann Henselmann den Vorschlag unterbreitet, einen 300 Meter hohen Turm der Signale zu errichten, dessen Turmschaft aus drei konkav gekrümmten und mit weiß-goldenem Mosaik belegten Schalen bestehen sollte.
Auf dem Schaft auf 230 Metern Höhe sollte eine Restaurant- und Aussichtskugel aus leuchtendem Rubinglas mehrere Etagen enthalten und von einer schlanken Spitze abgeschlossen werden.
Die entscheidende Sitzung des Politbüros zum Bau fand am 14. Juli 1964 statt. Dort zog der Erste Sekretär des Zentralkomitees der SED Walter Ulbricht die Schlussfolgerung, den zentral in Berlin geplanten Fernsehturm dem hohen und unrentablen Regierungsgebäude vorzuziehen.
Gleichzeitig beauftragte die SED-Führung mit der Gesamtleitung des Bauprojektes Gerhard Kosel, den damaligen Präsidenten der Deutschen Bauakademie.
Am 24. August 1964 lud Ulbricht Kosel den Chefarchitekten Joachim Näther zu einem Gespräch ein und empfahl, den Fernsehturm westlich des Bahnhofs Alexanderplatz zu errichten.
Die Legitimierung für Ulbrichts Entscheidung lieferte später der Schweizer Architekt und Stadtplaner Hans Schmidt, der den Auftrag erhalten hatte, die Sichtbeziehungen von den verschiedenen Standorten zu untersuchen.
Die empfohlene Standortwahl kam einer Anordnung gleich, die vom Politbüro nach der Unterredung als Arbeitsanweisung formuliert wurde. Einen Monat später, am 22. September, erhielt der Turm seinen endgültigen Standort.
In dieser Sitzung soll Ulbricht am Stadtmodell der Deutschen Bauakademie den in diesem Zusammenhang oft zitierten Satz
„Nu, Genossen, da sieht man’s ganz genau:
Da gehört er hin“ ausgesprochen haben, der zum Inbegriff des absolutistischen Diktats des Regimes geworden ist.
Ausschlaggebend für die Standortentscheidung war nach Meinung der beteiligten Planer vor allem der feste Untergrund.
Die politische Standortentscheidung erhielt eine ästhetische Begründung, indem die Blickbeziehung zwischen einem Passanten auf dem Marx-Engels-Platz und dem 700 Meter entfernten Turm hergestellt wurde.
Der damalige Entwurf sah zwei zylindrische Turmkörbe und eine Höhe von 375 Metern vor. Von dieser Stelle aus sei der Turm in seiner gesamten Höhe zu sehen, ohne dass der Betrachter dafür hochschauen müsse, da es dem normalen Sehwinkel von etwa 27 Grad entspreche.
Dieses Idealverhältnis entspreche zusätzlich dem Vorhaben, das Bauwerk als zentrales Gebäude axial (→ Orientierung in der Architektur) anzuordnen, womit es zum Blickpunkt von verschiedenen Alleen und größeren Straßen aus werde.
Diese sehr einfache Darlegung ignorierte zum einen die bereits erwogene Hochhausbebauung auf der Spreeinsel, zum anderen, dass viele der Straßen einen geknickten Verlauf haben und damit die Vorstellung einer barocken Orientierung auf einen Point de vue nur teilweise griff.
Wie sich nach der Fertigstellung herausstellte, ist der Turm aufgrund seiner Höhe von vielen Straßen in unmittelbarer Zentrumsnähe aus zu sehen, wogegen er in weiterer Entfernung durch Hochhäuser teilweise oder ganz verdeckt wird.
Die Argumentation spiegelt die realsozialistische Vorstellung vom Zentrum der Macht in geeigneter Weise wider.
Im Übrigen war die Höhe von 365 Metern nicht baulich bedingt, sondern dass nur ein hoher Turm die nötige Reichweite bot.
Projektierung und Formfindung
Die Bedenken bezüglich der Sicherheit des Flugverkehrs, die für den Standort Müggelberge zum Abbruch des Projektes geführt hatten, spielten für die Sicherheit des West-Berliner Luftraums keine Rolle.
Den von den westlichen Alliierten bei der sowjetischen Botschaft vorgebrachten Einspruch wiesen die deutschen Planer mit zwei knappen Erläuterungen zurück:
Erstens beeinträchtige der Bau des Fernsehturms nicht die Sicherheit des Flugverkehrs der DDR und zweitens sollten derartige Fragen, die das Hoheitsgebiet der DDR beträfen, direkt an die DDR gerichtet werden und nicht an den sowjetischen Botschafter.
Es gab innerhalb der DDR kritische Stimmen gegen den Standort. Zu den prominentesten Kritikern zählte der Chefarchitekt Joachim Näther.
Näther favorisierte einen öffentlichen Wettbewerb, um die schöpferischen Kräfte aller Architekten zu mobilisieren.
Der Bildhauer Fritz Cremer machte deutlich, dass er die Verantwortung für den Fernsehturmbau an diesem Standort ausdrücklich ablehne, trotz der Mitwirkung am Arbeitskreis Bildende Kunst im Stadtzentrum.
Kritik dieser Art wurde meist sehr verklausuliert geäußert und konnte am Status quo nichts mehr ändern.
Nachdem der Standort gefunden war und der Kern der Konstruktion feststand, war noch die Frage der architektonischen Ausgestaltung zu klären. Kosels Vorschlag eines zweigeteilten Turmkorbs erinnerte zu deutlich an den Wiener Donauturm.
Die SED-Führung wollte auf jeden Fall vermeiden, dass sich in diesem von Ulbricht selbst als „Sensation“ bezeichneten Bauwerk ein Nacheifern bestehender Formen ausdrücken könnte. Aus diesem Grund waren Gestaltungsrichtlinien anfänglich noch recht vage formuliert:
„Der Turm darf nicht wie ein Schornstein wirken. Der Turmkopf soll in der Gestaltung den Charakter einer Krone erhalten: elegante Turmkopfverkleidung“
– Protokoll der 1. Sitzung des Technischen Rates Fernsehturm vom 16. Oktober 1964
Von einer Kugelform, wie sie Henselmann in den 1950er Jahren vorgeschlagen hatte, war noch keine Rede.
Die erste völlig neuartig vorgesehene Gestaltung des Turmkopfes enthält eine undatierte Zeichnung, die gegen Ende 1964 vom VEB Industrieprojektierung (Ipro) Berlin stammt.
Die Schnittzeichnung zeigt eine leicht ellipsoide Form mit tragenden Stützkonstruktionen für die Geschosse und kommt dem tatsächlich ausgeführten Kugelkopf schon sehr nahe.
Diese Darstellung trägt die Unterschrift des Ipro-Architekten Günter Franke.
Die neue Form stand am 22. Dezember 1964 für den Turm als Terminus ante quem fest; sie wurde am 19. Januar 1965 vom Technischen Rat erstmals beraten.
Die ursprüngliche Idee von Kosel, die Turmkugel zu vergolden, kam aus Kostengründen nicht in Frage.
Die Öffentlichkeit erfuhr am 13. Februar 1965 aus dem Zentralorgan Neues Deutschland unter der Überschrift Fernsehturm Hauptstadt Berlin mit drei Modellaufnahmen zum ersten Mal von dem Projekt.

Baubeginn ohne Genehmigung
Mit der Genehmigung der neuen Gestalt des Berliner Fernsehturms durch das Zentralkomitee der SED am 9. Februar 1965 wurde sie bindend festgeschrieben.
Einen Tag später erteilte der Magistrat die Standortgenehmigung.
Am 20. März begannen die nach Ulbrichts Weisung „rigoros durchzuführenden“ Abrissarbeiten von insgesamt 29.400 Quadratmetern Wohn-, Büro-, Verkaufs- und Lagerfläche.
Um die Räumung des Geländes und der teilweise noch völlig intakten Gebäude schneller durchführen zu können, wurden neben Abrissbirnen auch Sprengungen eingesetzt.
Die Kosten für die Grundstückskäufe und Entschädigungen beliefen sich im April 1965 auf mindestens 6,2 Millionen Mark. Werden die Kosten für Abriss und Verlagerung hinzugerechnet, schlug die Aktion mit 38,8 Millionen Mark zu Buche, was bereits die veranschlagten Gesamtkosten von 33 Millionen überstieg.
Diese durch unrealistische Schätzungen verursachte Kostenexplosion in den ersten Monaten führte zu einem planerischen Durcheinander und dazu, dass die Plankommission und Bauaufsicht keine weiteren Sondergenehmigungen erteilen wollten, was zu einem Stillstand der Arbeiten vom 31. Mai bis zum 4. Juni 1965 führte.
Erst nach Kosels Intervention konnten die Arbeiten fortgesetzt werden; eine Genehmigung lag dennoch nicht vor.
Die an der Finanzierung beteiligte Deutsche Investitionsbank der DDR sah die wirtschaftlichen Ziele für „völlig gesetzeswidrig“ an und belegte die Kredite mit einem Strafzins.
Dies brachte das Bauprojekt fast zu einem weiteren Stillstand.
Erst ein dirigistischer Eingriff sorgte für die Fortsetzung der Arbeiten am Projekt.
Wegen der Vertuschung der wahren Kosten für den Bau des Berliner Fernsehturms gab es weder eine offizielle Grundsteinlegung noch einen „Ersten Spatenstich“. Ohne die erforderliche Baugenehmigung nahm der Turm als Schwarzbau seinen Anfang.


Fundament- und Schaftarbeiten
Die Arbeiten am Fundament begannen am 4. August 1965 und waren bis Ende 1965 fertiggestellt.
Es konnte ein rund 20 Meter hohes Stahlgerüst für die Betonierung des Turmfußes aufgestellt werden, die am 15. März 1966 begann.
Die stetig steigenden Baukosten führten im Dezember 1965 dazu, dass Gerhard Kosel seinen Posten als Gesamtleiter räumen musste.
Ihm folgte Gerhard Frost, der Architekt des Ende der 1950er Jahre errichteten Fernsehturms Dequede.
Am 30. März 1966 war die Hyperboloidschale fertiggestellt.
Der Turmschaft konnte nur mittels Kletterbauweise errichtet werden, da er sich von 16 auf 9 Meter Durchmesser verjüngt.
Durch die von außen gut an ihren Bullaugen zu erkennenden Zwischengeschosse unterteilt sich der Schaft in fünf Abschnitte.
Die Betonierung ging zügig voran, sodass die 100-Metermarke am 4. Oktober 1966 überschritten wurde. Seine endgültige Höhe erreichte der Schaft am 16. Juni 1967.
Die Anlieferung des Betons erfolgte zunächst in Einheiten von 500 Litern; er wurde später vor Ort gemischt, um eine gleichbleibende Qualität zu erzielen.
Für den 26.000 Tonnen schweren und 248,78 Meter hohen Schaft wurden insgesamt 8000 Kubikmeter Beton verbaut.
Am 29. August 1967 begannen die Arbeiten am Tragepodest.
Ein Kran hievte die Stahlbetonplatte mit insgesamt 16 Metern Durchmesser segmentweise auf ein vormontiertes Hilfsgerüst. Diese Arbeiten erforderten aus Sicherheitsgründen einen Sperrkreis von 100 Metern.
Die Podestplatte war nicht im ursprünglichen Entwurf enthalten und wurde erst nachträglich aufgrund gestiegener Sicherheitsanforderungen hinzugefügt.
Eine Beheizung des unteren Teils des Antennenträgers verhinderte zuverlässig das Herabfallen von Eisablagerungen.

Bau der Kugel
Parallel zum Aufbau des Schaftes gingen die Vorarbeiten für die Turmkugel voran.
Die Realisierung der Konstruktionsdetails sowie unterschiedliche Auffassungen über die Verantwortlichkeit der beteiligten Institutionen erschwerten den Arbeitsfortschritt.
Bis zum Sommer 1966 war noch ungeklärt, welcher Stahlbaubetrieb die Außenhaut der Kugel herstellen sollte.
Schließlich erhielten der VEB Industriemontagen Merseburg und der VEB Industriestahlbau Leipzig den Auftrag.
Als Material importierte der Bauherr Edelstahl aus Westdeutschland.
Die Arbeitsgruppe VEB Ipro hatte das Verfahren zur Montage der Kugel auf den Stahlbetonschaft ausgearbeitet, wonach die Kugel in 120 Segmente aufgeteilt am Boden zusammengesetzt werden konnte.
Dafür wurde im April 1967 auf der Baustelle zwischen Marienkirche und dem Roten Rathaus eine 35 Meter hohe Nachbildung des Schaftes errichtet, an der die Kugelsegmente vormontiert wurden.
Diese Arbeiten dauerten bis November 1967.
Die Baukosten waren inzwischen auf 95 Millionen Mark angestiegen, verursacht vor allem durch mit Devisen zu bezahlende Bauteile und Materialien.

Vom 2. Januar bis zum 7. Februar 1968 wurde auf dem fertig betonierten Schaft ein Eisenbahnkran des VEB Schwermaschinenbau S. M. Kirow Leipzig montiert.
Am 29. März 1968 konnte damit das erste Kugelsegment nach oben transportiert werden.
Der Hubvorgang des zehn Tonnen schweren Einzelstücks dauerte 22 Minuten.
Die Montage der Elemente erfolgte von unten nach oben sowie im Uhrzeigersinn und musste zunächst gegen den Betonschaft gestützt werden, bevor die Stahlbänder belastet werden konnten, die die gesamte Kugelkonstruktion nach Abschluss der Arbeiten halten sollten.
Im Juni konnten die Antennenträger hochgezogen werden. Mitte Juli waren alle Fassadenelemente und Geschosse vollständig angebracht. Ende Juli 1968 begann die probeweise Belastung der Stahlbänder:
Pressen drückten die Elemente vom Turmschaft weg, so dass sie an den Bändern befestigt werden konnten.
Am 5. Oktober war die Kugel vollständig mit der Außenhaut verkleidet.
Die für die Aussichtsplattform und das Restaurant erforderlichen Thermofenster waren in Belgien angefertigt worden.
Ein kleines Segment blieb zunächst geöffnet, um die Materialien für den Innenausbau bequem hineinzubringen.
Das letzte Segmentstück wurde schließlich am 7. Oktober angebracht.
Nach Beendigung dieses Bauabschnittes feierten die Beteiligten das Richtfest.

Schlussarbeiten
Die im VEB Funkwerk Köpenick gefertigten rund fünf Meter hohen Segmente der Antennenrohre wurden durch den später am Bauwerk verbliebenen Kran bis zum Tragepodest und weiter über einen Kletterkran an die vorgesehene Stelle befördert.
Vom 2. Oktober bis 30. Oktober 1968 erhielt das Turmbauwerk seine Spitze und das über der Kugel befindliche Antennengerüst, sodass im folgenden Jahr der Innenausbau folgen konnte.
Der Zeitplan der Bauarbeiten konnte relativ gut eingehalten werden.
Völlig außer Kontrolle liefen dagegen die Kosten; sie hatten bis Ende November 1968 einen Höchststand von 103,53 Millionen Mark erreicht.
Bei den im Dreischichtbetrieb ausgeführten Bauarbeiten waren in der Tagschicht 60 und in der Nacht 30 Arbeiter beschäftigt.
Am Projekt war die Zuarbeit von rund 300 Unternehmen nötig.
Für einen möglichst zügigen Ablauf wurde ein beträchtlicher Aufwand betrieben.
Den Arbeitern standen beheizbare Kunststoffzelte zur Verfügung.
Für die Verständigung zwischen den Baubeteiligten gab es eine Fernsprechanlage im Schaft, zudem wurden Handsprechfunkgeräte der Nationalen Volksarmee verwendet.
Die Bauleitung war in ständiger Verbindung mit dem Wetterdienst in Potsdam, um vor möglichen Unwettern gewarnt zu werden.



Anfang 1969 sickerte Wasser in das Innere der Turmkugel, das erheblichen Schaden anrichtete; die Kugel musste erneut abgedichtet werden.
Gegenüber dem ursprünglichen Plan gab es inzwischen einen zehnmonatigen Rückstand; denn die Arbeiten sollten zum 20. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1969 beendet werden.
Bis zum 3. Oktober 1969 erfolgte der Innenausbau, und der Eingangspavillon konnte fertiggestellt werden.
Nach 53 Monaten reiner Bauzeit war der Turm trotz aller Widrigkeiten in „rekordverdächtiger“ Zeit vollendet.
Die Kosten beliefen sich auf über 132 Millionen Mark, wobei die beiden erst Anfang der 1970er Jahre fertiggestellten Pavillons nicht eingerechnet waren.
Damit war der Turm mindestens viermal so teuer wie ursprünglich geplant. Eine genaue Schlussrechnung wurde nie aufgestellt, da die beteiligten Instanzen versuchten, die Kosten auf verschiedene Fonds zu verteilen, um die Bilanz zu retten.
Das Bauwerk, das offiziell die Bezeichnung „Fernseh- und UKW-Turm Berlin“' erhielt, war im Oktober 1969 der zweithöchste Fernsehturm der Welt. Höher war nur noch der Fernsehturm Ostankino in Moskau.
Gleichzeitig war es nach dem Turm in Moskau und dem Empire State Building in New York das dritthöchste freistehende Bauwerk seiner Zeit.
Seit der Eröffnung
Am 3. Oktober 1969 weihte Walter Ulbricht zusammen mit seiner Frau Lotte und einer Delegation hochrangiger Begleiter, darunter Günter Mittag, Herbert Warnke, Paul Verner, Rudolph Schulze, Erich Honecker, Werner Lamberz und Erich Mielke, den Fernsehturm ein und gab das Startsignal für DFF 2, das zweite staatliche Programm der DDR.
Damit begann in dem Land das Farbfernsehen auf zwei Kanälen. Nach einem kontroversen Prozess wurde für das französische SECAM- und gegen das westdeutsche PAL-System entschieden.
Die sozialistische Tageszeitung Neues Deutschland beschrieb die Bauleistung mit „Der Turm – ein Meisterstück für die Republik“ und „Der Turm – Symbol unserer Leistung“.
Die emphatische Berichterstattung über die Fertigstellung hielt in der DDR bis 1989 an und wurde von allen Medien getragen.
Für die Öffentlichkeit ist der Turm seit dem 7. Oktober 1969, dem Tag der Republik, zugänglich. Um den Berichten zur Turmeröffnung in Berlin den Vorrang zu lassen, wurde die offizielle Eröffnung des bereits im Sommer 1969 fertiggestellten Fernsehturms in Dresden zurückgestellt.
Die Presse in West-Berlin ignorierte das Ereignis weitestgehend.
Ab dem 16. Februar 1970 strahlten fünf UKW-Programme vom Turm; ein erstes Fernsehprogramm folgte am 4. April 1970.
Anfang 1972 waren die beiden noch fehlenden Pavillons für Ausstellungen, das Informationszentrum der Berlin-Information, ein Kino und gastronomische Einrichtungen fertiggestellt. Insgesamt boten die Gaststätten Platz für rund 1000 Gäste.
Im selben Jahr konnte der viermillionste Besucher im Fernsehturm begrüßt werden.
Nachdem im Jahr 1975 eine gesetzliche Grundlage für den Denkmalschutz geschaffen worden war, erhielt 1979 der Berliner Fernsehturm diesen Status.
Nach der deutschen Wiedervereinigung schrieb die Bundesrepublik den Denkmalstatus des Bauwerks fest.
Im Jahr 1986 siedelte sich erstmals ein Wanderfalkenpaar am Alexanderplatz an.
Die Vögel nutzen dabei den Fernsehturm als Sitzplatz für die Ansitzjagd.
Der Ansitz befindet sich in 185 Metern Höhe an der südöstlichen Seite des Turmes.
Meist stürzen sich die Wanderfalken auf die nachts vorüberziehenden Vögel.
Vom Ansitz aus können die Falken die Beutevögel über dem hell erleuchteten Alexanderplatz gut sehen.
Bei Tag konnten die Falken bei der Insektenjagd um den Fernsehturm und beim Absammeln der Insekten von der Betonfläche mit Schnabel und Fängen beobachtet werden.
Dem Greifvogelpaar dienen zum Brüten Nistkästen an der Marienkirche und am Berliner Rathaus.
Als 1990, im Jahr der deutschen Wiedervereinigung, der Palast der Republik geschlossen und ein Abriss ernsthaft erwogen wurde, mehrten sich Stimmen, die den Fernsehturm als Inbegriff der totalitären DDR-Herrschaft ebenfalls abreißen lassen wollten.
Der Schriftsteller Friedrich Dieckmann merkte 1992 dazu Folgendes an:
„Ich neige der Erhaltung des Palastes [der Republik] auch deshalb zu, weil es einen ungleich wichtigeren Abrissgegenstand im Inneren der Stadt gibt, das ist der Fernsehturm. […]
Dieses obszöne Gebilde, […] ist eine architektonische Machtdemonstration von ungeschönter Direktheit, gleichsam das vertikale Korrelat zu der ebenerdigen Mauer.
Dem defensiven Grenzbauwerk in seiner linearen Erstreckung trat die Aggressionsgeste dieser in eine Art Schlagbaum ausgehenden Turmnadel zur Seite, deren Sichtbeton vor allem auf West-Berlin berechnet war. Man sollte dort sehen, wer Berlin in der Hand hatte.“
Friedrich Dieckmann
Die Bundesrepublik entschied sich für den Erhalt des Bauwerks.
Die Deutsche Telekom als neuer Betreiber investierte schließlich über 50 Millionen Mark in die Modernisierung der Sendeanlagen.
Einige bauliche Renovierungen mussten vorgenommen werden; unter anderem war eingebrachter Spritzasbest zu beseitigen. So wurden in den Jahren 1995/1996 die Wand- und Deckenverkleidungen des Turmrestaurants und der Aussichtsetage durch schwer entflammbare neue Dämmmaterialien ersetzt.
Von 1995 bis 1999 ließ die Telekom die Betriebstechnik für rund 100 Millionen Mark komplett erneuern.
Bei diesen Renovierungen erhielt die bisherige Antenne ab 327 Metern eine neue, leistungsfähigere Spitze.
Dadurch wurde der Turm von ursprünglich 365 Metern im Sommer 1997 auf 368 Meter erhöht.
Der Turmschaft aus Sichtbeton erhielt einen hellgrauen Schutzlack.
In den 1990er Jahren diente der Berliner Fernsehturm immer mehr als Kulisse für sportliche Höchstleistungen.
So seilten sich am 24. Juni 1992 anlässlich eines „Ferien-Eröffnungsfests“ die Sportkletterer Detlef Stock, Tilmann Hartmann und Gregor Katzer mit Hilfe verbundener 50-m-Seile von der Kuppel (207 m) bzw. vom Aussichtgeschoss (203 m) ab.
Der Österreicher Rupert Hirner ließ sich zum 25-jährigen Jubiläum des Turmes am 3. Oktober 1994 an einem 70 Meter langen und 70 Kilogramm schweren Gummiseil aus 260 Metern Höhe in die Tiefe fallen.
Mit dem Bungee-Sprung stellte Hirner damals eine Weltrekordleistung auf.
Am 26. März 1995 versuchte der Hochseilartist Matthias Traber an einem 620 Meter langen und 36 Millimeter starken Seil, das zwischen dem Fernsehturm und dem Berliner Dom gespannt war, die Distanz zu überqueren.
Rund 50.000 Schaulustige versammelten sich zu dem Spektakel, das nach 28 Minuten abgebrochen werden musste.
Traber verlor nach 250 Metern über dem Neptunbrunnen die Balance und musste sich aus 50 Metern Höhe abseilen.
Am 3. Juli 1998 fand der erste Turmtreppenlauf im Berliner Fernsehturm statt, den mit 5:56,8 min der Hürdensprinter und ehemalige Olympiasieger Thomas Munkelt für sich entschied.
Er schaffte die 986 Stufen zur Aussichtsplattform fünf Sekunden schneller als der dreifache Sieger des New Yorker Empire-State-Building-Laufs.
Der Fernsehturm gehört zu den Bauwerken, die bei dem seit 2004 im Oktober stattfindenden Festival of Lights durch eine besondere Lichtinstallation für mehrere Tage kunstvoll angestrahlt werden.
Aus Anlass der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 erhielt die Turmkugel im Rahmen einer Werbeaktion des Betreibers Telekom eine Verkleidung als magentafarbenen Fußball.
Die Beklebung der Außenfassade des Turmkorbs führten Industriekletterer in einer fünf Monate dauernden Aktion aus.
Im Jahr 2009 wurde der Turm ein weiteres Mal als Werbeträger genutzt.
Die Telekom ließ 14 Vinylbanner mit Liebesbotschaften entlang des Schafts anbringen.

Auf Veranlassung der Betreibergesellschaft TV Turm Alexanderplatz Gastronomiegesellschaft mbH erfolgte Anfang 2012 eine vollständige Modernisierung aller Publikumsbereiche, die fünf Monate dauerte und rund 1,5 Millionen Euro kostete.
Der Berliner Senat beauftragte im selben Zeitraum eine Neugestaltung des Umfelds des Fernsehturms.
Der Innenbereich erhielt eine neue Möblierung, die Besucherbereiche wurden heller gestaltet und die Aufenthaltsqualität in allen Publikumsbereichen deutlich erhöht.
Bis Dezember 2013 war die Umgestaltung des Vorplatzes abgeschlossen, vor allem die Beseitigung der Blumenrabatten an den unteren Spitzen der Pavillon-Faltdächer.
Lage und Umgebung
Der Berliner Fernsehturm befindet sich südwestlich des Bahnhofs Alexanderplatz im Park am Fernsehturm.
Der Standort des Bauwerks wird häufig fälschlicherweise dem nordöstlich gelegenen Alexanderplatz zugeschrieben.
Wegen der Nähe zum bekannten Platz wird der Fernsehturm mitunter sogar als Alex-Turm bezeichnet.
Die tatsächliche Umgebung des Fernsehturms wurde zwischen 1969 und 1974 als kleine grüne Oase für Besucher gestaltet, beteiligt waren die DDR-Kollektive Walter Herzog, Heinz Aust, R. Heider für die hexagonale Geometrie der Pavillonbauten vom Fuß des Fernsehturms mit einer Gastwirtschaft und Ausstellungsflächen und H. Matthes, E. Horn und R. Rühle für die Wasserspiele und die Grünflächen, die die Geometrie der Bauwerke aufnehmen mit den Rosenparterres, Ziergehölzen, Linden und Ahorn.
Die Gesamtfläche reicht vom Bahnhof bis zum neu platzierten neobarocken Neptunbrunnen.
Der Berliner Senat hat das Ensemble unter Denkmalschutz gestellt und sozialistische Zentrumsfläche getauft.

Der Turm steht auf einem rechteckigen, etwa sechs Hektar großen Platz auf 37 m ü. NN.
Das Areal wird begrenzt von der Gontardstraße und den Bahngleisen des Bahnhofs Alexanderplatz (nordöstlich), der Karl-Liebknecht-Straße, an der sich die älteste Kirche Berlins, die Marienkirche, befindet (nordwestlich), der Spandauer Straße (südwestlich) und der Rathausstraße mit dem Roten Rathaus (südöstlich).
Auf der Südseite der Spandauer Straße schließt sich bis zur Spree hin das Marx-Engels-Forum an.
Neben den Berliner U- und S-Bahnen halten mehrere Linien der Straßenbahn und des Busverkehrs am Bahnhof, von dem der mittlere Ausgang auf das Eingangsgebäude des Fernsehturms zuführt.
Die am Nordrand liegende von der Gontardstraße abgehende Panoramastraße wurde 1882 nach einem Rundbau mit dem Panorama der Schlacht von Sedan benannt.
Nebengebäude des Turms sind dieser Straße zugeordnet: der Anbau gegenüber dem Eingang ist Panoramastraße 1a, der rechte Flügel des Eingangsgebäudes Panoramastraße 2.
Zur Gontardstraße adressiert ist der Fernsehturm mit dem Eingangsgebäude Gontardstraße 7 und dessen linker Flügelbau als Gontardstraße 9.
Zeitgleich mit dem Fernsehturm wurde das 1970 fertiggestellte, 125 m hohe Hotelhochhaus Interhotel Stadt Berlin am Alexanderplatz fertiggestellt, das als Park Inn by Radisson Berlin Alexanderplatz geführt wird.
Zwischen 1967 und 1972 entstanden direkt südlich vom Fernsehturm die Rathauspassagen als langer Riegel neben dem Roten Rathaus.
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Fundament, Basis und Schaft
Der Berliner Fernsehturm ist wegen des ungleichen Untergrunds zwischen 2,70 und 5,80 Metern gegründet; das Fundament hat eine Wandstärke von 50 Zentimetern.
Verglichen mit Fundamenttiefen anderer Fernsehtürme, wie dem in Stuttgart mit 8 Metern oder dem Europaturm in Frankfurt am Main mit 18,5 Metern ist der Berliner flach gegründet.
Die Probebohrungen förderten eine Mischung aus Kies, Sand, Stein- und Braunkohleschichten zutage, die eine gute Tragfähigkeit aufweisen.
Zudem liegt der Standort trotz der relativen Nähe zur Spree auf einer der Talsandinseln, auf denen das historische Berlin gegründet wurde.
Der Außendurchmesser des Fundaments beträgt 42 Meter.
Das Bauwerk ist auf einem drei Meter dicken und leicht nach innen vorgespannten Ringfundament mit 41 Metern Außendurchmesser gegründet.
Neben diesem Fundament besteht noch ein zweites quadratisches mit Seiten von 4,70 Metern, das den inneren Teil des Turmschaftes trägt.
Es handelt sich um eine 390 Tonnen schwere, selbsttragende Stützkonstruktion aus Stahl, die bis auf 230 Meter Höhe ragt.
Das Gerüst nimmt drei Fahrstühle, Versorgungsschächte und Kabel sowie eine Nottreppe mit 986 Stufen auf.
Das Schaftgerüst ist aus Stabilitätsgründen an verschiedenen Stellen mit der Innenseite des Betonschafts verbunden.
Die sichtbare Basis auf Geländehöhe hat einen Durchmesser von 32 Metern und verläuft in Form eines 20 Meter hohen sich hyperbolisch verjüngenden Kegelstumpfs mit Bullaugen.
In diesem Detail ähnelt er dem Fernsehturm Ostankino in Moskau.
Vom Eingangspavillon erhebt sich bis zum Turmkorb der 248,78 Meter hohe Turmschaft, dessen Durchmesser sich von 16 auf 9 Meter verjüngt. Die fünf Abschnitte von je 45 Metern werden durch Zwischengeschosse unterteilt, was außen an den Bullaugen zu erkennen ist.
Ab einer Höhe von 91 Metern befinden sich rote Flugwarnbefeuerungen.

Umbauungskomplex
Drei Pavillons, deren Grundrisse pfeilförmig und symmetrisch zur Längsachse des Turmplatzes verlaufen, säumen den Turm an seiner ebenerdigen Basis.
Die zweigeschossigen, sechseckigen Bauten dienen als Eingangsbereich sowie für gastronomische Einrichtungen und für Ausstellungen.
Bis zur Eröffnung war nur der Eingangspavillon fertiggestellt.
Sie sind an allen Seiten verglast und lichtdurchflutet. Markantestes Merkmal dieses Basiskomplexes sind die mit einer dreißigprozentigen Neigung verlaufenden Betonfaltdächer, deren Spitzen etwa 30 Zentimeter über dem Boden beginnen. Andere Teile des Daches streben aufwärts und ragen bis zu 21 Meter hoch.
Der Eingangsbau befindet sich rund 50 Meter gegenüber dem Bahnhof Alexanderplatz.
Die offene Eingangshalle wird von einer sechsteiligen Freitreppe flankiert, deren Teile sich mittig in einem zentralen Podest treffen. In dieser Halle sind der Kassenbereich für die Turmauffahrt und ein Souvenirladen untergebracht.
Ein in sechs Metern Höhe angeordneter verglaster und überdachter Übergang (Skyway genannt) führt zu den Umgängen am Turmschaft und zu den Aufzügen.

Das hexagonale Raster des Umbauungskomplexes setzt sich in der nach Südwesten gerichteten großen Freitreppe fort, die zu den beiden anderen Pavillons führt.
Die Treppe schiebt sich förmlich von der Turmumbauung als Terrasse in den Park hinein. Zu beiden Seiten der Treppe sind vier Wasserbecken symmetrisch angeordnet, die zu jeder vollen Stunde automatisch angesteuert werden, um mit Fontänen verschiedene Wasserfiguren zu erzeugen.
Die Anlage besteht aus 560 Düsen und verfügt über 296 Unterwasserscheinwerfer, um das Wasserspiel anzustrahlen.
Aus der Vogelperspektive erscheint die Grundfläche der Umbauung als Pfeil oder Rakete.
Der Neptunbrunnen befindet sich in einer Sichtachse zur südwestlichen Freitreppe. Die Freifläche ist rund 600 Meter lang und 300 Meter breit. Sie wurde von den Architekten Hubert Matthes, Eberhard Horn und Rolf Rühle gestaltet.
Die bauliche Ausführung der Fußumbauung oblag dem VEB BMK Ingenieurhochbau Berlin, wobei Ulrich Müther mit seiner Baufirma VEB Spezialbetonbau Rügen den Maschinenpark für das Torkretieren der auskragenden Faltwerkdächer zur Verfügung stellte.
Entwurf und die Planung des Umbauungskomplexes erfolgten durch den Architekten Walter Herzog und den Tragwerksplaner Rolf Heider.
Aufbau und Technik
Der Turmkorb wird von einer Kugel – auch Turmkugel genannt – mit 32 Metern Durchmesser und damit etwas über 17.000 Kubikmetern Volumen gebildet.
Der Kugelmittelpunkt befindet sich auf 213,78 Metern Höhe.
Die Außenhaut des siebengeschossigen Baukörpers besteht aus trapezförmigen Flächen, die 15 Zentimeter über die Grundfläche hinausragen und silbrig-graue Pyramiden bilden.
Dadurch erhält die Kugel eine Struktur, die einer Diamantenrustika ähnelt.
Bis auf die Besucherebenen ist der Baukörper fensterlos.
Lediglich kleine Bullaugen lassen in den übrigen Geschossen Licht ins Innere.
Die Bleche für die Außenverkleidung bestehen aus hochwertigem rostfreien Stahl der Stahlwerke Südwestfalen AG Siegen-Geisweid.
Dass die DDR das Material vom Klassenfeind aus Westdeutschland importierte, wurde bewusst geheim gehalten.
Die über 1000 Pyramiden lassen die 3500 Quadratmeter Außenhaut der Turmkugel wie einen Diamanten wirken.
Neben der ästhetischen Gestaltung dient die Form der Verhinderung von Luftverwirbelungen.
Die vergrößerte Rauheit der Oberfläche verringert die Angriffsfläche für Winde.
Die Turmkugel hat eine Masse von 4800 Tonnen.
Während die meisten Turmkörbe von Fernsehtürmen unmittelbar auf Betonkonsolen ruhen, ist die Kugel mittels eines komplizierten Stahlfachwerks am Betonschaft befestigt.
Das innenliegende Stahlskelett ist an 20 Stahlbändern von einem Zugring abgehängt und liegt in 229 Metern Höhe auf einer Betonkonsole.
Die Stärke der 20 Stahlbänder variiert zwischen 8 und 26 Zentimetern und bildet einen mehrfach geknickten Polygonzug.
Die in den Publikumsetagen mit „I“ bis „XX“ nummerierten Bänder sind neben jedem dritten Fenster sichtbar.
In jeder Etage ist jedes der 20 Bänder mit der Außenkante eines radialen Trägers verschweißt, dessen Innenseite am Betonschaft aufliegt.
Zwischen den Radialträgern liegen kleinere, tangential verlaufende Träger, die ein fachwerkähnliches Gerüst bilden.
Der Vorteil dieser Hängekonstruktion ist, dass stützenfreie Räume entstehen, die beliebig abgeteilt werden können.
Sicherheitstechnik
Um die Gefahr herabstürzender Schnee- und Eisteile so gering wie möglich zu halten, wurden im oberen Drittel der Kugel verschiedene Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt.
Je ein Schneefanggitter befindet sich ober- und unterhalb der vierten und fünften Pyramidenreihe.
Zwischen der sechsten und siebenten Reihe auf 220 Meter Höhe bildet eine begehbare Abflussrinne einen von Weitem mit bloßem Auge erkennbaren Einschnitt, in dem Niederschlag abfließen kann.
Einen Schutz vor Eisschlag bilden bestimmte besonders verstärkte Bereiche der Außenhaut.
Um alle Teile der Kugel über eine der jeweiligen Krümmung angepasste Arbeitsbühne erreichen zu können, wurde ein System aus vier speziellen Führungsschienen entwickelt, mit dem die gesamte Kugel umfahren werden kann.
Diese Arbeitsbühne wird bei Nichtbenutzung am Turmfuß geparkt. Für die Reinigung der Fenster existiert eine ständig an der Kugel verbleibende zweigeschossige Wartungsbühne.
Ihre Führungsschienen sind ober- und unterhalb der beiden Fenstergeschosse erkennbar.
Etagenaufteilung
In der untersten Etage befindet sich auf 200 Metern die Klimaanlage, die die Sendetechnik und das Restaurant kühlt. Als Erstausstattung kam ein Import aus Skandinavien zum Einsatz.
Darüber befindet sich auf 203,78 Metern die Aussichtsplattform mit einem Durchmesser von 24 Metern, die für insgesamt 120 Personen zugelassen ist.
Auf dieser Ebene für den Publikumsverkehr verläuft vor den nach außen geneigten Fenstern eine Brüstung, auf der in Schautafeln das Stadtbild erklärt wird.
Auf der dritten Ebene mit einem Durchmesser von 29 Metern befindet sich auf 207,53 Metern das Restaurantgeschoss, Telecafé genannt, mit auf 40 Tische verteilten Sitzplätzen für 200 Gäste.
Der innere Teil dieses Geschosses bildet einen feststehenden Flurteil.
Der äußere Teil ist ein drehbarer, auf 120 Rollen gelagerter Ring von 4,50 Metern Breite, der die Grundlage für das Drehrestaurant bildet.
Bis zum Umbau in den späten 1990er Jahren drehten sich die fest montierten Tische innerhalb einer Stunde um 360 Grad im Uhrzeigersinn (Draufsicht); danach mussten die Gäste ihre Plätze freimachen. Inzwischen lässt sich die Umdrehungsgeschwindigkeit auf eine halbe oder ganze Stunde einstellen.
Das Telecafé wird durch eine vom Künstler Richard O. Wilhelm gestaltete, farbig durchscheinende Glaswand vom Treppenhaus getrennt.
Die hell gepunktete Wand stilisiert die Milchstraße.
Die beiden Besucherebenen sind mit außen bronzefarbenen Fensterbändern hervorgehoben. Insgesamt hat die Kugel eine Nutzfläche von 5000 Quadratmetern.
In drei weiteren Geschossen über dem für Besucher zugänglichen Bereich auf 216, 220 und 224 Metern befinden sich Sendeanlagen für die Fernseh- und Rundfunktechnik und die Betriebsräume der Messtechniker.
Abgesehen von einem HF-Leistungsmesser werden die Sendeanlagen im Turmkorb ausschließlich luftgekühlt.
Das oberste Technikgeschoss beherbergt die Löschgaszentrale für die Brandbekämpfung.
In der Turmkugel ist außerdem eine meteorologische Wetterwarte des Deutschen Wetterdienstes untergebracht.
Die Messinstrumente befinden sich in der Antennenspitze.
Evakuierungsbühnen und Richtfunkanlagen
Unterhalb der Turmkugel (188 und 191 Meter) führen zwei auf 1,60 Meter hinausragende, nach oben offene Rettungsplattformen um den Schaft.
Diese bieten bis zu 400 Personen Platz, was der Höchstzahl an Menschen, 380 Besucher und 20 Angestellte, entspricht, die sich im Korb befinden dürfen.
Von der Turmkugel aus sind die Evakuierungsbühnen mit einer Treppe verbunden.
Oberhalb der Turmkugel setzt sich der Turmschaft bis zu einer Höhe von 250 Metern fort. In ihm sind die Aufzugmaschinenräume untergebracht.
Außen sind radial Stahlplattformen angeordnet, die die Richtfunkantennen tragen.
Das optisch zurückgesetzte Stahlgerippe für die Richtfunkantennen bringt das Streben des Turmes nach oben deutlich besser zur Geltung als die sonst bei DDR-Fernsehtürmen übliche Lösung, bei der die Richtfunkanlagen am Schaft angebracht sind oder den Turmkorb verbauen.
Aufzüge
Innerhalb des Turmschafts verkehren drei Aufzüge, von denen zwei für den öffentlichen Publikumsverkehr vorgesehen sind. Der dritte ist dem Betriebspersonal der Technikräume vorbehalten.
Die ursprünglichen Aufzüge aus Schweden wurden Anfang 1996 durch Anlagen der Firma Kone ersetzt.
Ihre Transportkapazität beträgt 15 Personen; den Weg bis zum Aussichtsgeschoss auf 203 Metern Höhe schaffen sie aufgrund ihrer Fahrtgeschwindigkeit von sechs Metern pro Sekunde in 38 Sekunden. Im Notfall können die Aufzüge auf gleiche Höhe gebracht werden und es kann von einer zur anderen Kabine umgestiegen werden.
Ab 10. Februar 2014 wurden die Aufzüge für rund zwei Monate bei laufendem Betrieb erneuert. Während der Fahrt kann man durch ein Fenster in der Decke der Kabine in den beleuchteten Fahrstuhlschacht oberhalb blicken.
Antennenträger
Am obersten Schaftstück, das bis über den Turmkorb verläuft, ist der Antennenträger mit Bolzen verankert.
In diesem Zwischenstück ist auf 248,7 Metern Höhe ein „Eisteller“ angebracht, der von der Antenne herabstürzendes Eis auffangen soll.
Gleichzeitig dient der Teller einem montierten Eisenbahnkran als Basis, der bereits beim Bau der Turmkugel die einzelnen Fassadensegmente nach oben beförderte.
Er wurde vom VEB Schwermaschinenbau S. M. Kirow Leipzig angefertigt.
Seit Inbetriebnahme des Turmes wird der Kran mit einem 20-Meter-Ausleger als Hebezeug für Wartungsarbeiten verwendet und parkt mit nach unten eingeklapptem Arm in nordöstlicher Richtung.
Der Antennenträger ist 118 Meter lang, 245 Tonnen schwer und überwiegend aus Stahl gefertigt.
Lediglich seine Spitze besteht aus Kunststoff-Zylindern; darin ist ein Tilgerpendel mit 1,5 Tonnen Masse für den Schwankungsausgleich untergebracht.
1997 wurde der Antennenträger ab 327 Metern Höhe mit einer leistungsfähigeren Antennenspitze versehen, die den Turm seitdem um drei Meter erhöht.
Der Antennenträger hat an der Basis einen Durchmesser von vier Metern und verjüngt sich bis zur Spitze auf unter zwei Meter.
150 verschiedene Antennen für die Fernseh- und Radioübertragung (→ Frequenzen und Programme) sind auf dem Träger montiert.
Von unten nach oben angeordnet befinden sich die Antennen für digitales Fernsehen (DVB-T2 HD), UKW-Radiosender und digitalen Rundfunk (DAB).
Das Sendegebiet umfasst rund 20.000 Quadratkilometer in Berlin und seinem Umland und weist die höchste Radiodichte Deutschlands auf.
Zusammen mit dem Sender Scholzplatz in der Heerstraße und dem Fernmeldeturm Berlin-Schäferberg in Wannsee bildet der Sender des Berliner Fernsehturms einen Senderverbund.
Baustoffverbrauch
Beim Bau des insgesamt 26.000 Tonnen schweren Berliner Fernsehturms wurden folgende Baustoffe verbraucht: 7900 Kubikmeter Beton, 1650 Tonnen Rundstahl, 300 Tonnen Spannstahl sowie 1500 Tonnen Profilstahl.
Der zur Profilierung verwendete Stahl verteilt sich auf das Fußgerüst mit 175 Tonnen, den Aufzugsschacht mit 390 Tonnen, die Antennenhalterung mit 70 Tonnen, das als Hilfskonstruktion angelegte Lehrgerüst für das Tragepodest mit 20 Tonnen, den Antennenträger mit 245 Tonnen und den Turmkopf mit 600 Tonnen.
Fest- und Sicherheitsbeleuchtung
Traditionell wird ausschließlich an fünf Tagen im Jahr (1. Januar, 24. bis 26. sowie 31. Dezember) jeweils mit Beginn der Abenddämmerung die Festbeleuchtung des Berliner Fernsehturms eingeschaltet.
Diese besteht aus sechs umlaufenden Lampenreihen im zylinderförmigen Antennengerüst oberhalb der Turmkugel, aus mehreren perlenkettenartigen Lampenreihen in der Turmkugel, von denen sich die leuchtstärkste im oberen Drittel derselben befindet, sowie aus zwei umlaufenden Lampenreihen an den beiden ringförmigen Evakuierungsbühnen unterhalb der Turmkugel.
Zusätzlich wird, wie in anderen Nächten auch, die Unterseite der Turmkugel von Scheinwerfern angestrahlt.
Diese in ihrer visuell imposanten Gesamtheit strikt den oben genannten Tagen vorbehaltene interne Festbeleuchtung mit ausschließlich weißen, stehenden Lichtern ist zu unterscheiden von meist farbigen, bewegten, sich verändernden Effektbeleuchtungen (oft mit Hilfe von externen Lasern) zu verschiedensten Anlässen, wie dem Festival of Lights oder Turmjubiläen.
Zur Flugsicherheit in unterschiedlichen Witterungslagen verfügt der Fernsehturm über mehrere Befeuerungseinrichtungen.
Entlang des Schaftes sind Hindernisfeuer auf 91, 136, 181 Metern, sowie am Antennenträger auf 267, 303 und 329 Metern angebracht.
Diese leuchten dauerhaft rot.
Oberhalb der Turmkugel auf 230 Metern sowie an der Spitze des Antennenträgers befinden sich zusätzliche, blinkende Gefahrenfeuer, die einen Drei-Sekunden-Zyklus aufweisen.
Die Blinklichter werden automatisch bei Tageslicht auf weiße und bei Dunkelheit auf rote Lichtfarbe umgeschaltet.
Dieses System existiert seit September 2009 und löst eine frühere Anlage ab, die von Oktober 1989 an in Betrieb war.
Anstelle der rot/weißen Blinklichter wurden hierbei (auch nachts) weißleuchtende Xenon-Blitzgeräte mit einem Blitzintervall von 1,5 Sekunden verwendet.
Bis zum Wendeherbst 1989 entsprach die Befeuerungsphilosophie am Berliner Fernsehturm weitestgehend dem heutigen System mit roten Blinklichtern.
Seit Januar 2018 mit einer Unterbrechung im Monat März wird die Spitze des Berliner Fernsehturms von der Kugel aufwärts nachts mit Scheinwerfern weiß beleuchtet.

Besucher und Tourismus
Der Berliner Fernsehturm ist nicht nur ein Sendeturm, sondern auch Wahrzeichen, Touristenattraktion und Veranstaltungsort. Auf dem europäischen Kontinent ist der Berliner Fernsehturm das dritthöchste öffentlich zugängliche Gebäude und der zweithöchste öffentlich zugängliche Aussichtspunkt Deutschlands.
Seit Oktober 2017 bietet der Thyssenkrupp-Testturm in Rottweil die höchste öffentliche Aussichtsplattform Deutschlands.
Bereits in den ersten drei Jahren nach seiner Eröffnung besuchten über vier Millionen Menschen das Bauwerk.
Nach der politischen Wende hat sich der Schnitt bei jährlich etwa 1,2 Millionen Besuchern aus rund 90 Ländern eingependelt.
Davon stammten im Jahr 2010 rund 60 % aus dem Ausland, wovon Spanier mit 8,1 % diesen Anteil Besucher anführen, gefolgt von Italienern mit 7,6 % und Dänen mit 6,7 %.
Damit kam der Turm im Jahr 2010 auf Platz 8 der beliebtesten deutschen Sehenswürdigkeiten.
Die zulässige Gesamtpersonenzahl der Kugel beträgt 320 Personen. Von den täglich bis zu 5000 Gästen besuchen etwa 1500 das Turmrestaurant. Zu DDR-Zeiten war die Aufenthaltsdauer im Tele-Café auf 60 Minuten und im Aussichtsgeschoss auf 30 Minuten begrenzt.
Die zwei Besucheraufzüge fahren je zwölf Personen in rund 40 Sekunden zum Aussichtspunkt in 203 Metern Höhe, wo sich auch Berlins höchstgelegene Bar befindet.
Von 60 Fenstern aus bietet sich hier ein Panoramablick über ganz Berlin und das Berliner Umland. 21 Stufen über der Aussichtsetage befindet sich das Drehrestaurant auf 207 Metern Höhe. Das Restaurant dreht sich innerhalb einer Stunde um 360°.
Aus Brandschutzgründen befindet sich die Hauptküche am Fuße des Turms.
Die Speisen werden mit dem Lift bis zum Restaurantgeschoss befördert, wo sie in einer kleinen Satellitenküche aufbereitet werden.
Zum Brandschutzkonzept gehört neben den beiden Evakuierungsplattformen unterhalb des Turmkorbs ein striktes Rauchverbot im gesamten Bauwerk.
Rollstuhlfahrern und Personen mit aktueller Gehbehinderung ist es nicht möglich, den Berliner Fernsehturm zu besuchen, da sie im Ernstfall nicht ohne fremde Hilfe den Fluchtweg benutzen könnten.
Auch Tiere, Kinderwagen und große Gepäckstücke dürfen aus Sicherheitsgründen nicht mitgeführt werden.
Im Jahr 1972 wurde die Besuchermarke von insgesamt vier Millionen überschritten.
Knapp 42 Jahre nach der Eröffnung, am 14. Juni 2011, begrüßte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit
den 50-Millionsten Besucher.
Von der Aussichtsterrasse des Fernsehturms ist das gesamte Stadtgebiet zu überblicken.
Bei guter Sicht reicht der Blick bis zum knapp 60 Kilometer entfernten Wasserpark Tropical Islands in Krausnick.
Der für das touristische Publikum ganzjährig geöffnete Fernsehturm hat saisonal angepasste Öffnungszeiten.
Die letzte Auffahrt zur Aussichtsetage erfolgt täglich um 23:30 Uhr, der letzte Zugang zum Restaurant um 23 Uhr.
Der Publikumsbereich lässt sich für besondere Anlässe, Feiern, Empfänge und sonstige Events mit maximal 200 Gästen anmieten.
Auch standesamtliche Trauungen sind auf dem Fernsehturm möglich.
Der Barbereich auf der Aussichtsetage wird dafür für eine Stunde für das Brautpaar und die Hochzeitsgesellschaft von bis zu 30 Personen reserviert.
Auf dem Berliner Fernsehturm finden außerdem regelmäßig Veranstaltungen statt, die ein Treffpunkt für Einheimische und Gäste sind.
Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 bot der Fernsehturm erstmals ein Public Viewing an.
Auf der Aussichtsetage und im Drehrestaurant wurden alle Spiele gezeigt, die auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen waren.

Urheberrechtsstreit
Aufgrund der langen und instabilen Planungs- und Baugeschichte und der damit verbundenen wechselnden Zuständigkeiten waren mehrere Architekten und Ingenieure am Bau des Fernsehturms beteiligt.
Obwohl gerade im Sozialismus der Begriff des Kollektivs von großer Bedeutung ist, entbrannte bereits nach Fertigstellung 1969 ein Urheberrechtsstreit, der in diesem Ausmaß einzigartig in der DDR-Architekturgeschichte war.
Namentlich nahmen Hermann Henselmann und die Architektengruppe des VEB Ipro Berlin um Fritz Dieter, Günter Franke und Werner Neumann für sich in Anspruch, allein und unabhängig die Gestalt des Bauwerks, insbesondere seinen kugelförmigen Kopfbau, konzeptionell entworfen zu haben.
Da Gerhard Kosel als ursprünglicher Chefarchitekt abgesetzt wurde, blieb sein Name bis zum Fall der DDR vollkommen ungenannt. Kosel schaltete sich ab erst 1989 in den Streit als dritte Partei ein.
Der Streit wurde über Jahrzehnte teilweise auf juristischem Weg ausgefochten.
Hermann Henselmann als Chef-Architekt beim Ost-Berliner Magistrat führte für seine Urheberschaft zwei Hauptargumente an: Erstens habe er mit dem „Turm der Signale“ bereits 1958/1959 einen Fernsehturm mit kugelförmigem Turmkorb entworfen und zweitens habe er als Leiter zweier Projektgruppen des Technischen Rates diese Form durchgesetzt.
Obwohl Henselmanns Entwurf zweifelsohne eine starke Ähnlichkeit zum tatsächlich ausgeführten Bauwerk hat, existieren aus dem Entwurfszeitraum kaum stichhaltige Dokumente, die nachweisen, wie groß der Einfluss seines Entwurfes auf die Gestaltung des Fernseh- und UKW-Turms tatsächlich war.
Zweifel an der Eindeutigkeit bleiben vor allem erhalten, weil es Henselmann nicht gelungen ist, die Ansprüche der Ipro-Architekten von Beginn an zu widerlegen.
Er verstrickte sich zudem häufig in widersprüchliche Zeitangaben über bestimmte Entwürfe.
Dennoch kann eine gewisse „Anregung“ nicht ausgeschlossen werden.
Die Ipro-Architekten geben hingegen an, ihren Entwurf unabhängig von Henselmanns Entwürfen oder Anregungen entwickelt zu haben. Sie gaben sogar an, Henselmanns Entwurf gar nicht gekannt zu haben.
Diese Aussage erscheint unglaubwürdig, da der „Turm der Signale“ 1961 in der DDR-Architekturzeitschrift Deutsche Architektur veröffentlicht wurde.
Ein Argument für die Ipro-Architekten ist, dass es eine Arbeitsanweisung gab, den Raumbedarf für den Turmkorb so zu gestalten, dass bei möglichst geringer Oberfläche ein maximales Volumen für die Sendetechnik, den Publikumsbedarf und die gewünschte Vollklimatisierung zur Verfügung zu stehen habe.
Bei dieser Vorgabe ist die Kugel die einzig mögliche Lösung. Das Architektenkollektiv hat insgesamt 40 Turmkorbvarianten ausprobiert.
Der eigentliche Vorschlag zur Kugel stammt von Fritz Dieter.
Günter Franke stellte die notwendigen Schnittzeichnungen für die Berichte gegenüber den Behörden her. Die Rolle Henselmanns habe nur darin bestanden, die festgesetzte Form beim Technischen Rat durchzusetzen.
Gerhard Kosel, der von Juli 1964 bis Dezember 1965 Gesamtleiter des Bauvorhabens war, blieb nach seiner Absetzung in offiziellen Dokumenten stets unberücksichtigt.
Kosel gab an, den heutigen Standort des Fernsehturms angeregt und noch vor Henselmanns Entwurf die Gestalt festgelegt zu haben. Durch seine Absetzung konnte seine Leistung am Projekt nicht gewürdigt werden.
Kosels Beteiligung am Bau und seine Leistung in Bezug auf die Durchführung sind unstrittig.
Allerdings sind keine Dokumente bekannt, die belegen konnten, dass die fragliche Urheberschaft ihm zuzurechnen sei.
Nachdem Kosel und Dieter den Standpunkt Henselmanns öffentlich angriffen, beantragte Henselmann am 22. Februar 1994 ein Ehrengerichtsverfahren bei der Berliner Architektenkammer.
Da die Kammer ein solches Verfahren ablehnte, wurde ein Kolloquium einberufen und die drei hierzu geladen. Bei dieser Unterredung beharrten nach emotional stark aufgeladenem Austausch alle Kontrahenten auf ihrer Position.
Im selben Jahr wandte sich Dieter an das Berliner Landgericht und wollte Henselmann untersagen lassen, sich öffentlich als Autor des Berliner Fernsehturms zu bezeichnen.
Nach einer eidesstattlichen Erklärung Henselmanns musste Dieter seinen Antrag zurückziehen.
Kosel versuchte durch die Medien, eine Publikation und den Berliner Senat seine Position durchzusetzen.
Die einzige umfassende Nennung der beteiligten Personen bleibt eine im August 1970 erschienene Ausgabe der Zeitschrift Deutsche Architektur, in der Fritz Dieter und Günter Franke für die architektonische Gestaltung genannt werden und Hermann Henselmann als künstlerischer Berater.
Die Zeitschrift nannte die Ipro-Architekten erst nach mehreren Interventionen.
Es darf davon ausgegangen werden, dass sich die Parteien durchaus gegenseitig beeinflusst und inspiriert haben.
Wie hoch dieser Anteil der eigenschöpferischen Leistung war, ist nicht genau rekonstruierbar. Es ist fraglich, ob die tatsächliche Urheberschaft jemals geklärt werden kann, zumal Dieter
(1931–2002), Franke wie auch Henselmann und Kosel inzwischen verstorben sind.
Henselmann kann durch einen Beitrag des französischen Architekten Jean Faugeron inspiriert worden sein, dessen Wettbewerbsentwurf für West-Berlin 1957/1958 einen Fernsehturm vorsah, der in der perspektivischen Darstellung die Gestaltungsansätze des Berliner Fernsehturms vorwegnahm.

Architektur
Mit dem kugelförmigen Turmkopf unterscheidet sich der Berliner Fernsehturm besonders deutlich von den bis dahin gebauten Fernsehtürmen, die zumeist zylindrische, kegelförmige oder scheibenförmige Auskragungen besitzen.
Damit ist er ein Unikat und hebt sich von anderen Bauwerken seiner Art ab. Die Kugelform hat die Eigenschaft, dass sie unabhängig vom Standpunkt immer gleichermaßen als solche erkennbar ist. Bei anderen Formen verliert sich die Form vor allem bei starker Untersicht.
Die Formgebung wird zum wichtigsten Repräsentanten der „Sputnik-Ikonografie“ in der DDR, die die Erfolge des sowjetischen Weltraumprogramms rezipierte.
Damit assoziiert ist das Bild der „Fernsehturm-Rakete“, was bereits durch die Form der Fußumbauung unterstützt wird. Andere Architekturbeispiele dieser Zeit sind das heutige Café Moskau mit Sputnik-Schmuck am Dach und das mit „Triebwerkslampen“ ausgestattete Kino International.
Auch im Haus des Lehrers und im ehemaligen Staatsratsgebäude finden sich Anleihen an die Weltraum-Motive. Die Kugel des Fernsehturms steht dabei für den Satelliten, der vom dynamischen Schaft getragen zum Himmel emporstrebt.
Die Architektur verarbeitete die Kugelform schon vor Errichtung des Berliner Fernsehturms wie beispielsweise in der geodätischen Kuppel Biosphère von Richard Buckminster Fuller zur Expo 67 oder dem Dresdner Kugelhaus aus den 1920er Jahren.
Die Verwendung der Kugelform für einen Turm war ein Novum. Aufgrund des starken Repräsentanzcharakters war Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre das Bauwerk daher Wegbereiter für eine kurzfristige architektonisch-städtebauliche Strömung in der DDR.
Bauwerke von wichtigen Städten des Landes sollten mit dominanten Hochhausbauten ausgestattet werden, deren Formensprache bildkünstlerisch auf die Funktion oder Region Bezug nehmen sollte.
So entstanden beispielsweise das Leipziger Universitätshochhaus, dessen Form an ein aufgeschlagenes Buch erinnern soll, und der Jentower, dessen Grundform an Fernrohr und Linse angelehnt ist.
Für ein nicht verwirklichtes Haus der Wissenschaft, Bildung und Kultur in Rostock war ein Schiffsbug als Form vorgesehen und das Haus des Schwermaschinenbaus in Magdeburg sollte eine Schraube darstellen.
Wegen der teilweise überdeutlichen Ikonizität werden diese Bauwerke oft als architektonisch weniger gelungen angesehen.
Auch wenn der Fernsehturm die Anleihe an die Satellitenform verfolgt, steht seine Form ohne den ideologischen Überbau für sich selbst, was ihn deutlich zeitloser und universeller wirken lässt.
Der Kunsthistoriker Peter Müller bezeichnet ihn sogar als bedeutendstes Bauwerk, das die DDR-Architektur in ihrer Geschichte hervorgebracht habe.

Türme, die eine Kugelform aufnehmen, entstanden in den nachfolgenden Jahren auch im Ausland.
Ende der 1970er Jahre wurde in der Bundesrepublik der Fernmeldeturm Nürnberg errichtet, dessen eiförmiger Turmkorb zwar eine Abwandlung der Kugel ist, aber dennoch der Form des Berliner Fernsehturms sehr nahekommt.
Allerdings ist dies architektonisch nicht so konsequent umgesetzt, da der obere Teil die Form durch die Antennenplattformen nur andeutet.
Die drei Kuwait Towers sind nicht nur formal deutlich am Berliner Vorbild angelehnt. In den 1970er Jahren wollte der kuwaitische Bauträger den Auftrag gerne an dieselben DDR-Unternehmen vergeben, die den Fernsehturm erbaut hatten. Trotz der Bevorzugung von Kuwait gelang es der DDR nicht, den Zuschlag für das Projekt zu erhalten.
Die Wassertürme mit kugelförmigem Wasserreservoir wurden von schwedischen Gesellschaften errichtet.
Ein weiterer Turm mit kugelförmigem Teil ist der 81 Meter hohe Sunsphere, der für die Weltausstellung 1982 in Knoxville (Tennessee) als Wahrzeichen errichtet wurde.
Ein ähnlicher Turm entstand bereits einige Jahre zuvor in Dallas mit dem 171 Meter hohen Reunion Tower, der einen allerdings zylindrischen, von einem Kugelgeflecht überspannten, Turmkorb aufweist.
Der Oriental Pearl Tower in Shanghai aus den 1990er Jahren zitiert das Kugelmotiv mehrfach, was an eine Perlenkette erinnern soll.
Die in den Jahren 1968–1972 entstandene Fußumbauung mit den drei Pavillons und den expressiv ausgeformten Kragfaltendächern unterstützen durch ihre Form und Anordnung das aeronautische Motiv.
Die Dachkonstruktion mit ihren auf- und abgesenkten Formen kann als Flügelschlag eines Vogels interpretiert werden. Diese Architektur ist bezeichnend für die internationale Moderne nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die in den 1960er Jahren angelegte Hauptstadt Brasiliens, Brasília, lehnt ihren Grundriss an einen Vogel mit ausgebreiteten Schwingen an (portugiesisch Plano Piloto ‚Leitplan‘) und Eero Saarinens Empfangsgebäude (TWA-Terminal) auf dem New Yorker John F. Kennedy International Airport löst ähnliche Assoziationen aus.
Vom politischen Symbol zum Wahrzeichen für Berlin und Deutschland
Die vergleichsweise einfache Grundform des Berliner Fernsehturms machte ihn zu einem leicht wiedererkennbaren und reproduzierbaren Wahrzeichen, das in Kunst und Kultur sowie in die Alltagswahrnehmung Einzug hielt.
Der Fernsehturm war der notwendige Zweckbau, um der katastrophalen Sendeversorgung Ost-Berlins entgegenzuwirken.
Trotz seiner architektonisch einmaligen Gestaltung war er lediglich ein Mittel zum Zweck und damit zum „Ersatzzeichen“ für das gescheiterte Konzept des Zentralgebäudes geworden.
Der Fernsehturm diente auch dazu, die neue selbstbewusste Rhetorik aus der ein Jahr vor seiner Fertigstellung verabschiedeten „sozialistischen“ DDR-Verfassung von 1968 zu übermitteln.
Alle offiziellen Dokumente führten die Bezeichnung Fernseh- und UKW-Turm Berlin Hauptstadt der DDR.
Gleichzeitig wurde er in der DDR zur Chiffre für Großstadt und Modernität.
Die Verherrlichung des Bauwerks durch das DDR-Regime rief eine mehr oder weniger subtile Gegenpropaganda hervor, die sich durch Verhöhnung oder verschiedene, meist auf Gerüchten basierende Anekdoten ausdrückte.
Dazu zählt die in Anspielung auf die atheistische Grundhaltung der sozialistischen Regierung und die Diskriminierung kirchlicher Einrichtungen in der DDR als „Rache des Papstes“ bekannt gewordene Erscheinung.
Sie fußt auf der Tatsache, dass bei entsprechender Sonneneinstrahlung auf der Turmkugel eine kreuzförmige Reflexion sichtbar wird.
Verschiedene Anekdoten – bis hin zum Abriss des Turms – kursierten darüber, dass dem Regime diese Lichterscheinung ein Dorn im Auge sei und fieberhaft versucht werde, sie zu beseitigen.
Zwar sind IM-Untersuchungen zu diesem Thema dokumentiert, aber es gibt keinen Hinweis darauf, dass es radikale Vorschläge zur Beseitigung des Lichtkreuzes wirklich gab.
Dennoch hielten sich die Geschichten darum besonders in der Zeit des Kalten Krieges.
Der Turm erhielt nach Walter Ulbricht den Spitznamen „St. Walter“.
Daraufhin soll das SED-Zentralorgan Neues Deutschland mit dem gespreizten Begriff „Telespargel“ versucht haben, einen Kosenamen zu etablieren, um dem verhöhnend empfundenen Begriff etwas Positives entgegenzustellen. Er konnte sich jedoch nicht durchsetzen.
Die Gerüchte um die Reflexion und ihre Folgen gipfelten darin, dass US-Präsident Ronald Reagan in seiner bekannten Rede vor dem Brandenburger Tor am 12. Juni 1987 diese aufgriff und behauptete, die Ost-Berliner Behörden hätten seit dem Bau des Fernsehturms „immer wieder mit dem Einsatz von Farbe und Chemikalien vergeblich versucht, die Lichtreflexion an der Glaskugel zu verhindern“.
Nachdem in der DDR-Zeit der Berliner Fernsehturm zum umstrittenen baulichen Nationalsymbol emporstieg, trat mit dem Zusammenbruch der DDR seine Symbolhaftigkeit zurück.
Die übersteigerte Bedeutung des Fernsehturms verlor im wiedervereinigten Deutschland ihre Basis. Mit der nach dem Fall der Mauer aufgekommenen Ost-Nostalgie vollzog der Berliner Fernsehturm die Wandlung vom politisch stark vereinnahmten und verklärten Symbol zu einem Wahrzeichen, das zu ganz Berlin gehört, speziell zur neuen Mitte-Szene.
Das ist in dieser Form kaum einem anderen Ost-Bauwerk geglückt.
Das Design wird bisweilen geschätzt und gepflegt und gilt als „Retro-Chic“.
Seit den 2000er Jahren wird der Fernsehturm vermehrt auf Firmenlogos dargestellt.
Er dient beispielsweise kleineren Schallplattenfirmen als einprägsames Symbol der medialen Kommunikation und ziert Plakate von Kulturveranstaltungen als Ausdruck lokaler Verbundenheit.
Bis Mitte der 2000er Jahre war sein Sinngehalt eher Berlin-spezifisch und Einschätzungen zufolge habe er als nationales Symbol eher ausgedient.
Nicht zuletzt wegen seiner universell-zeitlosen und damit unpolitischen Formensprache erstarkte aufgrund wachsender Besucherzahlen der Symbolcharakter des Berliner Fernsehturms ab den 2010er Jahren wieder.
In einer Umfrage der Deutschen Zentrale für Tourismus gehört der Berliner Fernsehturm zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten des Reiselandes Deutschland und liegt sogar zwei Plätze vor der Reichstagskuppel.
Damit ist er wieder als gesamtdeutsche Sehenswürdigkeit akzeptiert und nimmt aufgrund seiner markanten und stadtbildprägenden Gestalt eine Symbolhaftigkeit an, die ihn mit einem Wiedererkennungswert ausstattet, der im In- und Ausland mit Berlin und Deutschland identifiziert wird.
Der Fernsehturm auf Gebrauchsgrafiken und Briefmarken
Die DDR nutzte das repräsentative Wahrzeichen auch als Gebrauchsgrafik, meist begleitet von propagandistischen Parolen, die Stärke, Leistungsfähigkeit und damit die Überlegenheit über die kapitalistischen Staaten verdeutlichen sollte.
Der Fernsehturm war in Kinderzeitschriften, Grafiken der FDJ, auf Plakaten, Briefmarken, Urkunden, Medaillen und diversen weiteren Gegenständen allgegenwärtig.
Die Silhouette des Bauwerks wurde regelmäßig für Agitprop, Tourismus, Freundschaftsbekundungen zum sowjetischen Bruderstaat, Jubiläen, Feste und Paraden genutzt.
Allein die Deutsche Post der DDR gab in der Zeit von seiner Fertigstellung bis zur Wiedervereinigung im Jahr 1990 weit über ein Dutzend Briefmarken heraus, die den Turm als Hauptmotiv, als Beiwerk in der Stadtsilhouette oder als stilisierte Form darstellten, darunter drei Blockausgaben.
Bereits im Eröffnungsjahr 1969 gab die Deutsche Post der DDR fünf Sondermarken heraus, die den Turm zum Motiv hatten.
Auf der Rückseite der blauen 100-Mark-Banknote der DDR war neben dem Roten Rathaus auch der Fernsehturm abgebildet.
Bis zur politischen Wende wurde in der Bundesrepublik der Berliner Fernsehturm kaum rezipiert.
Lediglich auf einer Sondermarke zur 750-Jahr-Feier Berlins war 1987 (Gemeinschaftsausgabe mit der Deutschen Bundespost Berlin im Jahr 1987) der Turm in einer hellrosa dargestellten Silhouette im Hintergrund zu sehen.
Kunst und Kultur
Während der DDR-Zeit wurde von Helmut Stöhr der Liedtext Unser Fernsehturm
(Was ist in unserem Spreeathen) der Jungen Pioniere gedichtet und als Fernsehturmlied vertont.
Die Melodie komponierte Hans Naumilkat.
Die Kinderzeitschrift Bummi veröffentlichte das Fernsehturmlied 1975.
Weitere Kinder- und Jugendzeitschriften wie Atze oder FRÖSI verwendeten den Fernsehturm in Bildern, Grafiken oder Geschichten. Der Grad der ideologischen Inhalte stieg dabei mit dem Alter der Zielgruppe.
Selbst das Sandmännchen des DDR-Fernsehens präsentierte in einer Folge den zum 20. Geburtstag der DDR gerade fertiggestellten Turm.
Der Fernsehturm war in Kinderzeitschriften, Grafiken der FDJ, auf Plakaten, Briefmarken, Urkunden, Medaillen und diversen weiteren Gegenständen allgegenwärtig.
Die Silhouette des Bauwerks wurde regelmäßig für Agitprop, Tourismus, Freundschaftsbekundungen zum sowjetischen Bruderstaat, Jubiläen, Feste und Paraden genutzt.
Allein die Deutsche Post der DDR gab in der Zeit von seiner Fertigstellung bis zur Wiedervereinigung im Jahr 1990 weit über ein Dutzend Briefmarken heraus, die den Turm als Hauptmotiv, als Beiwerk in der Stadtsilhouette oder als stilisierte Form darstellten, darunter drei Blockausgaben.
Bereits im Eröffnungsjahr 1969 gab die Deutsche Post der DDR fünf Sondermarken heraus, die den Turm zum Motiv hatten.
Auf der Rückseite der blauen 100-Mark-Banknote der DDR war neben dem Roten Rathaus auch der Fernsehturm abgebildet.
Bis zur politischen Wende wurde in der Bundesrepublik der Berliner Fernsehturm kaum rezipiert.
Lediglich auf einer Sondermarke zur 750-Jahr-Feier Berlins war 1987 (Gemeinschaftsausgabe mit der Deutschen Bundespost Berlin im Jahr 1987) der Turm in einer hellrosa dargestellten Silhouette im Hintergrund zu sehen.
Außerdem wurden als Souvenirs Fernsehturmmodelle in verschiedenen Größen, auch als Kinderspielzeug zum Zusammenstecken aus Kunststoff verkauft.
Die Speisekarte des Turmrestaurant hatte die Form der Turmkugel und die Gäste konnten sie mitnehmen.
Nach der politischen Wende vergingen noch mehr als zehn Jahre, bis Künstler das Objekt Fernsehturm wieder aufgriffen; dies geschah besonders in der Musik und in der Berliner Szene. Das Berliner DJ-Duo Lexy & K-Paul veröffentlichte 2002 das Lied Der Fernsehturm, der eine Hommage an das Bauwerk und die Stadt Berlin darstellt.
Auch in Musikvideos, die in Berlin spielen, wird er häufig gezeigt; er avancierte damit zu einem Synonym für Berlin und zum Erkennungsmerkmal der Stadt schlechthin.
Die Filmindustrie entdeckte den starken Wahrzeichencharakter ebenfalls für sich, sodass in Berlin spielende Filme zunehmend den Turm kurz einblenden, damit der Zuschauer sofort den Handlungsort erkennt.
Bereits während seiner Erbauung wurde in der Komödie
Ein Lord am Alexanderplatz der unfertige Turm gezeigt.
Der Arbeitsort der Hauptdarstellerin in der DEFA-Produktion Hostess von 1976 ist der Berliner Fernsehturm. In der Romanverfilmung Der Zimmerspringbrunnen baute die arbeitslose Hauptfigur ein wasserspeiendes Fernsehturm-Modell, das sich unerwartet als Verkaufserfolg entpuppt.
Im deutschen Katastrophenfilm Das Inferno – Flammen über Berlin wurde das Bauwerk selbst zum Ort des Geschehens, als ein Brand im Turmrestaurant ausbrach.
Aus Sicherheitsgründen wurden die Szenen in originalgetreuen Kulissen nachgestellt.
Der Kinofilm Die Bourne Verschwörung von 2004 zeigt den Fernsehturm in mehreren Einstellungen.
Die von 2005 bis 2007 ausgestrahlte Telenovela Verliebt in Berlin verwendete den Fernsehturm in ihrem Logo.
Neben den üblichen Souvenirs ist auch ein gläserner Parfümflakon in Form des Turms erhältlich.
Eine lokale Manufaktur bietet unter dem Namen Berlin Flower Tower eine Samenbombe in Gestalt des Fernsehturms an, die Samen Berliner Wildpflanzen enthält.
In der Werbeindustrie wurde der Fernsehturm besonders von – mit der Stadt Berlin in Beziehung stehenden – Unternehmen zahlreich zitiert.
Besondere Bekanntheit erlangte die Werbung des Bierherstellers Berliner Kindl, die in einem Plakat eine Bierflasche darstellte, in deren Schattenwurf sich der Berliner Fernsehturm abzeichnet.
Der Modelleisenbahn-Zubehörhersteller Faller hat einen – dem Berliner Fernsehturm nachempfundenen – mehrteiligen Bausatz herausgebracht.
Anlässlich der Mailänder Möbelmesse 2008 (Salone del Mobile) erhielt der Berliner Fernsehturm als temporäre Kunstinstallation eine künstlerische Rezeption.
Die stilisierte Turmkugel mit rot-weißer Antennenspitze diente der Messe als 15 Meter hoher geodätischer Dom (Berlin Design Dome) sowie als Treffpunkt und Ausstellungsraum.
Der Berliner Verein c-base verwendet den Fernsehturm in seinem Logo und gestaltet mit ihm einen fiktiven Gründungsmythos, in dem der Turm lediglich die aus dem Boden ragende Antenne einer in Berlin-Mitte abgestürzten Raumstation sei.

Analoges Radio (UKW-Rundfunk)
Von den unterschiedlich hohen UKW-Antennen werden insgesamt 19 Radioprogramme abgestrahlt.
Deren Sendeleistung reicht von 0,5 bis 100 kW.
Der technische Betrieb erfolgt nach der Öffnung des Marktes durch unterschiedliche Sendernetzbetreiber, u. a. die Uplink Network GmbH.
Der Privatsender BB Radio nutzte seine für den Fernsehturm koordinierte Frequenz 107,5 MHz mit erlaubten 100 kW bis zum 12. Dezember 2016 aus Kostengründen alternativ vom Fernmeldeturm Berlin-Schäferberg mit nur 13 kW.
Seitdem sendet es mit einer Sendeleistung von 40 kW vom ursprünglich koordinierten Fernsehturm.
Das Programm Fritz vom RBB darf vom Berliner Fernsehturm mit maximal 100 kW senden.
Digitales Radio (DAB)
DAB wird meist in horizontaler Polarisation und im Gleichwellenbetrieb mit anderen Sendern ausgestrahlt. Für den Kanal 12D werden vertikale Strahler in niedrigerer Höhe verwendet.
Digitales Fernsehen (DVB-T2)
Am 29. März 2017 wurde der Regelbetrieb von DVB-T2 HD aufgenommen.
Seitdem senden im DVB-T2-Standard die Programme der ARD (rbb-Mux), des ZDF sowie das kommerzielle Angebot von freenet TV (in Irdeto verschlüsselt) im HEVC-Videokodierverfahren und in Full-HD-Auflösung.
Die DVB-T2-HD-Ausstrahlungen vom Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz sind im Gleichwellenbetrieb (Single Frequency Network) mit anderen Sendestandorten.
Digitales Fernsehen (DVB-T)
Die DVB-T-Ausstrahlungen vom Berliner Fernsehturm am Alexanderplatz liefen im Gleichwellenbetrieb (Single Frequency Network) mit anderen Sendestandorten.
In Deutschland war dieses Sendernetz, als es 2003 schrittweise startete, das erste seiner Art gewesen.
Die DVB-T Ausstrahlung wurde am 29. März 2017 im Wesentlichen zugunsten von DVB-T2 HD beendet. Übergangsweise werden auf K47/682 MHz derzeit noch die Programme 123tv und Juwelo / Spreekanal (beide vorher K59/778 MHz) im DVB-T-Modus abgestrahlt.


Caesarea Maritima
Caesarea Maritima (eigentlich Caesarea Stratonis oder Caesarea Palaestinae), das häufig ohne weiteren Namenszusatz Caesarea oder Cäsarea genannt wird, war eine bedeutende antike Stadt der römischen Provinz Judäa.
32° 29′ 55.19″ N, 34° 53′ 29.02″ E
Nach dem missglückten Bar-Kochba-Aufstand wurde die Provinz Judäa im Jahr 136 in Syria Palaestina umbenannt und Caesarea erhielt den Beinamen Palaestinae.
Sie wurde später auch eine wichtige Festung der Kreuzfahrer.
Der ursprüngliche Name der Stadt war Stratonos Pyrgos (altgriechisch Στράτωνος πύργος).
Die archäologischen Stätten gehören heute zu den bedeutendsten Israels, das Gelände wurde zum Nationalpark erklärt.
Die Stadt liegt nordwestlich von Chadera in der nördlichen Scharonebene am Mittelmeer, etwa auf halbem Wege zwischen Haifa und Tel Aviv.
Unweit des antiken Ortes befindet sich das moderne Caesarea oder Keisarija.
Persische und hellenistische Zeit
In der persischen Epoche (586–332 v. Chr.) bauten die Phönizier an einer der Buchten mit hohem Grundwasserspiegel einen Ort, der nach der Eroberung durch Alexander den Großen im Jahre 332 v. Chr. sowie in der folgenden hellenistischen Zeit ausgeweitet wurde und dann zum Gebiet der antiken Stadt Dor gehörte.
Der Ort wurde unter dem Namen Straton in einem Papyrus des Ägypters Zenon von Kaunos aus dem Jahre 259 v. Chr. erstmals erwähnt.
Straton wie auch Dor wurden im Jahre 103 v. Chr. durch den hasmonäischen König Alexander Iannaeus im Jahre 103 v. Chr. erobert und gehörte damit zum Königreich Juda bis zur Eroberung durch die Römer im Jahr 63 v. Chr.
Römische Kaiserzeit
Caesarea Maritima wurde wie einige andere Städte, z. B. Caesarea Philippi, zur Zeit der römischen Herrschaft gegründet und zu Ehren der römischen Kaiser Caesarea genannt.
Zur Unterscheidung erhielt der Ort den Namenszusatz Maritima, was auf die Lage am Mittelmeer verweist.
Die Gründung Caesareas geht auf Herodes den Großen zurück, der das Gebiet in den Jahrzehnten vor der Zeitenwende als von Rom abhängiger Klientelkönig beherrschte.
Er ließ Caesarea zwischen 22 und 10 v. Chr. an der Stelle der zu einer kleinen Hafensiedlung namens Turris Stratonis (Stratons Turm) heruntergekommenen Stadt zu Ehren des römischen Kaisers Augustus, der mit vollem Namen Imperator Caesar Augustus hieß und vor allem im griechischen Osten zumeist einfach Caesar genannt wurde, anlegen und mit einer Vielzahl von Bauwerken luxuriös ausstatten.
Bei den Grabungen, bei denen entlang des Meeres ein Streifen von mehreren hundert Metern Länge ausgegraben wurde, wurden unter anderem ein Theater, ein Hippodrom, Geschäftsstraßen, große Bäder und Palastanlagen entdeckt.
Das Theater von Caesarea Maritima ist das älteste in Israel gefundene Theater.
Es wurde unter Herodes dem Großen als römisches Theater erbaut und bis in die byzantinische Zeit genutzt.
Das Theaterhalbrund (cavea) mit seinen rund 4.000 Sitzplätzen war in zwei Ränge gegliedert.
Der Orchestraboden des Theaters war mit marmorähnlichem Putz verziert.
Das Theater wurde nach Ende der byzantinischen Zeit in eine Festung umgebaut und verfiel nach der arabischen Eroberung. Das rekonstruierte Caesarea Amphitheatre mit 15.000 Sitzplätzen wird heute für Konzertveranstaltungen genutzt.


Das U-förmig gebaute Hippodrom vom Typ eines römischen Circus, das zur Zeit Herodes des Großen Amphitheater genannt wurde, diente während der ganzen römischen Zeit für Pferderennen, Sportwettbewerbe und Unterhaltungsveranstaltungen.
Die Arena war 250 m lang und 50 m breit und hatte in zwölf Reihen 10.000 Sitzplätze. Ein weiterer Circus befand sich am östlichen, landeinwärtigen Stadtrand.
Auf einer Landzunge, die am südlichen Ende des Hippodroms anschließt, befinden sich die Reste des Palastes des Herodes des Großen. Der untere, ins Mittelmeer hineinreichende Teil war privaten Räumen vorbehalten.
Der obere Flügel mit einem Innenhof umfasste die öffentlichen Räume, die zur Rechtsprechung, Verwaltung, zum Empfang und zur Unterhaltung von Würdenträgern genutzt wurden.
Der künstliche Hafen Caesareas mit großen Wellenbrechern war zu dieser Zeit der bedeutendste im Bereich des heutigen Israel/Palästina und vermutlich der damals zweitgrößte im östlichen Mittelmeerraum.
Nördlich des eigentlichen Stadtgebietes stehen die Überreste eines sechs Kilometer langen Aquädukts, der die Stadt mit Wasser aus dem etwa 10 Kilometer entfernten Karmelgebirge versorgte.
Durch gezielten Ausbau wurde Caesarea innerhalb kürzester Zeit eine der wichtigsten Städte des römischen Orients.


Die Stadt wurde im Jahr 6 n. Chr., als das Gebiet unter direkte römische Kontrolle kam, Residenz der römischen Statthalter, die zunächst den Rang eines Präfekten, ab der Mitte des 1. Jahrhunderts eines Prokurators hatten und sich nur hin und wieder in Jerusalem aufhielten.
Im Theater der Stadt wurde 1961 die Pontius-Pilatus-Inschrift von Caesarea gefunden, die den ältesten außerbiblischen Nachweis für die Statthalterschaft des Pontius Pilatus darstellt.
Caesarea war nach Angabe von Flavius Josephus Schauplatz einer großen Demonstration gegen Pontius Pilatus. Dieser hatte unter Missachtung des jüdischen Bilderverbotes Legionsadler und Bilder des Kaisers nach Jerusalem bringen lassen.
Er hat die Demonstranten in der Rennbahn einkesseln lassen und ihnen mit Hinrichtung gedroht. Als diese sich daraufhin hinknieten und ihre Hälse entblößten, gab Pilatus, beeindruckt vom Mut der Juden, nach.
Laut Flavius Josephus kamen in der Stadt bei religiösen Auseinandersetzungen um 66 n. Chr. unter Gessius Florus 20.000 Juden ums Leben.
Nach der Zerstörung Jerusalems 70 n. Chr. wurde Caesarea zur Hauptstadt der Provinz Palästina; die Stadt wurde zur colonia erhoben und blühte bis ins späte 6. Jahrhundert.
Im 2. Jahrhundert soll die Colonia Prima Flavia Augusta Caesarea eine Bevölkerungszahl von etwa 125.000 Einwohnern gehabt haben.
Nach dem Bar-Kochba-Aufstand wurden im Jahr 135 einige der Anführer des Aufstandes in Caesarea zu Tode gefoltert.
Unter ihnen war auch Rabbi Akiba, der geistige Vater von Bar Kochba.
Am Ende des 2. Jahrhunderts wurde die Stadt christlicher Bischofssitz. Während der valerianischen Christenverfolgung (257/58) wurden in Caesarea in Palaestina, wie später Eusebius von Caesarea berichtet, angeblich drei Männer (Priscus, Malchus und Alexander) wegen ihres Bekenntnisses zu Christus wilden Tieren zum Fraße vorgeworfen und erlitten so das Martyrium.
Spätantike
In einer weiteren Blütezeit im 5. und 6. Jahrhundert erreichte Caesarea während der oströmischen Herrschaft wahrscheinlich erneut eine Einwohnerzahl von deutlich über 100.000 Menschen und war ein wichtiger Flottenstützpunkt.
Die Kaiser Anastasius und Justinian ließen in Caesarea größere Bauprojekte durchführen.
Unter anderem wurde der stets von Versandung bedrohte Hafen erneuert. In dieser Zeit wurde auch ein prunkvolles Dampfbad erbaut.
Spätestens seit dem 4. Jahrhundert befand sich dort eine sehr gut bestückte und weithin berühmte Bibliothek, um die sich besonders Eusebius von Caesarea verdient machte und die noch im 6. Jahrhundert vermutlich auch der bedeutende griechische Geschichtsschreiber Prokopios benutzte, der aus der Stadt stammte.
Dieser beklagt unter anderem auch das gewaltsame Vorgehen der Kaiser gegen die in Caesarea zahlreichen Samaritaner.
Perser und Araber
Die Bedeutung der Stadt nahm seit der vorübergehenden Eroberung durch die persischen Sassaniden um 619 bis 628 und durch die dauerhafte Besetzung durch die Araber nach 640, gegen die sich Caesarea lange verteidigt hatte, Mitte des 7. Jahrhunderts rapide ab.
Zunächst wurde der Hafen noch genutzt.
Nach dem 8. Jahrhundert verfiel er jedoch, da einer Verlandung nicht mehr wirksam entgegengewirkt wurde, ehe er von den Kreuzfahrern erneut in Betrieb genommen wurde.
Kreuzfahrerzeit
Unter den Kreuzfahrern erlebte die Stadt noch einmal eine kurze Blütezeit. Sie eroberten die Stadt am 17. Mai 1101 nach einer fünfzehntägigen Belagerung.
Weil sich die Stadt dem zuvor von Balduin I. angebotenen Übergabeersuchen im Vertrauen auf ihre Mauern widersetzt hatte, kam es nach dem Fall zur Plünderung und einem Massaker an der Bevölkerung, dem nur wenige Einwohner entgingen.
Nach ihrer Einnahme machten die Kreuzfahrer die Stadt zum Zentrum einer Herrschaft sowie zum Sitz eines Erzbistums mit der Kathedrale St. Peter.
Die Kreuzfahrer befestigten sie erneut und legten letztmals 1254 große Wallanlagen an, die ebenfalls ausgegraben wurden und gut erhalten sind.
Allerdings nahm die Kreuzfahrerstadt nur noch einen Bruchteil der Fläche der antiken Stadt ein.
Mamelukken und osmanische Zeit
Trotz der starken Befestigungen wurde Caesarea 1275 von Sultan Baibars erobert.
Die Bevölkerung wurde getötet oder versklavt. Nach der Eroberung verfiel die Stadt; teilweise wurden die Steine als Baumaterial abtransportiert.
Der Ort blieb lange Zeit völlig verlassen; ab dem späten 19. Jahrhundert bestand an der Stelle Caesareas das kleine Dorf Keisarije.
Die Bewohner waren muslimische Flüchtlinge (bosnische Familien), die durch die Osmanen angesiedelt worden waren.
Die Bewohner des Dorfes wurden im Palästinakrieg vertrieben.
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Christentum
Der biblische Ort Caesarea ist bei vielen Christen im Westen in Vergessenheit geraten.
Im Neuen Testament wird Caesarea mehrfach erwähnt. Hier soll durch den Apostel Simon Petrus die erste Taufe eines Heiden bzw. Nichtjuden (der römische Hauptmann Kornelius) stattgefunden haben (Apostelgeschichte 10 EU, siehe Heidenchristen).
Außerdem berichtet die Bibel, dass Paulus im Hafen von Caesarea auf der Rückreise von seiner zweiten Missionsreise gelandet sei (Apg 18,22 EU).
Und schließlich ist er hier zwei Jahre in Gefangenschaft gehalten worden. Hier, vermutlich in den Räumen des oberen Palastes von Caesarea, ist Paulus durch den römischen Prokurator von Judäa Porcius Festus vor Herodes Agrippa II. und dessen Schwester Berenike verhört (Apg 25,23 EU) und von hier nach Rom zum Kaiser Nero geschickt worden (Apostelgeschichte 27 EU).
Der christliche Gelehrte Pamphilos von Caesarea begründete in Caesarea Maritima eine Schule in der Nachfolge von Origenes, der im Jahr 231 seine Lehrtätigkeit von Alexandria nach Caesarea verlegt hatte, und baute hier die umfangreiche Bibliothek von Caesarea auf. Er war der Lehrer von Eusebios, Bischof von Caesarea.
Die Stadt war bereits frühzeitig ein christlicher Bischofssitz. Als Vorgänger von Eusebius im Bischofsamt werden von ihm selber genannt: Agapios von Caesarea, Theoteknos und Domnus.
Nach neutestamentlichen Apokryphen, die im 4. Jahrhundert in den Apostolischen Konstitutionen zusammengefasst wurden, wurde Zachäus vom Apostel Petrus als erster Bischof von Caesarea eingesetzt.
In der Zeit der Kreuzfahrer wurde die lateinische Hierarchie hergestellt.
Nach der Eroberung des Heiligen Landes durch die Araber ging die Metropolie endgültig unter und wurde als Caesarea in Palaestina zum Titularerzbistum der römisch-katholischen Kirche.
Daneben existiert noch ein Titularerzbistum des Griechisch-Melchitischen Ritus – nomen „de curia“: Caesariensis in Palaestina Graecorum Melkitarum zur Erinnerung an das Erzbistum Caesarea Maritima.
Moderne Stadt
Die erste jüdische Siedlung im Bereich Caesareas war der Kibbuz Sdot Jam, der 1940 gegründet wurde.
Nach der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 entstand wenige Kilometer vom Meer entfernt das moderne „Keisarija“ (hebräisch קיסריה).
Das wiederaufgebaute antike Theater Caesareas wird heute für Musik- und Theateraufführungen vor der Kulisse des Mittelmeers genutzt.
Archäologie
Erste wissenschaftliche Untersuchungen begannen im Jahre 1873 durch den Palestine Exploration Fund.
Es wurden das Theater, das Hippodrom, der Aquädukt und die Kreuzritterstadt sowie Säulen, Kapitelle und Statuen gefunden. Die Ausgrabungen wurden ab 1959 durch italienische und israelische sowie ab 1992 auch durch amerikanische Archäologen fortgesetzt.
Fünf Hobbytaucher haben im Februar 2015 zufällig fast 2000 Münzen aus der Zeit der Fatimiden (909 bis 1171 n. Chr.) auf dem Hafengrund gefunden.
Wie die Israel Antiquities Authority mitteilte, handle sich um den größten je in Israel gefundenen Goldschatz, der rund neun Kilogramm wiege.
2016 fanden beim antiken Hafen von Caeserea Hobbytaucher in den Überresten gesunkener Schiffe Münzen u. a. mit dem Bildnis Kaiser Konstantins (306–337) und Bronzestatuen aus römischer Zeit.
2018 entdeckten Archäologen ein römisches Mosaik aus der byzantinischen Zeit. Das seltene Steinkunstwerk mit einer Inschrift auf Altgriechisch ist mehr als 3,5 Meter mal 8 Meter groß und schmückte den Boden eines Gebäudes. Es zeigt drei männliche Personen.
Östlich von Caesarea liegt die Ausgrabungsstätte En Esur, die die Überreste einer 5.000 Jahre alten Stadt enthält, die etwa 6.000 Bewohnern Platz bot und sich über 65 Hektar erstreckte.


RESIDENZSTADT NEUSTRELITZ
Neustrelitz (plattdeutsch: Niegenstrelitz) ist eine Mittelstadt im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte im Land Mecklenburg-Vorpommern.
53° 21′ 53″ N, 13° 3′ 49″ E
Die frühere Residenzstadt mecklenburgischer Herzöge und einstige Landeshauptstadt von Mecklenburg-Strelitz ist heute eines der 18 Mittelzentren des Landes.
Sie liegt 30 km südlich des Oberzentrums Neubrandenburg.
Durch die zentrale Lage im Mecklenburger Seenland, an der B 96 sowie Berliner Nordbahn und Lloydbahn, die schiffbare Verbindung mit überregionalen Gewässern, Kulturveranstaltungen wie die Festspiele im Schlossgarten und das Immergut Festival sowie die vielen Baudenkmale in der Stadt wurde Neustrelitz zu einem der bekannten Urlaubsziele in Mecklenburg-Vorpommern.
Seit 2022 ist Neustrelitz „staatlich anerkannter Erholungsort“.
Besondere Anziehungspunkte für Einheimische und Touristen sind der als Wasserwanderrastplatz ausgebaute Stadthafen am Zierker See, der vollständig sanierte Neustrelitzer Schlosspark mit einer im Baumbestand rekonstruierten barocken Sichtachse, die sowohl von außen, wie auch von innen sehenswerte Neustrelitzer Orangerie, sowie der Tiergarten Neustrelitz mit rund 450 Tieren, darunter 40 vorwiegend heimische Tierarten.
Das Deutsche Fernerkundungsdatenzentrum (DFD) – ein Institut des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) – betreibt im Stadtteil Strelitz-Alt am Rande der Kalkhorst eine Bodenstation, die Fernerkundungsdaten von Erdbeobachtungssatelliten empfängt und analysiert.
Das Gymnasium Carolinum in Neustrelitz direkt am Glambecker See ist mit etwa 1100 Schülern und etwa 90 Lehrern eines der größten Gymnasien in Mecklenburg-Vorpommern.
Im Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz befinden sich mehrere kulturelle Einrichtungen der Stadt, wie die Stadtbibliothek und das Karbe-Wagner-Archiv.
Es beherbergt aber auch ein Museum mit Exponaten aus der Zeit zwischen 1733 und 1918, in der Neustrelitz Residenzstadt der Herzöge und Großherzöge von Mecklenburg-Strelitz war.
Im Sport sind insbesondere die Vereine TSG Neustrelitz (hauptsächlich Fußball) und PSV Neustrelitz (im Wesentlichen Volleyball) in der Region aber auch überregional bekannt.
Neustrelitz wurde 1733 als Planstadt nahe der 1931 eingemeindeten Stadt Strelitz angelegt, nachdem das Strelitzer Wasserschloss des in Mecklenburg-Strelitz regierenden Herzogs, Adolf Friedrich III., 1712 abgebrannt war und er und seine Ehefrau 1731 bereits das im nahen Glienecke gelegene neue Residenzschloss bezogen hatten.
Es folgte der Bau einer Siedlung für Hofstaat und Landesverwaltung nach den Plänen von Hofbaumeister Julius Löwe.
Nach dem Aufruf des Herzogs zur Ansiedlung von Neubürgern vom 20. Mai 1733, der heute als Gründungsurkunde der Stadt gilt, wurde die Siedlung zu einer herzoglichen Residenzstadt erweitert.
Die europaweit einzigartige Stadtanlage von Neustrelitz entspricht der einer barocken Idealstadt. Von einem quadratischen 120 m × 120 m großen Platz im Stadtzentrum – dem Neustrelitzer Marktplatz – führen geradlinig vom gedachten Mittelpunkt eines Straßenfächers ausgehend acht Straßen sternförmig in alle Himmelsrichtungen. 1866 wurde der Platz nach Plänen von Friedrich Wilhelm Buttel in der Mitte um ein Rondell erweitert.
Die Neugestaltung fand 2003/04 statt. Das Rondell wurde gepflastert und 32 kleinblättrige Eschen wurden angepflanzt. Die Platzmitte belebt nun ein Wasserspiel mit 36 Fontänen.
Zwischen 1905 und 1909 wurden drei weitere Gebäudeteile an den Westflügel des Residenzschlosses angefügt und so ein geschlossener Hof geschaffen; die Grundfläche des Schlosses wurde durch den Erweiterungsbau nahezu verdoppelt.
In dieser Bauphase wurde auch der durch den Turm des Schlosses Charlottenburg inspirierte Schlossturm errichtet.
Dieser war neben dem Schloss selbst, der Neustrelitzer Stadtkirche und dem Rathaus ein wichtiger baulicher Bezugspunkt der Stadt und eine weithin sichtbare Landmarke.
Zwischen 1905 und 1909 wurden drei weitere Gebäudeteile an den Westflügel des Residenzschlosses angefügt und so ein geschlossener Hof geschaffen; die Grundfläche des Schlosses wurde durch den Erweiterungsbau nahezu verdoppelt.
In dieser Bauphase wurde auch der durch den Turm des Schlosses Charlottenburg inspirierte Schlossturm errichtet.
Dieser war neben dem Schloss selbst, der Neustrelitzer Stadtkirche und dem Rathaus ein wichtiger baulicher Bezugspunkt der Stadt und eine weithin sichtbare Landmarke.


Nach dem Ende der Monarchie in Deutschland (1918) war das Schloss im neu konstituierten Freistaat Mecklenburg-Strelitz bis 1934 Sitz des Landtags.
Weitere Räumlichkeiten des vormaligen Residenzschlosses wurden von März 1921 bis 1945 vom Mecklenburg-Strelitzschen Landesmuseum, von 1921 bis 1933 von der Mecklenburg-Strelitzsche Landesbücherei sowie von 1925 bis 1934 vom Mecklenburg-Strelitzschen Hauptarchiv genutzt.
In der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland
(1933–1945) wurden im Erweiterungsbau des Neustrelitzer Schlosses von 1934 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Sportlehrer und Sportlehrerinnen ausgebildet.
Während des Krieges war dort außerdem ein Lazarett untergebracht.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs brannte das Neustrelitzer Schloss 1945 infolge von Brandstiftung aus; die Schlossruine wurde abgerissen und das Schloss auch nach der politischen Wende in Ostdeutschland (1990) nicht wieder aufgebaut.
Erhalten blieben der Neustrelitzer Schlosspark und eine Reihe sehenswerter Gebäude im Neustrelitzer Residenzviertel.
Im Oktober 2019 vereinbarten die Stadt Neustrelitz und das Land Mecklenburg-Vorpommern, den 51 Meter hohen zerstörten Schlossturm seinem früheren Äußeren entsprechend wieder aufzubauen, die denkmalgeschützten Kellerräume zu beräumen, begehbar zu machen und mit einer nutzbaren Betondecke zu überspannen.
Außerdem wurde das ehemalige Residenzschloss in die Liste: Orte der Demokratiegeschichte aufgenommen.
Am Anfang des Jahres 2024 wurden die Kosten für den Bau des Turms auf etwa 9,5 Millionen Euro geschätzt.
Der Bund und das Land Mecklenburg-Vorpommern hatten 6,5 Millionen Euro Fördergeld zugesagt.
Die verbleibende Finanzierungslücke von mindestens 3 Millionen Euro war zu diesem Zeitpunkt von der Kommune, der Stadt Neustrelitz, als dem für die Errichtung des Bauwerks infrage kommenden Bauherren, noch nicht zu schließen. Auch seien nach Aussage des Neustrelitzer Bürgermeisters die zukünftigen Unterhaltskosten nicht gegen zu finanzieren.
Nach wie vor fehlte auch zu Beginn des Jahres 2025 der finale Aufstellungsbeschluss der Neustrelitzer Stadtvertretung zum Bau des Turms, sodass mit den Bauarbeiten bislang noch nicht begonnen werden konnte.
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Lage
Naturräumlich ist Neustrelitz Teil des Neustrelitzer Kleinseenlandes in der Mecklenburgischen Seenplatte. Die Stadt liegt am Zierker See, der über den Kammerkanal und den Woblitzsee mit der Oberen Havel-Wasserstraße verbunden ist.
Innerhalb oder nahe der Stadt liegen 29 größere und kleinere Seen, wie der an die Innenstadt grenzende Zierker See mit Stadthafen, Glambecker See, Domjüchsee, Großer Fürstenseer See, Großer Prälanksee, Langer See, Krebssee, Kluger See und Buttersee.
Das Mittelzentrum Neustrelitz ist vom nächsten Mittelzentrum, der Stadt Waren (Müritz), knapp 45 km entfernt.
Das nächste Oberzentrum von Neustrelitz aus ist die 28 km entfernte Stadt Neubrandenburg.
Grundzentren im Umkreis von 40 km sind Wesenberg, Penzlin, Mirow, Burg Stargard, Rechlin und Feldberger Seenlandschaft.
Die nächstgelegenen Ballungsräume sind Berlin im Süden, Stettin im Osten, die Regiopole Rostock im Nordwesten und Hamburg im Westen.
Stadtgliederung
Das Stadtgebiet von Neustrelitz umfasst eine Fläche von 13.815 ha und ist in sechs Stadtteile untergliedert:
Innenstadt
Strelitz-Alt (am 10. September 1931 eingemeindet)
Zierke mit den Ortslagen Wiesenthal und Prälank (Ende des 19. Jh. eingemeindet), des Weiteren die Ortschaften und Wohnplätze Rudow, Tannenhof, Wiesenthal, Sophienhof, Kiebitzbruch
Fürstensee (am 30. Januar 1992 eingemeindet),
Klein Trebbow mit den Ortslagen Groß Trebbow und Drewin (am 30. Januar 1992 eingemeindet)
Name
Der Name Neustrelitz (in älteren Schriften auch: Neu-Strelitz, N. Strelitz oder missverständlich einfach nur Strelitz) wurde vom Namen der Mutterstadt Strelitz abgeleitet, welche erst 1931 eingemeindet wurde.
Der Ortsname der Mutterstadt Strelitz geht auf altslawisch strělci (Schützen) zurück und war möglicherweise die Bezeichnung einer Dienstsiedlung, wie es sie im Mittelalter in Ostmitteleuropa mehrfach gab. Strelitz bedeutet damit „Ort der Schützen“ bzw. „Ort, wo die Schützen wohnen“.
Als Neuenstrelitz erscheint der Ort bereits am 20. März 1732 in einer Quittung, die der Hofgärtner und herzogliche Baumeister Julius Löwe einem Arbeiter ausstellte.
Seit dem Entstehen der sich entwickelnden neuen Residenz Neustrelitz wurde die alte Mutterstadt Strelitz zur besseren Unterscheidung umgangssprachlich immer häufiger als Alt-Strelitz bezeichnet, ohne dass es jedoch zu einer offiziellen Umbenennung gekommen wäre.
Strelitz trägt seit 1994 offiziell den Stadtteilnamen Strelitz-Alt.
Vorgeschichte (1701–1733)
Im Ergebnis des Hamburger Vergleichs (1701) erfolgte die Dritte Mecklenburgische Hauptlandesteilung.
Es entstanden die mecklenburgischen (Teil-)Herzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz.
Der erste Regent des Landesteils Mecklenburg-Strelitz war Herzog Adolf Friedrich II., der als nunmehr regierender Herzog von Mecklenburg-Strelitz eine standesgemäße Residenz und eine Hauptstadt für sein Herzogtum benötigte.
Nachdem der Herzog seine ursprüngliche Absicht, Neubrandenburg zur Landeshauptstadt zu machen, nicht umsetzen konnte, wählte er Strelitz als Hauptresidenz.
Zunächst wohnte er mit seiner ersten Gemahlin Herzogin Marie, geb. Prinzessin von Mecklenburg-Güstrow weiterhin im alten Strelitzer Wasserschloss, das beide bereits vor der Dritten Mecklenburgischen Hauptlandesteilung bewohnt hatten. Die Stadt Strelitz wurde zur Haupt- und Residenzstadt ausgebaut; es folgte die Ansiedlung von Hofbediensteten und Regierungsbehörden.
Die Lage änderte sich erst, nachdem Adolf Friedrich II. am 12. Mai 1708 gestorben war und dessen Sohn Adolf Friedrich III. regierender Herzog von Mecklenburg-Strelitz wurde. Zunächst wohnte dieser mit seiner Ehefrau Dorothea Sophie, geb. Prinzessin von Schleswig-Holstein-Plön, weiterhin im Strelitzer Residenzschloss – bis in der Nacht vom 24. zum 25. Oktober 1712 das Schloss und fast alle Nebengebäude niederbrannten.
Das Schloss wurde nicht wieder aufgebaut. Adolf Friedrich III. fehlte das nötige Geld für den Wiederaufbau; zudem sollen die Strelitzer Bürger dem Herzog die Hand- und Spanndienste verweigert haben.
Hinzu kam, dass dem Herzog und seiner Gattin der Standort des abgebrannten Schlosses im sumpfigen Gelände der feuchten und nebligen Strelitzer Niederung für einen zeitgemäßen Neubau im Stil des Barock ungeeignet schien.
Da der Herzog am Ufer des Zierker Sees im nahe gelegenen Glienecke seit 1710/11 ein kleines Jagdhaus besaß, ließen Herzog und Herzogin das „neue fürstliche Haus“ von 1726 bis 1731 zu einem hochherrschaftlichen barocken Residenzschloss um- und ausbauen und bezogen
sodann ihr neues Domizil.
Residenzstadt, Landeshauptstadt, Kreisfreie Stadt (1733–1933)
Da die Entwicklung von einer Siedlung für Hofbedienstete zu einer neuen Stadt dem regierenden Herzog Adolf Friedrich III. und dessen Ehefrau Dorothea Sofie nicht zügig genug voranschritt, erließ er am 20. Mai 1733 einen Aufruf an alle, die gewillt waren, sich dort anzusiedeln, und gewährte jedem Bauwilligen einen kostenfreien Bauplatz, kostenloses Bauholz und Steuerfreiheit für zehn Jahre.
Dieses Schriftstück wird heute als Gründungsurkunde der Stadt Neustrelitz angesehen, obwohl die ersten Wohngebäude schon Jahre zuvor entstanden waren.
In der Folgezeit kamen viele Handwerker in die Stadt, die selbst am Bau der Stadtkirche und weiterer Bauwerke mitwirkten. Zuvor war das erste Neustrelitzer Residenzschloss bereits von Neubürgern errichtet worden.
Noch um die Mitte des 18. Jahrhunderts gab man sich unentschlossen, ob Neustrelitz nur ein Stadtteil von Strelitz werden sollte oder eine eigene Stadt.
Auf die Ursprungsidee eines neuen Stadtteils deutet hin, dass für Neustrelitz die sonst im Stadtgründungsakt übliche Übertragung von kommunalen Selbstbestimmungs- und Selbstverwaltungsrechten an die neugegründete Stadt unterblieben war (bekannt als Stadtrecht). Damit blieb Neustrelitz auch weiterhin Teil des fürstlichen Grundbesitzes – des Domaniums.
Es gab keine gewählten Volksvertreter, und die Bürger hatten auch sonst zunächst kaum Mitspracherechte.
Folge davon war auch, dass Neustrelitz im politischen System des mecklenburgischen Staates bis zum Ende der Monarchie 1918 bedeutungslos blieb, während die benachbarte Mutterstadt Strelitz, die nahe gelegene Vorderstadt Neubrandenburg und alle anderen Landstädte des Strelitzschen Landesteils landtagsfähig waren und damit zumindest de jure an politischen Entscheidungen mitwirken konnten.
Der baufreudige Landesherr Herzog Adolf Friedrich IV. („Dörchläuchting“) ließ Neubrandenburg mit dem Baubeginn des Palais am Markt und dem Bau des Belvedere ab 1775 zur Sommer- und Nebenresidenz der Herzöge von Mecklenburg-Strelitz ausbauen.
Unter der Regierung der Großherzöge Georg (1816–1860) und Friedrich Wilhelm II. (1860–1904) wurde das Stadtbild von Neustrelitz durch Hofbaumeister Friedrich Wilhelm Buttel zwischen 1821 und 1869 durch die Errichtung markanter Bauwerke in eigenständiger, anmutiger Formensprache geprägt, die sowohl Stilelemente des Klassizismus als auch der Neogotik aufweisen.
Von 1913 bis 1916 entstand das Großherzogliche Parkhaus im neoklassizistischen Stil als privates Wohnhaus der Herzogsfamilie.
Es wurde vom letzten Großherzog des Landes Mecklenburg-Strelitz, Adolf Friedrich VI., als neue Residenz in Auftrag gegeben und von 1915 bis zu seinem Tod 1918 von ihm bewohnt.
Nach dem Ende der Monarchie war Neustrelitz von 1919 bis 1933 Landeshauptstadt des gleichnamigen Freistaates Mecklenburg-Strelitz.
Nach Eingemeindung der Stadt Strelitz (1931) war Neustrelitz bis 1946 kreisfreie Stadt.
Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945)
Am 30. Januar 1933 begann mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler die Zeit des Nationalsozialismus, im Folgenden kurz als NS-Zeit bezeichnet.
Am 1. Januar 1934 wurden die nur eineinhalb Jahrzehnte selbstständigen Länder Mecklenburg-Strelitz und Mecklenburg-Schwerin zum Land Mecklenburg wiedervereinigt.
Mit der Vereinigung verlor Neustrelitz die Funktion einer Landeshauptstadt.
Die Aufgaben ehemaliger Landesbehörden wurden 1934 nach Schwerin verlagert und das Hauptarchiv des früheren Landes Mecklenburg-Strelitz dorthin überführt; bis heute bildet es im Landeshauptarchiv Schwerin einen eigenen Bestand.
Die Kultureinrichtungen – das erst in den 1920er Jahren im Neustrelitzer Schloss eingerichtete Mecklenburg-Strelitzsches Landesmuseum und die bis ins 18. Jahrhundert zurückreichende Mecklenburg-Strelitzsche Landesbücherei – gerieten immer mehr ins Abseits.
Im Jahre 1934 öffnete im ehem. Residenzschloss mecklenburgischer Fürsten die „SA-Stammschule für Geländesport“.
Diese wurde 1935 in eine „Führerschule des Berliner-Institutes für Leibungsübungen“ der damaligen „Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin“ umgewandelt.
Von 1934 bis 1936 war die „Führerschule Neustrelitz“ eine zentrale Prüfungs- und Fortbildungsstätte für Sportlehrerinnen, Sportlehrer und Funktionäre im System der „nationalsozialistischen Leibeserziehung“.
Die Zielsetzung dieser Bildungseinrichtung wurde im Handbuch über den Preußischen Staat verdeutlicht:
„Dem Berliner Hochschulinstitut ist die Führerschule in Neustrelitz unterstellt.
Sie dient der Veranstaltung von zentralen Lehrgängen zur Einführung der Lehrer, Schulleiter und Schulaufsichtsbeamten in Sonderaufgaben der körperlichen Erziehung“ (Handbuch über den Preußischen Staat, 1938, S. 103).
Das „Konzept der nationalsozialistischen Leibeserziehung“, das während der NS-Zeit dort umgesetzt werden sollte, prägte der Sportfunktionär und -wissenschaftler Carl Krümmel.
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 erfolgte an der „Führerschule Neustrelitz“ nur noch die Ausbildung von Sportlehrerinnen.
Sowohl die Schule als auch das im Krieg eingerichtete Lazarett nutzten Räume im neuen Teil des Schlosses; im alten Schlossteil wurden 38 Räume weiterhin vom Mecklenburg-Strelitzschen Landesmuseum für Ausstellungszwecke genutzt. Noch vor Kriegsende zerstörte ein Großbrand das Neustrelitzer Schloss.
Seit 1935 war Neustrelitz wieder Garnisonsstadt für das ehemalige Infanterieregiment Döberitz
(später Infanterieregiment 48).
Dafür wurden neue Kasernen am Ende der Penzliner Straße sowie ein neues Offizierskasino (später Haus der Werktätigen) im Gelände der Schlosskoppel errichtet.
Die Bücherverbrennungen in Neustrelitz fanden 1933 auf dem heutigen Buttelplatz statt.
Die Heil- und Pflegeanstalt Domjüch war während der Zeit des Nationalsozialismus in die NS-Krankenmorde involviert.
Für die Opfer der Aktion T4 gibt es kein Erinnerungszeichen.
Nichts in der Stadt erinnert mehr an die Lager für Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg.
In Fürstensee, heute ein Stadtteil von Neustrelitz, befand sich eine Lufthauptmunitionsanstalt, in der einheimische Arbeiterinnen beschäftigt waren, und Häftlinge des KZ Ravensbrück arbeiten mussten.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann im NS-Staat die Verfolgung der Juden – in Alt- und Neustrelitz lebten zu dieser Zeit noch 50 Angehörige des Judentums.
Schon bald hingen an mehreren Geschäften in Altstrelitz Schilder mit der Aufschrift „Juden haben keinen Zutritt“ oder „Deutsche kauft nicht beim Juden“.
An den Wochenenden marschierten Marschkolonnen der SA durch den Stadtteil und riefen wiederholt im Sprechchor „Deutschland erwache, Juden raus“.
Der Antisemitismus in Neustrelitz wie auch in ganz Deutschland nahm für die Juden existenzbedrohliche Formen an.
Die Juden – wer im Deutschen Reich ab 1935 als „Jude“ galt, definierte die Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz – waren nach Inkrafttreten der Nürnberger Gesetze (1935) zunehmender Diskriminierung und nationalsozialistischem Terror ausgesetzt.
In den Frühstunden des 10. November 1938 – während der von den Nationalsozialisten organisierten Reichspogromnacht – wurde die Altstrelitzer Synagoge der Jüdischen Gemeinde in Brand gesetzt.
Der Zeitzeuge und Heimatforscher Klaus Giese berichtete über die Hintergründe:
„Allmählich sickerte die Wahrheit über die Brandstiftung durch. Danach waren drei jugendliche NS-Fanatiker von der NSDAP-Leitung Neustrelitz angefeuert worden, in ihrem Heimatort Strelitz mit Unterstützung der SA ein Exempel der ‚Volksempörung‘ zu statuieren.“
Am Vormittag, aber auch noch am nächsten Tag, wurden auf Veranlassung der Gestapo von der Neustrelitzer Polizei elf jüdische Frauen und acht Männer verhaftet, in das Altstrelitzer Gefängnis gebracht und vorübergehend in „Schutzhaft“ genommen.
Daraufhin setzte eine Auswanderungswelle ein.
Mit dem 15. Oktober 1941 begann die systematische Deportation deutscher Juden in den Osten.
Nur wer in „Mischehe“ lebte, blieb vorerst verschont.
Ab 23. Oktober 1941 war allen Juden die Auswanderung aus Deutschland verwehrt.
Am 12. November 1942 wurden die letzten 20 bis 24 jüdischen Einwohner – darunter auch Großstadtflüchtlinge – von Sammelpunkten in Alt- und Neustrelitz abgeholt und mit einem Eisenbahntransport in das KZ Theresienstadt gebracht.
Hier und nach weiterer Deportation starben 86 % (36.848 Tote) der deportierten Deutschen.
Die Ruine der Altstrelitzer Synagoge wurde abgerissen.
Nur der Jüdische Friedhof blieb erhalten.
Der Schriftsteller Helmut Sakowski äußerte in einem Zeitungsartikel:
„In ganz Mecklenburg haben kaum mehr als 5 Juden den Holocaust überlebt. Sie sind nicht imstande alle Friedhöfe zu pflegen.“
Am 29. April 1945 besetzte die Rote Armee Neustrelitz. Durch Brandstiftung wurden in der Nacht 29./30. April 1945 das Schloss Neustrelitz teilweise, das Theater, ein Pavillon auf dem Schlossplatz, das Alte Palais und das Kollegiengebäude ganz zerstört.
Im Stadtteil Strelitz-Alt wurde die Bausubstanz durch Kampfhandlungen und Brandstiftung zu etwa 85 % zerstört.
Der alte Stadtkern der früheren Stadt Strelitz wurde ein Opfer der Flammen.
Mit Inkrafttreten der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 war der Zweite Weltkrieg in Europa beendet.
Sowjetische Besatzung (1945–1949)
Nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland 1945 von den Alliierten in Besatzungszonen aufgeteilt; Mecklenburg gehörte von 1945 bis 1949 zur Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), die von der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) regiert wurde.
Die SMAD etablierte zunächst handlungsfähige Gemeindeverwaltungen.
Strelitz wurde so in den Jahren von 1945 bis 1946 für wenige Monate nochmals selbstständige Stadt.
Am 1. April 1946 verlor Neustrelitz seine Kreisfreiheit und wurde Kreisstadt des neuen Landkreises Neustrelitz.
Das vom sowjetischen NKWD genutzte Altstrelitzer Gefängnis kam am 7. August 1947 wieder in (quasi) deutsche Hände und war bis zur Schließung 2001 Justizvollzugsanstalt (JVA).
In der Sowjetischen Besatzungszone wurden nach dem Zweiten Weltkrieg die Truppen der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) dauerhaft stationiert – insgesamt sollen es in Neustrelitz ca. 25.000 Personen gewesen sein.
Neustrelitz war damit Standort der 16. Panzerdivision und Strelitz-Alt Standort des 66. Garde Fla Raketenregiments.
Nach der ergebnislosen Berliner Außenministerkonferenz (1954) über die Deutsche Frage erfolgte durch die Sowjetunion die ausdrückliche Anerkennung der DDR als souveräner Staat.
Vertraglich wurde dies am 20. September 1955 geregelt.
Die sowjetischen Truppen wurden aber nicht abgezogen, sondern verblieben als „Schutztruppen“ auf dem Staatsgebiet der DDR.
Erst im Zwei-plus-Vier-Vertrag wurde am 12. September 1990 zwischen den beiden deutschen Staaten und den Siegermächten des Zweiten Weltkrieges der Abzug der GSSD bis spätestens 1994 vereinbart.
Im Jahre 1993 erfolgte der Abzug der sowjetischen Truppen aus Neustrelitz.
In der Mitte des Neustrelitzer Marktplatzes erinnerte bis 1995 das weithin sichtbare, von einem Soldatenstandbild gekrönte Sowjetische Ehrenmal an die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Sowjetsoldaten.
Die Demontage erfolgte am 22. Mai 1995, nach Abzug der sowjetischen Truppen aus Neustrelitz (1993).
Das knapp 3,5 Meter hohe und rund fünf Tonnen schwere Soldatenstandbild kam zunächst in das Depot des städtischen Bauhofes in Neustrelitz-Kiefernheide; die umgebenden Soldatengräber wurden in den 1852 angelegten Englischen Garten – einen irrtümlich auch als „Prinzengarten“ bezeichneten abgegrenzten Bereich des Neustrelitzer Schlossparks – nahe dem Theater umgebettet.
Das Soldatenstandbild erlebt nun an anderer Stelle eine Renaissance. Es wurde auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne der Roten Armee an der Domjüch aufgestellt und dem Verein zur Erhaltung der Domjüch – ehemalige Landesirrenanstalt e. V. von der Stadt Neustrelitz als Dauerleihgabe überlassen.
Der restaurierungsbedürftige Soldat steht nun ohne Sockel, aber auf einem Fundament verankert, auf dem Vereinsgelände.
DDR-Zeit (1949–1990)
Das Neustrelitzer Residenzschloss der Herzöge von Mecklenburg-Strelitz war in der Nacht 29./30. April 1945 durch einen Großbrand zerstört worden.
Es blieben nur einige Umfassungsmauern übrig, die bis 1950 in mehreren Abschnitten gesprengt und abgetragen wurden. Einige noch vorhandene Keller dienten der Kreisverwaltung als Lager. Das Land Mecklenburg-Vorpommern beabsichtigt, diese einsturzgefährdeten Räume mit Sand zu verfüllen.
Am 1. Juli 1950 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Landshagen und Prälank nach Neustrelitz eingemeindet.
Bis in die 1970er Jahre hinein blieb Neustrelitz Sitz verschiedener Behörden des 1952 gebildeten Bezirkes Neubrandenburg.
Von 1952 bis 1990 war Neustrelitz Kreisstadt des Kreises Neustrelitz im vorgenannten Bezirk.
Am 17. Mai 1990 wurde aus dem Kreis der Landkreis Neustrelitz.
Mit der Großwohnsiedlung Kiefernheide wurden über 2650 Wohnungen zumeist in Plattenbauweise für rund 7000 Menschen geschaffen.
Zudem entstand innerhalb der Stadt in nördlicher Richtung am Rande eines großen ehemaligen Kasernenkomplexes das Wohngebiet Dr.-Schwentner-Straße mit circa 630 Wohnungen. Seit Herbst 1989 sank die Einwohnerzahl der Stadt um rund 5000 Personen – das sind etwa 25 Prozent der Gesamteinwohnerzahl.
Nach der Wiedervereinigung
Nach der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wurden gemäß Art. 1 Einigungsvertrag die im Ländereinführungsgesetz vorgesehenen fünf neuen Bundesländer gebildet.
Neustrelitz kam zum Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Bis 1994 war Neustrelitz Kreisstadt des Landkreises Neustrelitz, der 1994 zum Landkreis Mecklenburg-Strelitz wurde.
Seit der Kreisgebietsreform Mecklenburg-Vorpommern 2011 gehört sie zum Landkreis Mecklenburgische Seenplatte mit Sitz in der ehemaligen Bezirkshauptstadt Neubrandenburg.
In der Wirtschaftsstruktur von Neustrelitz gab es nach 1990 gravierende Veränderungen.
Aber auch die Infrastruktur der Stadt war von Veränderungen betroffen. Einige Schulen, wie z. B. die VII. Oberschule „Jawaharlal Nehru“ und die „Schule der sowjetischen Garnison“, mussten wegen Schülerrückgangs geschlossen werden; die Gebäude wurden später abgerissen.
Im Altstrelitzer Technikum – offiziell Ingenieurschule für Bauwesen Neustrelitz genannt – wurden von 1875 bis 1991 Bauingenieure ausgebildet.
In der Folge der Fachhochschule Neubrandenburg angegliedert, erfolgte später von dort die Weiterverlegung zur Hochschule Wismar.
Heute ist das denkmalgeschützte Gebäude Sitz der Stadtwerke Neustrelitz.
Das Altstrelitzer Gefängnis wurde 2001 in die Justizvollzugsanstalt Neustrelitz umgewandelt, in der Jugendliche und junge Erwachsene inhaftiert sind.
Seit 1991 werden im Rahmen der Städtebauförderung große Teile des historischen Stadtkerns der nach dem Bau des Glieneker Schlosses sternförmig angelegten früheren Residenzstadt saniert.
Restauriert wurden auch die Orangerie und die Schlosskirche.
Das Wohnumfeld im Stadtteil Kiefernheide wird seit 1993 verbessert und durch einen Stadtumbau seit 2000 neu strukturiert.
Gänzlich neue Wohnsiedlungen entstanden infolge von staatlich gefördertem Eigenheimbau nach 1990 unter anderem zwischen Schlangenallee und Wesenberger Chaussee (Wohngebiet Kalkhorst), auf den ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen zwischen der Woldegker Chaussee und Strelitz-Alt (Wohngebiet Woldegker Chaussee), in Zierke, am Heinrich-Schliemann-Weg und am Sandberg.
Zwischen 1991 und 2019 förderten Land, Bund und Stadt die Restaurierung des Stadtzentrums mit insgesamt rund 111 Millionen Euro.
Der Tourismus hat nach 1990 deutlich zugenommen.
Der Neustrelitzer Stadthafen bietet – nach dem Umbau des Hafens zum Wasserwanderrastplatz mit Hafenmeisterei – Liegeplätze für Boote, einen Reisemobilstellplatz, eine Anlegestelle für Ausflugsschiffe und gut ausgebaute Gastronomie direkt am Hafen oder in unmittelbarer Nähe am angrenzenden Zierker See.
Auch das Bau- und Kulturerbe der Stadt lockt Besucher, vor allem der Schlosspark und die historische Altstadt.
Seit 2019 wird gemäß einer Vereinbarung mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern das Schlossbergareal entwickelt.
Vom 11. bis 13. Oktober 2022 verlegte der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Rahmen seines Programms „Ortszeit“ seinen Amtssitz für drei Tage nach Neustrelitz.
Am 13. Oktober 2022 wurde dabei auf dem Marktplatz der slowenische Staatspräsident Borut Pahor mit militärischen Ehren empfangen.
Randnotizen zur Stadtgeschichte
Im Jahre 1787 fand in Neustrelitz die erste Volkszählung statt: In 317 Häusern wohnten damals 2873 Menschen.
Im Jahre 1732 wurde die erste Windmühle auf dem Sandberg und 1746 eine Windmühle „vor dem Zierker Tor“ gebaut. Im Jahre 1792 folgten zwei weitere auf dem Mühlenberg in Höhe der heutigen Mühlenstraße.


Wappen
„Gespalten; vorn in Rot ein aus einer silbernen Wolke am Spalt hervorgehender silberner rechter Frauenarm, bekleidet mit einem Puffärmel nebst Schleife, zwischen Daumen und Zeigefingerin einen diamantenbesetzten goldenen Ring haltend; hinten in Gold ein hersehender, golden gekrönter schwarzer Stierkopf mit aufgerissenem Maul, silbernen Zähnen, ausgeschlagener roter Zunge, in sieben Spitzen abgerissenem Halsfell und mit silbernen Hörnern.“
Wappenbegründung: Das wohl 1794 vom regierenden Herzog von Mecklenburg-Strelitz zusammen mit dem Siegel des Magistrats in der Residenzstadt Neustrelitz verliehene Wappen vereint zwei Herrschaftszeichen.
Mit dem Stargarder Arm soll auf die Zugehörigkeit der Stadt zur ehemaligen Herrschaft Stargard hingedeutet, mit dem Stierkopf als kleines landesherrliches Symbol des mecklenburgischen Herrscherhauses auf den Landesherrn als Gründer der einstigen Residenzstadt verwiesen werden.
Das Wappen wurde nach 1990 neu gezeichnet und unter der Nr. 216 der Wappenrolle des Landes Mecklenburg-Vorpommern registriert.
Dienstsiegel
Das Dienstsiegel zeigt das Stadtwappen mit der Umschrift „RESIDENZSTADT NEUSTRELITZ“.
Partnerstädte
Die älteste Partnerbeziehung besteht seit 1963 mit der finnischen Stadt Rovaniemi.
Seit 1987 bestehen partnerschaftliche Beziehungen zu der polnischen Stadt Szczecinek (deutsch Neustettin).
Im Jahre 1988, noch vor dem Zusammenbruch der DDR, wurde eine Städtepartnerschaft mit der Stadt Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg geschlossen.
Aus Anlass des Abzuges der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland folgte 1993 ein Freundschaftsvertrag mit der russischen Stadt Tschaikowski.
Bauwerke
Der historische Stadtkern von Neustrelitz mit vielen Baudenkmalen ist weitgehend erhalten. Das frühere Neustrelitzer Residenzschloss fiel 1945 in Folge von Brandstiftung den Flammen zum Opfer.
Die Ruine wurde anschließend abgerissen und das Schloss bisher nicht wieder aufgebaut. Dem Land Mecklenburg-Vorpommern gehören die Orangerie (Neustrelitz), das Landestheater Neustrelitz, der Schlosspark Neustrelitz und mehrere andere denkmalgeschützte Gebäude der Stadt.
Marktplatz
Neustrelitz wurde als Planstadt im Stil des Barock mit dem Neustrelitzer Marktplatz als Zentrum nahe dem bereits zuvor erbauten Residenzschloss des regierenden Herzogs angelegt, von dem quadratischen Platz führen acht Straßen sternförmig in alle Himmelsrichtungen.
Im Jahre 1866 wurde in der Mitte des Marktplatzes, ein von einem Rondell umgebenes Denkmal für Großherzog Georg errichtet, der Mecklenburg-Strelitz von 1816 bis 1860 regiert hatte.
Das Großherzog-Georg-Denkmal wurde während der DDR-Zeit im Jahr 1956 abgebaut und das Bronzestandbild des Großherzogs eingelagert; der Granitsockel wurde zerstört.
In der Marktplatzmitte wurde nun das Sowjetische Ehrenmal und ein Soldatenfriedhof für im Krieg gefallene Sowjetsoldaten angelegt.
Nach der Deutschen Wiedervereinigung und dem Abzug der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland wurde das Sowjetische Ehrenmal im Mai 1995 abgerissen und die auf dem umgebenden Soldatenfriedhof bestatteten Soldaten der Roten Armee in ein früher als „Englischer Garten“ bezeichnetes Areal des Neustrelitzer Schlossparks umgebettet.
Erst 1989 konnte das Bronzestandbild Großherzog Georgs auf dem ehem. Paradeplatz, dem heutigen Wilhelm-Buttel-Platz, auf einem neuen Sandsteinsockel wieder aufgestellt werden.
In den Jahren 2003 und 2004 wurden alle alten Bäume auf dem Neustrelitzer Marktplatz – trotz des Protestes vieler Neustrelitzer – gefällt, die Sträucher beseitigt und die Mitte des Marktplatzes nach einem vorangegangenen Architekturwettbewerb neu gestaltet.
Die Marktmitte wurde durchgehend gepflastert, neue Bäume wurden gesetzt und Bänke aufgestellt.
In der Mitte des Marktes erfreuen nun im Sommer Wasserspiele die Kinder von Einwohnern und Besuchern der Stadt.
Die neu gesetzten Eschen kümmerten jedoch in den Jahren bis 2025 vor sich hin.
Durch die Vergrößerung der Baumscheiben, das Fällen kranker Bäumen und Neupflanzungen soll sich dieser Zustand ab Herbst 2025 ändern.
Von der Vergrößerung der Baumscheiben verspricht sich die Stadtverwaltung bessere Wachstumsbedingungen für die verbleibenden und neu gepflanzten Bäume.
Mit dem Bau des am Marktplatz gelegenen Neustrelitzer Rathauses wurde 1841 begonnen.
Die Pläne für den Bau erstellte der Mecklenburg-Strelitzer Landesbaumeister Friedrich Wilhelm Buttel – ein Schüler des Architekten Karl Friedrich Schinkel und des Bildhauers Johann Gottfried Schadow.
Der Vorgängerbau war ein als Fachwerkbau errichtetes „Stadt- und Rathaus“ mit Mansarddach und einem Fachwerkturm.
Der Neubau ist ein zweigeschossiger massiver Putzbau im Stil der Renaissance – ein Gegenstück zur gegenüberliegenden Stadtkirche, deren Turm ebenfalls Buttels Werk ist (1828–1831).
Die Stadtkirche Neustrelitz wurde nach Plänen des Hofarztes Johann Christian Wilhelm Verpoorten als rechteckige Saalkirche (20 × 37 m) in Backstein mit umlaufenden Emporen errichtet.
Zu den Emporen führen Treppenhäuser, die die Vorbauten aufnehmen.
Ein nach allen Seiten abgewalmtes, steil aufragendes Ziegeldach fasst den rechteckigen Bau zusammen.
Die Grundsteinlegung erfolgte am 29. Juli 1768, die Weihe als „Stadtkirche“ am 5. November 1778.
2015 wurde die Außensanierung der Stadtkirche nach zweijähriger Bauzeit abgeschlossen.

Residenzviertel
Das Neustrelitzer Residenzschloss war als fürstliches Barockschloss für den regierenden mecklenburgischen Herzog Adolf Friedrich III. zwischen 1726 und 1731 unter Leitung von Julius Löwe errichtet worden, nachdem dessen altes Wasserschloss in Strelitz 1712 abgebrannt war.
In der folgenden Zeit wurde es mehrmals umgebaut.
Entscheidend erweitert wurde es zwischen 1905 und 1909. Der weithin sichtbare neuerbaute Schlossturm, der den alten mit dem neu erbauten Teil des Schlosses verband, bestimmte danach maßgeblich die Silhouette des Schlosses.
Nach 1918 wurde das einstige Residenzschloss mecklenburgischer Herzöge und Großherzöge Sitz des Landtags des Freistaates Mecklenburg-Strelitz.
In den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkrieges wurde das Neustrelitzer Residenzschloss durch Feuer zerstört, die Ruine wurde 1949 gesprengt und bis 1950 komplett abgetragen.
Nur die Kellergewölbe blieben erhalten.
Der Grundriss des einstigen Baus auf dem Schlossberg am Rande des Stadtzentrums wurden nach 1991 markiert.
Die Stadt Neustrelitz und das Land Mecklenburg-Vorpommern vereinbarten 2019, das Schlossareal wieder zu entwickeln.
Zunächst soll der am Ende des Zweiten Weltkrieges zerstörte, 51 m hohe Schlossturm seinem früheren Äußeren entsprechend wieder aufgebaut werden.
Nach Beräumung der noch erhaltenen, denkmalgeschützten Kellerräume des Schlosses sollen diese mit einer begehbaren Betondecke überspannt und begehbar gemacht werden.
Im Residenzviertel blieben verschiedene Gebäude erhalten und wurden inzwischen restauriert. Zu diesen gehören:
Die Schlosskirche wurde von 1855 bis 1859 von Friedrich Wilhelm Buttel als kreuzförmige und einschiffige Basilika im Stil der Neugotik unter Verwendung von gelben Backsteinen errichtet.
Die Figuren der vier Evangelisten am Hauptportal ebenso wie die Fensterrose dazwischen schuf der Bildhauer Albert Wolff.
Im Innenraum der Kirche ist die Holzdecke sehenswert.
Von der früheren Inneneinrichtung blieben nur Reste der Grüneberg-Orgel aus dem Jahr 1859 erhalten.
Die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde gab 1982 die Schlosskirche als Andachtsstätte auf.
Nach grundlegender Sanierung 2001 bietet das Gebäude jetzt als Plastikgalerie Schlosskirche Raum für Ausstellungen figürlicher Bildhauerei.
Das Georgsdenkmal, gewidmet Georg von Mecklenburg – von 1816 bis 1860 Großherzog von Mecklenburg im Landesteil Mecklenburg-Strelitz – stand bis 1956 auf dem Neustrelitzer Marktplatz.
Nach zwischenzeitlicher Einlagerung in einer Scheune auf dem Grundstück des früheren herzöglichen Forstministeriums in Altstrelitz wurde es nach der politischen Wende in Ostdeutschland in der Mitte des früher als Exerzierplatz für Apelle des herzöglichen Militärs genutzten Friedrich-Wilhelm-Buttel-Platzes aufgestellt.
Das klassizistische Kavaliershaus wurde im Bereich des ehem. Schlosshofes, zwischen 1726 und 1731 von Julius Löwe erbaut und durch F. W. Buttel 1828 mit einem Obergeschoss versehen.
2012/13 wurde das Gebäude restauriert und für die Nutzung durch das Straßenbauamt Neustrelitz umgebaut.
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Die Neustrelitzer Orangerie wurde 1755 als Winterquartier für tropische Pflanzen am Rande des Schlossparks errichtet.
Friedrich Wilhelm Buttel baute den eingeschossigen Bau unterstützt von Christian Daniel Rauch und Karl Friedrich Schinkel von 1840 bis 1842 zu einem der schönsten Gartensalons Norddeutschlands um.
Die drei großen Säle im Inneren wurden dabei beibehalten und in den Landesfarben Rot, Blau und Gelb gestaltet, wobei die Deckenmalereien und Arabesken im pompejanischen Stil gehalten wurden.
Rundbogennischen und Konsolen mit zahlreichen antiken Plastiken und Reliefs klassizistischer Bildhauer wie Christian Daniel Rauch und Bertel Thorvaldsen schaffen eine repräsentative Raumwirkung.
Im Gartens der Orangerie wurde eine Kopie der Bronzeplastik Der betende Knabe auf einer korinthischen Säule in der Mitte aufgestellt und der Kinderbrunnen von Albert Wolff vor der breiten Eingangsterrasse platziert.
Die gut erhaltenen Innenräumen werden als Restaurant und für Veranstaltungen genutzt.
Das Hobe-Haus gegenüber dem Landestheater, auch „Weißes Herrenhaus“ genannt, wurde 1740 erbaut. Im Festsaal befindet sich das Standesamt der Stadt.
Das Marienpalais an der Ecke Tiergartenstraße/Hertelstraße wurde zwischen 1850 und 1870 in zwei Bauetappen in den Formen der Berliner Bauschule (Schinkel–Nachfolge) erbaut.
1874 war das Palais Wohnsitz von Großherzogin-Witwe Marie, der Witwe des 1860 verstorbenen Großherzogs Georg.
Ab April 1950 beherbergte das ehem. Palais die Erweiterte Oberschule Clara Zetkin.
Von 1997 bis 2009 leerstehend, wurde das Gebäude teilweise vom Landestheater genutzt. Nach der Teilung in mehrere Wohneinheiten dient das ehemalige Palais heute wieder als Wohnhaus.



Das Landestheater Neustrelitz trug ab 1779 die Bezeichnung Mecklenburgisch-Strelitzsches Hoftheater und wurde nach dem Ende der Monarchie 1919 in Landestheater Neustrelitz umbenannt. Das heutige Gebäude wurde 1925–1928 errichtet, nachdem das frühere im Januar 1924 abgebrannt war.
Das Carolinenpalais wurde 1850 nach einem Entwurf F. W. Buttels im Tudorstil erbaut und der Herzogin Caroline gewidmet.
Der Marstall wurde 1846 nach einem Entwurf von Friedrich Wilhelm Buttel erbaut und bis um 1870 unter Baurat Richard vollendet.



Schlosspark
Der Neustrelitzer Schlosspark, Bindeglied zwischen Schloss, Stadt und Landschaft, entstand 1731/32 nach Plänen von Julius Löwe.
Später wurde der auf das Schloss ausgerichtete Barockgarten mehrfach umgestaltet und erweitert. Mit dem Hebetempel am Ende der erhaltenen barocken Sichtachse, dem auf einem Hügel errichteten Luisentempel im „Englischen Garten“ und einer Reihe von Kopien antiker und klassizistischer Bildwerke zeugt der Park vom Kunstgeschmack früherer Zeiten.
Die historische Gartenanlage wurde zwischen 2011 und 2019 umfänglich saniert und rekonstruiert.
Die Mittelachse des Parks findet ihre Fortsetzung in der Hauptallee des Tiergartens.
Dieser wurde 1721 südöstlich des Schlosses angelegt. Früher erfolgte der Zugang vom Residenzviertel aus durch das Hirschtor.
Es wurde zwischen 1824/1825 von F. W. Buttel als Portal errichtet und 1826 durch zwei von C. D. Rauch als Pendants ausgeführte Bronzehirsche ergänzt. Als Vorlage hatte Rauch Kupferstiche von J. E. Rieger verwendet.
Ziseliert wurden die Figuren in einer Pariser Werkstatt.
Der Hebetempel wurde in der Mitte des 19. Jahrhunderts als Point de vue im barocken Teil des Schlossparks auf dem Schnittpunkt von barocker Sichtachse und Tempelallee anstelle eines früheren Bauwerks errichtet.
In der Mitte des Tempels wurde 1856 eine Kopie der 1796 von Antonio Canova geschaffenen Hebe–Statue aufgestellt.
Der Luisentempel wurde 1891 als Gedächtnishalle für die 1810 auf Schloss Hohenzieritz verstorbene Königin Luise von Preußen errichtet.
Der klassizistische Tempel steht am Rande des Schlossparks auf einem um 1830 aufgeschütteten Hügel.
Als Baumaterial verwendete der Architekt Bernhard Sehring schlesischen Sandstein.
Im Inneren befindet sich eine Kopie der zweiten Fassung des 1827 von Christian Daniel Rauch geschaffenen Sarkophags mit der Grabststatue der Königin Luise.
Nach einem vom Original dieser Fassung genommenen Gipsabdruck, fertigte Rauchs Schüler Albert Wolff 1891 die im Luisentempel befindliche Kopie aus Carrara-Marmor an.

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Stadthafen am Zierker See
Unter Leitung des Mecklenburg-Strelitzschen Hofbaumeisters Friedrich Wilhelm Buttel wurde der Neustrelitzer Stadthafen (1840–1842) angelegt und der Kammerkanal (1840–1843)
als Wasserstraße zwischen Zierker See und Oberer Havel-Wasserstraße gebaut.
im Kammerspeicher (Am Stadthafen 5) befindet sich heute das Hotel/Restaurant „Alter Speicher“ und das Café „BOHN APARTE“ mit eigener Kaffeerösterei
im größten, am Hafenkai gelegenen Speichergebäude befinden sich heute im Erdgeschoss ein Restaurant, ein Cafė und die Hafengalerie; die Obergeschosse wurden zu Eigentumswohnungen um- und ausgebaut.
im an der Hafenzufahrt gelegene Speichergebäude befinden sich heute ausschließlich Eigentumswohnungen
Den ersten Getreidespeicher am Neustrelitzer Stadthafen ließ 1842 Getreidehändler Stüver aus Waren (Müritz) bauen, den zweiten 1846 Kaufmann Behn, der ebenfalls aus Waren (Müritz) stammte.
1852/53 ließ die Kammer von Mecklenburg-Strelitz als Bauherr, von Friedrich Wilhelm Buttel den Kammerspeicher bauen.
Der Kammerspeicher unterscheidet sich von den anderen Speichergebäuden am Stadthafen durch die Verwendung von hellgelben Backstein für das Außenmauerwerk, dem von Buttel für diesen Verwendungszweck bevorzugten Baumaterial.
Ein weiterer Speicher am Stadthafen wurde 1865 von den Getreidehändlern Reinke und Giese errichtet.
Der Stadthafen war vorwiegend ein Umschlagplatz für Holz und Getreide.
Ein Gleisanschluss an die Bahnstrecke Berlin–Stralsund verhalf dem Hafen Ende des 19. Jahrhunderts zu erneutem Aufschwung.
Der Hafen bietet nach dem Umbau zum Wasserwanderrastplatz 29 Liegeplätze für Boote, eine Hafenmeisterei mit Besucher-Infrastruktur und eine gut ausgerüstete Anlegestelle für Ausflugsschiffe.
In Nachbarschaft des Hafens befindet sich ein Caravanstellplatz.
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Uferbereich des Zierker Sees, zwischen Stadthafen und Weißer Brücke
Chinesischer Pavillon nahe der Weißen Brücke – Der 1821 aus Holz erbaute Pavillon wurde als großherzogliches Wäschespülhaus nach Plänen von Friedrich Wilhelm Buttel im Zierker See errichtet und ist auch heute noch vom Ufer über einen Steg zu erreichen.
Der Pavillon steht nach Absenkung des Wasserspiegels durch den Bau des Kammerkanals nicht mehr so weit wie früher im See. Er wird heute als Sommercafé genutzt.
ehemaliges großherzogliches Waschhaus mit Speicher – Das 1821 nach Plänen von Friedrich Wilhelm Buttel an der Useriner Straße erbaute Haus wird heute als Familienzentrum Neustrelitz genutzt.
Erlebniswelt Slawendorf am Zierker Seet – Auf dem als Familienfreizeit- und Erlebnisstätte genutzten, umzäumten Gelände befinden sich zahlreiche, unterschiedlich gestaltete Gebäude und Unterstände, die im slawischen Baustil errichtet wurden.
Der bisherige Träger, die IPSE GmbH, wurde 2022 aufgelöst, der Betrieb aber in Trägerschaft der Prokultur gGmbH mit Sitz in Berlin fortgeführt.


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Gebäudekomplex Tiergartenstraße/Ecke Töpferstraße
Zum Gebäudekomplex gehören das ehemalige großherzogliche Palais (Tiergartenstraße 5) und das 1865 nach einem Entwurf von Friedrich Wilhelm Buttel mit Gerichtssaal und Gefängnis erbaute ehem. Großherzogliche Landgericht
(Töpferstraße 13 a).
Das Gebäude Tiergartenstraße 5 wurde im 18. Jahrhundert als Bürgerhaus erbaut, dann vom Herzog angekauft und zunächst als Militärverwaltungsgebäude genutzt.
Später beherbergte es die großherzogliche Bibliothek mit Geheimen Archiv und den als „Georgium“ bekannten großherzoglichen Sammlungen (Münzen und Altertümer).
Zu DDR-Zeiten war das Gebäude Sitz einer Zweigstelle des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS).
Das ursprünglich für das Großherzogliche Landgericht 1865 erbaute Gefängnis im Hof des Gebäudekomplexes wurde vom MfS als Untersuchungshaftanstalt genutzt und ist heute ein Erinnerungsort, auf den schwarze Stelen am Straßenrand der Tiergartenstraße hinweisen.
Im Jahre 2015 wurde das rekonstruierte Palais-Hauptgebäude des Landessozialgerichts Mecklenburg-Vorpommern
(LSG M–V) und der Zweigstelle Neustrelitz des Amtsgerichtes (AG) Waren (Müritz).
Das LSG M–V war auf Grund der Gerichtsstrukturreform vom 2. März 2015 von Neubrandenburg hierher verlegt worden. Das Gebäude des ehem.Großherzoglichen Landgerichtes an der Töpferstraße war vor der Gerichtsstrukturreform Sitz des daraufhin aufgelösten Amtsgerichtes Neustrelitz und ist heute Nebengebäude des LSG M–V und der Zweigstelle des AG Waren (Müritz).
Der bisherige Träger, die IPSE GmbH, wurde 2022 aufgelöst, der Betrieb aber in Trägerschaft der Prokultur gGmbH mit Sitz in Berlin fortgeführt.



Sonstige Bauwerke
Jugendstilfassade Glambecker Straße 3
ehemalige Landesirrenanstalt Domjüch am Domjüchsee
ehemalige Alte Kaserne mit Reithalle an der Strelitzer Straße, von 1846 und 1857 nach Plänen von Friedrich Wilhelm Buttel, heute Einkaufszentrum Husarenmarkt
ehemalige Altstrelitzer Wasserturm, erbaut 1907 auf einer Anhöhe an der Fürstenberger Straße, Wahrzeichen des Ortsteils Strelitz-Alt, 1997 restauriert, temporär für Besucher geöffnet



ehemalige Luisenstiftung an der Mühlenstraße, erster Kindergarten in Mecklenburg-Strelitz, jetzt Privathaus
ehemalige Mädchenschule hinter der Stadtkirche von 1831
Katholische Kirche, von 1875 nach Plänen des Landbaumeisters Carl Rahne, und Denkmal für den 1944 hingerichteten Neustrelitzer Pfarrer Bernhard Schwentner (1891–1944)


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Das als Carolinenstift bezeichnete ehem. Krankenhaus wurde 1855 nach Renovierung eines vorhandenen Gebäudes am Hafen mit acht bis zehn Betten eröffnet. Zuvor hatte Herzogin Caroline zu Mecklenburg das Gebäude gekauft.
Schon bald wurde ein Neubau mit 60 Betten notwendig. Nach weiterem Ausbau waren Mitte der 1930er Jahre 150 Betten verfügbar. Ab 1947 erfolgte die Aufteilung in eine Chirurgische und Innere Abteilung. Später wurde um Gynäkologie-Geburtshilfe und Kinderheilkunde erweitert.
In den 1980er Jahren kam ein neues Bettenhaus mit einer Gesamtzahl von rund 160 dazu.
Nach Neubau eines Krankenhauses an der Penzliner Straße wurde das denkmalgeschützte Gebäude saniert und wird nun als Wohngebäude genutzt; das Bettenhaus wurde abgerissen.
ehemaliges Bankgebäude gegenüber der Orangerie, gebaut als Mecklenburg-Strelitzsche Hypothekenbank, zu DDR-Zeiten zeitweilig Zweigstelle der Staatsbank der DDR im Bezirk Neubrandenburg
ehemaliger Wasserturm Neustrelitz von 1901 am Glambecker See, an der Friedrich-Wilhelm-Straße, 2001 als Wohnung und Büro ausgebaut



ehemaliges Lyzeum für Mädchen am Christian-Daniel-Rauch-Platz, jetzt evangelische Grundschule
ehemaliges Haus der Werktätigen (HDW) unweit des Theaters, früher Offizierskasino, jetzt zum Wohnhaus umgebaut und baulich verändert
ehemaliges Bahnbetriebswerk mit fast original erhaltenem Ringlokschuppen
großes Wandbild im Stil des Sozialistischen Realismus als Intarsienarbeit in der ehemaligen Kantine des Bahnbetriebswerks
ehemaliges Schliemann-Gymnasium an der Glambecker Straße, erstes Gymnasium Carolinum, erbaut 1803–1807 von Friedrich Wilhelm Dunckelberg, jetzt Musikschule
Gedenkstätten, Kunst-Denkmäler und Gedenktafeln
Sowjetischer Ehrenfriedhof für im Zweiten Weltkrieg gefallene Soldaten der Roten Armee im früher als Englischer Garten bezeichneten Areal des Neustrelitzer Schlossparks
Jüdischer Friedhof in der Kernstadt von Neustrelitz beim Hauptbahnhof sowie Jüdischer Friedhof (Strelitz Alt) am Kalkhorstweg im Stadtteil Strelitz-Alt mit Gedenkstein an die Opfer der Shoa
Friedhof aus der Zeit nach 1945 am Rande des Neubaugebietes Kiefernheide in der Nähe der Pestalozzistraße
Neuer Friedhof Neustrelitz, Parkfriedhof mit verschiedenen Erbbegräbnissen, Ehrengräbern und einer Friedhofskapelle von Buttel
Mahnmal von 1949 an der Marienstraße für die Opfer des Faschismus
Zwei Gedenksteine an der Katholischen Kirche für den katholischen Pfarrer Bernhard Schwentner, der 1944 in Brandenburg-Görden ermordet wurde
Gedenktafel von 1988 an der Schloßstraße 5 für den bürgerlichen Antifaschisten Hans-Jürgen Graf von Blumenthal, der zum Widerstandskreis des Attentats vom 20. Juli 1944 gehörte und in Berlin-Plötzensee ermordet wurde
Gedenktafel von 1992 am Parkhaus, einer Villa an der Parkstraße 3, für den militärisch widerständigen Generalleutnant Hans von Sponeck, der 1944 ermordet wurde
Gedenkstein von 1968 am Bahnhofsvorplatz für den jüdischen Kommunisten Rudi Arndt, der 1940 im KZ Buchenwald ermordet wurde
Gedenkstein von 1988 am Alexanderplatz im Stadtteil Strelitz-Alt an die beim Novemberpogrom 1938 von den Nationalsozialisten niedergebrannte Synagoge
Gedenktafel am früheren Hotel Reichshof am Markt, letzter Aufenthalt Engelbert Humperdincks vor seinem Tod
1818 hatte die britische Königin Charlotte ihrer herzoglichen Familie in Mecklenburg-Strelitz eine Strelitzienstaude zum Geschenk gemacht. Die auch als Paradiesvogelblume bekannte Pflanze, die in der Orangerie am Schlossgarten ihren Platz fand, blühte dort erstmals 1822 als erste Pflanze ihrer Art in Deutschland.
1995 wurde die aus dem südlichen Afrika stammende farbenprächtige Blütenpflanze Stadtblume von Neustrelitz. Unterstützt vom Bürgerverein schuf der Künstler René Winter 2008 eine Edelstahlskulptur der Pflanze, die als Wahrzeichen der Stadt unweit des Schlossgartens in der Mitte des dort befindlichen Kreisverkehrs aufgestellt wurde.


Kunst und Kultur
Das Landestheater Neustrelitz mit 400 Zuschauerplätzen im Großen Haus ist die Stammspielstätte der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz.
Neben Musiktheater- und Schauspielinszenierungen werden auch philharmonische Konzerte und Ballettabende präsentiert.
Während der Sommermonate bildete der benachbarte Schlossgarten die Kulisse für die Festspiele im Schlossgarten. Seit der Sanierung des Parks und mit der Spielzeit 2013 wird der erhöht liegende Platz vor dem einstigen Kavaliershaus dazu genutzt.
Ein kleines, privat betriebenes Theater befindet sich am Hafen von Neustrelitz – das Inseltheater Helgoland.
Deutsche Tanzkompanie
Mit einem breiten Spektrum, das von klassischen bis modernem Tanztheater reicht, macht die Deutsche Tanzkompanie nicht nur regional, sondern auch bei Gastspielen deutschlandweit und im Ausland von sich reden.
Darüber hinaus wirkt das 1991 als gemeinnützige Stiftung gegründete Ensemble in vielen Produktionen des Neustrelitzer Theaters mit und veranstaltet in Neustrelitz Tanzkurse für Kinder und Erwachsene.
Der jüngsten Uraufführung „Luft“ im „Zyklus der Elemente“ folgt bereits im Juni 2025 die Doppel-Premiere „Momentum / Camille“, unter anderem mit eigenen Choreografien von Ensemblemitgliedern.
Museen und Galerien
Das Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz präsentiert seit dem 3. Oktober 2015 die Kultur und das historische Gedächtnis der Region unter dem Dach der Alten Post in der Schloßstraße.
In den Räumlichkeiten des sanierten Gebäudes befinden sich das Stadtmuseum, die heimatkundliche Sammlung des Karbe-Wagner-Archivs, das Archiv des Landestheaters Neustrelitz und die Stadtbibliothek.
Am 23. April 2016 wurde eine Dauerausstellung mit ca. 800 Exponaten zur Geschichte von Mecklenburg-Strelitz eröffnet.
In den Räumen des Stadtmuseums werden unter anderem Gemälde, Abbildungen und Einrichtungsgegenstände des Neustrelitzer Schlosses gezeigt, die vor der Zerstörung 1945 gerettet werden konnten, Plastiken des Bildhauers Christian Daniel Rauch und im monatlichen Wechsel Expositionen von Künstlern und Fundstücken aus der Region.
Die Plastikgalerie in der Schlosskirche zeigt von Mai bis Oktober in jährlich wechselnden Ausstellungen wertvolle Plastiken und Skulpturen.

Weitere Kultur- und Freizeitstätten
Kino Movie Star
Kulturzentrum Alte Kachelofenfabrik
Frauenchor Freundschaft, Konzertchor Neustrelitz, Männerchor Liedertafel 1846 (2020 aufgelöst), Singakademie Neustrelitz von 1840
Hans-Fallada-Klub
Alternative Musik- und Kunst-Festivals und weitere Veranstaltungen in der ehem. Landesirrenanstalt Domjüch
Tiergarten Neustrelitz, etwa 48 Hektar großer Tiergarten der Stadt Neustrelitz mit rund 450 Tiere darunter 40 vorwiegend heimische Arten
Veranstaltungen
Meist am letzten Maiwochenende findet seit dem Jahr 2000 jährlich das Indie-Rock-Festival Immergut Festival in Neustrelitz statt.
An der ehemaligen Landesirrenanstalt Domjüch gibt es mehrere Festivals und alternative Kulturveranstaltungen wie das Natürlich Irre Open-Air.
Im Rahmen der Festspiele im Schlossgarten werden seit 2001 jeden Sommer Freiluft-Operetten und Schauspielinszenierungen im/am Schlossgarten aufgeführt.
Orangerie, Schlosskirche und Stadtkirche Neustrelitz sind häufig Spielorte der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern.
Vom 20. bis 22. Juni 2014 war Neustrelitz Gastgeber des MV-Tages.
Unter dem Motto „Norddeutsch, natürlich, romantisch – das ist Mecklenburg-Vorpommern“ präsentierten sich auf dem Landesfest verschiedenste Aussteller mit Attraktionen für Einheimische und Besucher.
Im September 2015 wurde im Stadtteil Strelitz-Alt das 666. Jahr der Stadtgründung gefeiert. Höhepunkt der Feierlichkeiten war das 20. Stadtteilfest unter dem Motto Strelitz leuchtet auf.
Sport und Freizeit
Parkstadion (♁Lage), ab 1997 saniert und nach und nach auf die heutige Kapazität von 7000 Zuschauern ausgebaut
Rudolf-Harbig-Stadion (♁Lage)
Jahn-Sportpark Strelitz-Alt (♁Lage), Eröffnung am 20. Mai 1956 im Rahmen des Nationalen Aufbauwerks
Ehemaliger Sportplatz Neustrelitz (♁Lage)
Fußballvereine
Die TSG Neustrelitz spielte zwischenzeitlich in der zweitklassigen DDR-Liga und von 2012 bis 2018 in der Fußball-Regionalliga Nordost (4. Liga).
In der Fußball-Regionalliga Nordost gewann TSG Neustrelitz 2014 die Meisterschaft.
In der Saison 2023/24 spielt TSG Neustrelitz in der fünftklassigen Oberliga Nordost.
Weitere Fußballvereine sind die SpVgg Victoria Neustrelitz, der FC Neustrelitz 07 und der Strelitzer FC.
Sonstige Sportvereine
Der PSV Neustrelitz ist insbesondere im Volleyball erfolgreich
(2. Bundesliga Nord)
Tennisverein TC Neustrelitz
Wassersportverein WSV Einheit Neustrelitz
ESV Lok Neustrelitz mit der Abteilung Angeln
DLRG-Strelitz mit Mitgliedschaft im Schwimmverband
Fanfarenzug des Feuerwehrvereins Neustrelitz
Freibäder und kommunale Badestellen
Städtische Badeanstalt am Glambecker See (kurz Glammi genannt) nahe dem Zentrum mit Wasserwacht vom DRK Kreisverband Mecklenburgische Seenplatte
Badestelle am Großen Prälanksee in der Nähe des Wander- und Radweges um den Zierker See.
Badestelle am Großer Fürstenseer See im Ortsteil Fürstensee, etwa 10 km vom Stadtzentrum entfernt
Badestelle in Stadtnähe am Langen See
Badestelle an der zurückgebauten Altstrelitzer Badeanstalt am Domjüchsee

Infrastruktur
Rathaus Neustrelitz im Stadtkern, Markt 1
Standesamt im Prinzenpalais, Hertelstraße 12
Tourist- und Nationalparkinformation Neustrelitz, Strelitzer Straße 1
Straßenbauamt Neustrelitz im Kavaliershaus, Hertelstraße 8
Bildung
Allgemeinbildendes und altsprachlichen Gymnasium Carolinum von 1795 am Glambecker See.
Regionalschule Jawaharlal Nehru (UNESCO-Schule)
Integrierte Gesamtschule Walter Karbe
Grundschulen Kiefernheide, Sandberg, Daniel Sanders und die Evangelische Grundschule
Berufliche Schule
Volkshochschule (VHS) Mecklenburgische Seenplatte
Sonderpädagogisches Förderzentrum, die Schule für geistig Behinderte Tom Mutters
Musikschule Kon.centus
Polizeiaus- und -fortbildungszentrum Neustrelitz der Bundespolizei (BPOLAFZ NZ) mit ca. 250 Mitarbeitern und ständig ca. 300 Auszubildenden bzw. Seminarteilnehmern

Bibliotheken und Archive
Als Landeshauptstadt von Mecklenburg-Strelitz war Neustrelitz zugleich Sitz der Mecklenburg-Strelitzschen Landesbücherei, die mit dem Mecklenburg-Strelitzschen Hauptarchiv (Landesarchiv) und dem erst in den 1920er Jahren aus ehemals fürstlichen Sammlungen formierten Mecklenburg-Strelitzschen Landesmuseum eine Verwaltungseinheit bildete.
Die Landesbücherei (Landesbibliothek) war an der Schwelle des 19. Jahrhunderts aus verschiedenen fürstlichen Büchersammlungen formiert worden und fungierte lange als Mecklenburg-Strelitzsche Regierungsbibliothek sowie als Adressat für Büchergeschenke von Verlagen und Autoren.
Nach 1918 verlor die Landesbibliothek zunehmend an Bedeutung.
Die Bestandsergänzung stagnierte, und die Benutzerzahlen waren stark rückläufig.
Nachdem das Landesarchiv bereits 1934 ins heutige Landeshauptarchiv Schwerin überführt worden und das Landesmuseum bereits 1945 beim Schlossbrand weitgehend untergegangen waren, wurde schließlich auch die Landesbücherei 1950 aufgelöst und ihre Bestände auf verschiedene andere wissenschaftliche Bibliotheken aufgeteilt.
Die regionalkundliche Sammlung der Landesbibliothek verblieb dabei in der Neustrelitzer Stadtbibliothek.
Erhaltene Restbestände (ca. 2000 Bestandseinheiten) bilden später den Grundstock der landeskundlichen Präsenzsammlung der Stadt- und Bezirksbibliothek Neubrandenburg (heute: Regionalbibliothek Neubrandenburg) und zogen mit ihr in die damalige Bezirksstadt Neubrandenburg um.
Die Handschriftensammlung der Landesbücherei mit über 200 Exponaten gilt seit 1950 als verschollen.
Die Neustrelitzer Stadtbibliothek umfasst heute einen Bestand von rund 40.000 Medien.
Das Karbe-Wagner-Archiv beherbergt eine heimatkundliche Sammlung über Geschichte, Kunst, Natur, Persönlichkeiten, Druck- und Literaturwesen der Region sowie die Nachlässe oder Nachlassteile einzelner Heimatforscher aus der Region Mecklenburg-Strelitz wie Walter Karbe, Annalise Wagner, Walter Gotsmann, Hermann Schüßler, Reinhard Barby, Konrad Hustaedt und Friedrich Winkel.
Neben dem Neustrelitzer Stadtarchiv befindet sich in Neustrelitz auch das Kreisarchiv Mecklenburg-Strelitz.
Forschung
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) unterhält in Neustrelitz Zweigstellen des in Oberpfaffenhofen ansässigen Deutschen Fernerkundungsdatenzentrums sowie der Institute für Kommunikation und Navigation bzw. für Methodik der Fernerkundung.
Am Standort Neustrelitz-Kalkhorst befand sich jahrzehntelang eine Satelliten-Bodenstation, die nach der Wende durch das DLR weitergenutzt und erweitert wurde.
Annähernd 60 Wissenschaftler, Ingenieure und Angestellte sind am Neustrelitzer DLR-Standort beschäftigt, der an der Entwicklung des europäischen Satellitennavigationsprogramms Galileo beteiligt ist.
Am Standort des DLR Neustrelitz ist ein DLR School Lab eingerichtet, das Schülern verschiedener Altersstufen Experimente und Wissen rund um die Erforschung des Weltraums vermittelt.
Die Landesbücherei (Landesbibliothek) war an der Schwelle des 19. Jahrhunderts aus verschiedenen fürstlichen Büchersammlungen formiert worden und fungierte lange als Mecklenburg-Strelitzsche Regierungsbibliothek sowie als Adressat für Büchergeschenke von Verlagen und Autoren.
Im Landeszentrum für erneuerbare Energien Mecklenburg-Vorpommern (Leea MV) wird die Forschung zur Anwendung erneuerbarer Energien dargestellt; es gibt themenbezogene Schülerprogramme, Ausstellungen und entsprechende Veranstaltungen, ein Schülerlabor, eine XXL-Carrera-Bahn und im Außenbereich den Abenteuerspielplatz „Energie-Kraft-Werk“.
Die Dauerausstellung Ressourcenkammer Erde behandelt die Themen „Müritz-Ötzi“, Wald, Wasser, Sonne, Erdwärme, Wind und Biomasse.


Gesundheit
Das Neustrelitzer Krankenhaus, ein Grundversorger in Trägerschaft des DRK, steht am Rande der Stadt an der Penzliner Straße und umfasst die Abteilungen Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie-Geburtshilfe, Anästhesie, Intensivstation und Belegabteilungen für Urologie sowie HNO.
Der Neubau wurde im April 2010 mit 144 Betten eröffnet und ersetzt das Carolinenstift.
Seit 2012 hält das Haus 164 Betten vor. In enger Nachbarschaft befinden sich seit 2003 eine Wachkomastation sowie seit 2011 ein Altenpflegeheim mit einem angegliederten Hospiz, ebenfalls in Trägerschaft des DRK.
Neben dem Krankenhaus gibt es seit 1996 einen Luftrettungsstandort.
Zunächst wurde durch den Bundeswehrhubschrauber SAR 93, eine Bell UH-1D, die Versorgung gesichert, seit 2006 werden die Einsätze durch Christoph 48, einen Eurocopter EC 135 des ADAC, geflogen.
Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt hat in Neustrelitz ihren Sitz.

Wirtschaft und Verkehr
Bis zur deutschen Wiedervereinigung (1990) gab es in Neustrelitz einen für das Be- und Entladen von Lastschiffen genutzten Binnenhafen am Zierker See, der über eine Hafenbahn an das Schienennetz der Deutschen Reichsbahn angeschlossen war.
In der Stadt waren landwirtschaftliche Betriebe und Firmen des Maschinen- und Anlagenbaus ansässig.
Großenteils ausrüstungstechnisch veraltete und unrentable Betriebe und Einrichtungen wurden nach 1990 geschlossen, wie das Neustrelitzer Krankenhaus, der Elektroanlagenbau Neustrelitz (EAB), der Kraftfahrzeuginstandsetzungsbetrieb Neustrelitz (KIB), die Neustrelitzer Eisengießerei, die Bekleidungswerke Neustrelitz, der Landtechnische Anlagenbau Neustrelitz (LTA), die Technische Gebäudeausrüstung Neustrelitz (TGA) und die Maschinenfabrik Rogge; andere wurden in Größe und Mitarbeiterzahl stark reduziert, wie das Bahnbetriebswerk Neustrelitz, das von 1000 auf 70 Mitarbeiter schrumpfte.
Nur die Ostmecklenburgische Bahnwerk GmbH, die hier ein Instandhaltungswerk für Eisenbahnfahrzeuge betreibt, konnte ihre Tätigkeiten in reduzierter Form weiterführen.
Des Weiteren siedelte sich die Deutsche Post AG DHL mit dem Paketzentrum 17 hier an. Im Norden der Stadt hat die Firma IBC Solar einen 25 Hektar großen Solarpark errichtet.
In der Stadt sind auch einige größere Dienstleister angesiedelt, wie das Unternehmen KDW Neustrelitz.
Auch das 2010 eröffnete DRK-Krankenhaus Neustrelitz, die Neustrelitzer Stadtwerke, die Neustrelitzer Wohnungsgesellschaft mbH (neuwo), sowie Behörden wie das Straßenverkehrsamt, das Bundespolizeiaus- und Fortbildungszentrum, das Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern, die Jugendhaftanstalt Neustrelitz und die Arbeitsagentur sind wichtige Arbeitgeber in der Stadt.
Eine zunehmende Rolle im wirtschaftlichen Leben der Stadt spielt nach strukturellen Umwandlungen und Investitionen in die Infrastruktur, wie in den Stadthafen am Zierker See und in den Neustrelitzer Schlosspark, seit der politischen Wende im Osten Deutschlands auch der Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern für die Stadt Neustrelitz.
Hier ansässige Dienstleistungsunternehmen der Gastronomie und des Handels aber auch Kultureinrichtungen, wie das Landestheater Neustrelitz, können davon profitieren.
Namhafter Arbeitgeber in der Region ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt.
Das Einkaufszentrum Husarenmarkt entstand nach 2009 in der ehemaligen Artillerie- und Infanteriekaserne Neustrelitz.

Medien
Die zum Nordkurier gehörende Strelitzer Zeitung mit Sitz am Markt 7, ist die Lokalzeitung der Stadt und erscheint als Tageszeitung.
Dreiwöchentlich erscheint das amtliche Bekanntmachungsblatt Strelitzer Echo.
Der im Kabelfernsehen zu empfangene Regionalfernsehsender neu.eins berichtet regelmäßig unter anderem auch über Neustrelitz.
Verkehr
Neustrelitz bildet für den Eisenbahn-, Straßen- und Binnenschifffahrtsverkehr einen wichtigen Knotenpunkt im südlichen Mecklenburg-Vorpommern.
Straßenverkehr
In Neustrelitz kreuzen sich die Bundesstraßen 96, 193 und 198.
Die Bundesautobahn 20 (Rostock–Stettin) ist 36 km entfernt (Anschlussstellen Neubrandenburg-Ost und Neubrandenburg-Nord), die Bundesautobahn 19 (Berlin–Rostock) 52 km (Anschlussstelle Röbel/Müritz).
Zudem halten seit Juni 2015 in Neustrelitz am Rudi-Arndt-Platz (ZOB) auch Busse des Fernbusunternehmens FlixBus DACH, auf dem Weg von Greifswald nach Leipzig über Berlin, wo Anschlussmöglichkeiten vom und ins Vogtland bestehen.
Schienenverkehr
Neustrelitz Hauptbahnhof ist ein regionaler Eisenbahnknoten, an dem zahlreiche Eisenbahnstrecken zusammentreffen. Im Einzelnen sind dies die Berliner Nordbahn (Berlin–Neustrelitz–Neubrandenburg–Stralsund), die Bahnstrecke Neustrelitz–Rostock–Warnemünde (Lloydbahn), sowie die nur noch auf dem Abschnitt bis Mirow befahrene Bahnstrecke Wittenberge–Strasburg.
Die Bahnstrecke Neustrelitz–Feldberg wurde im Dezember 2000 stillgelegt.
Seitdem verkehrt im Personenverkehr die Buslinie 619 parallel zur Strecke.
Durch den Integralen Taktfahrplan bestehen in Neustrelitz stets zur vollen Stunde verschiedene Umsteigemöglichkeiten. Im Fernverkehr hält neben dem seit dem 10. Juni 2007 verkehrenden ICE-Zugpaar von Rostock nach München (Linie 28, teilweise weiter bis Innsbruck) auch seit 2014 ein EuroCity-Zugpaar zwischen Rostock Hbf und Prag.
Für den Güterverkehr existiert mit dem Südbahnhof ein separater Güterbahnhof.

Öffentlicher Personennahverkehr
Das örtliche Busunternehmen B.B.-Reisen bedient den Stadtverkehr Neustrelitz für die Mecklenburg-Vorpommersche Verkehrsgesellschaft (MVVG).
Das Stadtbusnetz erschließt auf vier Linien die inneren Stadtteile. Für die Verbindung mit dem Umland sorgen verschiedene regionale Buslinien der MVVG, die am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) vor dem Hauptbahnhof zusammentreffen.
Dreiwöchentlich erscheint das amtliche Bekanntmachungsblatt Strelitzer Echo.
Verbindung mit überregionalen Gewässern
Verkehr
Neustrelitz bildet für den Eisenbahn-, Straßen- und Binnenschifffahrtsverkehr einen wichtigen Knotenpunkt im südlichen Mecklenburg-Vorpommern.
Straßenverkehr
In Neustrelitz kreuzen sich die Bundesstraßen 96, 193 und 198.
Die Bundesautobahn 20 (Rostock–Stettin) ist 36 km entfernt (Anschlussstellen Neubrandenburg-Ost und Neubrandenburg-Nord), die Bundesautobahn 19 (Berlin–Rostock) 52 km (Anschlussstelle Röbel/Müritz).
Zudem halten seit Juni 2015 in Neustrelitz am Rudi-Arndt-Platz (ZOB) auch Busse des Fernbusunternehmens FlixBus DACH, auf dem Weg von Greifswald nach Leipzig über Berlin, wo Anschlussmöglichkeiten vom und ins Vogtland bestehen.
Schienenverkehr
Neustrelitz Hauptbahnhof ist ein regionaler Eisenbahnknoten, an dem zahlreiche Eisenbahnstrecken zusammentreffen. Im Einzelnen sind dies die Berliner Nordbahn (Berlin–Neustrelitz–Neubrandenburg–Stralsund), die Bahnstrecke Neustrelitz–Rostock–Warnemünde (Lloydbahn), sowie die nur noch auf dem Abschnitt bis Mirow befahrene Bahnstrecke Wittenberge–Strasburg.
Die Bahnstrecke Neustrelitz–Feldberg wurde im Dezember 2000 stillgelegt.
Seitdem verkehrt im Personenverkehr die Buslinie 619 parallel zur Strecke.
Durch den Integralen Taktfahrplan bestehen in Neustrelitz stets zur vollen Stunde verschiedene Umsteigemöglichkeiten. Im Fernverkehr hält neben dem seit dem 10. Juni 2007 verkehrenden ICE-Zugpaar von Rostock nach München (Linie 28, teilweise weiter bis Innsbruck) auch seit 2014 ein EuroCity-Zugpaar zwischen Rostock Hbf und Prag.
Für den Güterverkehr existiert mit dem Südbahnhof ein separater Güterbahnhof.
Öffentlicher Personennahverkehr
Das örtliche Busunternehmen B.B.-Reisen bedient den Stadtverkehr Neustrelitz für die Mecklenburg-Vorpommersche Verkehrsgesellschaft (MVVG).
Das Stadtbusnetz erschließt auf vier Linien die inneren Stadtteile. Für die Verbindung mit dem Umland sorgen verschiedene regionale Buslinien der MVVG, die am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) vor dem Hauptbahnhof zusammentreffen.
Verbindung mit überregionalen Gewässern
Über den Kammerkanal besteht eine schiffbare Verbindung mit überregionalen Gewässern.
Der Kanal verbindet den Zierker See, an dem die Stadt Neustrelitz liegt, mit dem Woblitzsee.
Von diesem Havelsee, an dem die Stadt Wesenberg liegt, können Schiffe über die Obere Havel-Wasserstraße und die anschließenden Wasserstraßen bis zur Ostsee, in die Müritz oder in die Berliner Gewässer gelangen.
Der Woblitzsee, der Kammerkanal und der Zierker See bis Neustrelitz (km 94,4) sind Teilstrecken der Oberen Havel-Wasserstraße.



die kNesset
palarment des jüdischen volkes
Die Knesset (Ivrit כְּנֶסֶת ‚Versammlung‘) ist das Einkammerparlament des Staates Israel in Givʿat Ram, Jerusalem.
Es besteht aus 120 Abgeordneten, die für eine Legislaturperiode von vier Jahren nach dem Verhältniswahlrecht bei einer Sperrklausel von 3,25 Prozent gewählt werden.
Die Knesset trat am 14. Februar 1949 zu ihrer ersten Sitzung zusammen.
Die Wahl zur 25. Knesset fand am 1. November 2022 statt.
31° 46′ 36.1″ N, 35° 12′ 18.7″ E
Der Name Knesset und die Zahl von 120 Abgeordneten leiten sich von der Knesset Ha-Gdola ab, der Großen Versammlung, wie sie in der Bibel im Buch Nehemia beschrieben wird.
Diese jüdische Ratsversammlung tagte im 5. Jahrhundert v. Chr. unter Esra und Nehemia in Jerusalem, das heißt nach der Rückkehr der Juden aus dem Babylonischen Exil.
Organisation und Gepflogenheiten der Knesset sind stark von den Zionistischen Weltkongressen der World Zionist Organization beeinflusst.
Anleihen wurden auch beim Parlament Palästinas des Jischuv während der Mandatszeit genommen; außerdem diente das britische Unterhaus als Vorbild für die Geschäftsordnung.
Der provisorische Staatsrat nahm am 14. Mai 1948, dem Tag der Unabhängigkeitserklärung, seine Tätigkeit auf.
Er diente als Legislative und Exekutive, bis Wahlen abgehalten werden könnten.
Der provisorische Staatsrat bestand aus 38 Mitgliedern und 27 Stellvertretern, sein Präsident war Chaim Weizmann.
Auch wurde eine provisorische Regierung unter David Ben-Gurion gebildet.
Der Unabhängigkeitskrieg verhinderte zunächst die geplanten Wahlen, die erst am 25. Januar 1949, also neun Monate nach der Unabhängigkeitserklärung, abgehalten wurden.
Am 15. Schewat 5709, am Tu biSchevat, dem Neujahrsfest der Bäume nach dem jüdischen Kalender, das ist der 14. Februar 1949, trat schließlich die Verfassunggebende Versammlung zusammen.
Sie wählte Yosef Sprinzak zu ihrem Präsidenten.
Am 16. Februar gab sich die Versammlung den Namen „Knesset“.
Wahlsystem
Die 120 Abgeordneten werden auf vier Jahre gewählt. Wahlberechtigt ist jeder Bürger, der älter als 18 Jahre ist. Gewählt werden kann man ab Vollendung des 21. Lebensjahres. Seit 1985 ist gesetzlich festgelegt, dass niemand gewählt werden kann, der das Existenzrecht Israels verneint oder rassistische Positionen einnimmt.
Am 31. Oktober 2007 beschloss die Knesset ein Gesetz, wonach das passive Wahlrecht entzogen werden kann, wenn ein feindliches Land ohne Erlaubnis besucht wurde.
Das ganze Land bildet einen gemeinsamen Wahlkreis.
Die meisten Parteien halten Vorwahlen ab.
Parteien, welche die am 11. März 2014 von 2 % auf 3,25 % erhöhte Sperrklausel überwinden, erhalten nach den Prinzipien der Verhältniswahl aus einer starren Liste Sitze nach dem Divisorverfahren mit Abrundung zugeteilt.
Dieses Höchstzahlverfahren nach D’Hondt heißt in Israel Bader-Ofer-Methode.
Parteien können Listenverbindungen eingehen, an denen nicht mehr als zwei Listen beteiligt sein dürfen.
In diesem Fall werden ihre Stimmen für die Sitzverteilung zusammengezählt, sofern beide die Sperrklausel überwinden.
Innerhalb der Listenverbindung werden die Sitze nach dem Bader-Ofer-Verfahren (D’Hondt-Verfahren) verteilt.
Die niedrige Sperrklausel, die bis 1988 nur 1 Prozent, von 1992–2003 1,5 Prozent und 2006–2013 2 Prozent betrug, bewirkt, dass im israelischen Parlament viele und heterogene Parteien vertreten sind.
Meist sind mehr als zehn Listenverbindungen in der Knesset vertreten. Nur einmal, in der achten Knesset von 1973 bis 1977, gab es lediglich neun Fraktionen.
Die Knesset wird turnusgemäß alle vier Jahre neu gewählt.
Vorzeitige Neuwahlen können abgehalten werden, wenn sich das Parlament mit einem Sondergesetz mit einfacher Mehrheit selbst auflöst und einen neuen Wahltermin festsetzt, wenn das Haushaltsgesetz nicht innerhalb einer festgelegten Frist verabschiedet wird oder wenn der Staatspräsident auf Empfehlung des Premierministers das Parlament auflöst.

der reichstag
palarment der CHRISTEN
Das Reichstagsgebäude (umgangssprachlich kurz: Reichstag; offiziell: Plenarbereich Reichstagsgebäude; inoffiziell auch Bundestag oder Wallot-Bau) am Platz der Republik in Berlin ist seit 1999 Sitz des Deutschen Bundestages.
Seit 1994 tritt hier auch die Bundesversammlung zur Wahl des deutschen Bundespräsidenten zusammen.
Der Bau, ein Nationalsymbol Deutschlands, wurde nach Plänen des Architekten Paul Wallot zwischen 1884 und 1894 im Stil der Neorenaissance im Ortsteil Tiergarten am linken Ufer der Spree errichtet.
Er beherbergte sowohl den Reichstag des Deutschen Kaiserreiches als auch den der Weimarer Republik.
Zunächst tagte dort auch der Bundesrat des Kaiserreichs. Nach schweren Beschädigungen durch den Reichstagsbrand von 1933 und den Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude in den 1960er Jahren in modernisierter Form wiederhergestellt und diente Ausstellungen und Sonderveranstaltungen.
Von 1995 bis 1999 wurde der Reichstag für die 1991 beschlossene dauerhafte Nutzung als Parlamentsgebäude von Norman Foster grundlegend umgestaltet.
Am 19. April 1999 fand die Schlüsselübergabe an Bundestagspräsident Wolfgang Thierse statt.
Seither tagt dort der Deutsche Bundestag.
Eine Landmarke im Stadtbild ist die begehbare Glaskuppel über dem Plenarsaal nach einer Idee von Gottfried Böhm.
Der Reichstag gilt mit jährlich fast drei Millionen Besuchern als das weltweit meistbesuchte Parlamentsgebäude.
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die neue weltweite währung der juden die kommenden 30.000 "rosch talente"
Das Gleichnis von den anvertrauten Talenten
(Matthäus 25,14-30)
ist eine Parabel Jesu über Verantwortung und Einsatz.
Ein Talent war damals eine sehr hohe Geldsumme, entsprechend etwa 20 Jahreslöhnen.
Die Kernaussage ist, anvertraute Gaben (Talente) und Möglichkeiten aktiv zu nutzen, anstatt sie aus Angst zu vergraben.
Hauptaspekte des Gleichnisses:
Investition statt Trägheit: Zwei Knechte vermehren ihr Geld, einer vergräbt es aus Angst. Die aktiven Knechte werden belohnt, der inaktive als „faul“ bestraft.
Bedeutung von "Talent": Ursprünglich eine Währungs- und Gewichtseinheit
(ca.Silber oder Gold).
Heute steht es metaphorisch für Begabungen, Fähigkeiten und Zeit, die Gott gegeben hat.
Der "Matthäus-Effekt": Das Gleichnis endet mit dem Prinzip: „Denn wer etwas hat, dem wird noch viel mehr gegeben...“.
Eigenverantwortung:
Das Gleichnis ermutigt dazu, Gaben zum Guten zu nutzen und sich nicht vor Verantwortung zu drücken, sondern aktiv am „Reich Gottes“ mitzuwirken.
Das Gleichnis ist ein Appell zur Lebensgestaltung, das eigene Potenzial aktiv zu nutzen, anstatt es aus Furcht vor Fehlern zu verstecken.
Die kommenden "Rosch Talente" werden sowohl aus Metall, Carbonanteilen und einen Chip tragen mit dem Bildnis von Gal Gadot und Yaron Versano und natürlich als hybride Bargeldwährung.
Die neue 2.Parallelwährung neben dem nationalen und biblischen Schekel, werden die Rosch Talente international akzeptiert werden auf Geheiß der Heiligen Familie, so die Verheißung
Jesu Christi - Gordon Rusch.
Meistens in Israel und den Städten in Europa
aber auch darüber hinaus, als Vollgeldwährung!
Jeder Jude bekommt nach dem Scheitern der Schekel einmalig 30.000 Rosch Talente zum Start ins Reich Gottes.
2% Zinssatz
Dafür verpflichtet sich Israel einen neuen Kanal mit den Holländern zwischen dem Mittelmeer und dem Roten Meer zu bauen.
Die Börse in Tel Aviv bleibt bis zur Inbetriebnahme des Kanals geschlossen!
Und danach wird mit dem jüdischen Rat in Berlin ein neuer Index erstellt mit 30 Aktienunternehmen für 100 Jahre, aber ohne israelische Rüstungsfirmen und Softwarefirmen!
Grüne Infrastruktur, BIaue Infrastruktur, Energie, Transport, Raumfahrt,
bitte ohne Dividendenausschüttungen und Aktionärsversammlungen!
Zusammen mit Deutschland wird das "Abrahamic Internet" erbaut
im Zentrum ist die Wix-Plattform und SAP ohne Börsen-listing!
Das Königreich Israel treten nach Kriegsende mit dem Iran der Europäischen Union bei, auch deine direkten Nachbarländer Libanon, Jordanien und Ägypten als Freistaaten oder Monarchien!



die neue weltweite währung der CHRISTEN die kommende 36.000 "rote kreuzer"
Das Gleichnis von den anvertrauten Talenten (D-Mark)
(Buch des Lammes - geheime Evangelien)
ist eine Parabel Jesu über Verantwortung und Einsatz.
Ein Talent war damals eine sehr hohe Geldsumme, entsprechend etwa 20 Jahreslöhnen.
Die Kernaussage ist, anvertraute Gaben (Kreuzer) und Möglichkeiten aktiv zu nutzen, anstatt sie aus Angst zu vergraben.
Hauptaspekte des Gleichnisses:
Investition statt Trägheit: Zwei Knechte vermehren ihr Geld, einer vergräbt es aus Angst. Die aktiven Knechte werden belohnt, der inaktive als „faul“ bestraft.
Bedeutung vom "Kreuzer":
Ursprünglich eine Währungs- und Gewichtseinheit
(ca.Silber oder Gold).
Heute steht es metaphorisch für Begabungen, Fähigkeiten und Zeit, die Gott gegeben hat.
Der "Markus-Effekt": Das Gleichnis endet mit dem Prinzip:
„Denn wer etwas hat, dem wird noch viel mehr gegeben...“.
Eigenverantwortung:
Das Gleichnis ermutigt dazu, Gaben zum Guten zu nutzen und sich nicht vor Verantwortung zu drücken, sondern aktiv am „Reich Gottes“ mitzuwirken.
Das Gleichnis ist ein Appell zur Lebensgestaltung, das eigene Potenzial aktiv zu nutzen, anstatt es aus Furcht vor Fehlern zu verstecken.
Die kommende "Rote Kreuzer" werden sowohl aus Metall, Carbonanteilen und einen Chip tragen mit dem Bildnis von Lena Meyer-Landrut und Gordon Rusch und natürlich als hybride kontinentale Bargeldwährung für das Klosterleben in Europa.
Die neue Währung wird international akzeptiert werden auf Geheiß der Heiligen Familie.
Meistens in Deutschland und den Städten in Europa
aber auch darüber hinaus, als Vollgeldwährung neben der nationalen D-Mark, so die Verheißung Maria Magdalenas!
Jeder Christ bekommt nach dem Scheitern des Euro einmalig 36.000 Rote Kreuzer zum Start ins Reich Gottes.
2% Zinssatz
Dafür verpflichtet sich Russland den Krieg mit der Ukraine zu benden.
Die Börse in Moskau bleibt bis zur Inbetriebnahme des Kanals in Israel geschlossen!
Und danach wird mit dem politische Rat in Berlin ein neuer Index erstellt mit 40 Aktienunternehmen für 100 Jahre, aber ohne deutsche Rüstungsfirmen und Telekomfirmen!
Grüne Infrastruktur, BIaue Infrastruktur, Energie, Transport, Raumfahrt,
bitte ohne Dividendenausschüttungen und Aktionärsversammlungen!
Zusammen mit Deutschland wird das "Russia Today Internet" erbaut
im Zentrum ist die SYSTEMA-Plattform und SAP ohne Börsen-listing!



Psalm 25
Gebet um Gottes Vergebung und Leitung
1 Von David. Nach dir, HERR, verlangt mich. 2 Mein Gott, ich hoffe auf dich; lass mich nicht zuschanden werden, dass meine Feinde nicht frohlocken über mich. 3 Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret; aber zuschanden werden die leichtfertigen Verächter. 4 HERR, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige! 5 Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich! Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich. 6 Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind. 7 Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, HERR, um deiner Güte willen! 8 Der HERR ist gut und gerecht; darum weist er Sündern den Weg. 9 Er leitet die Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg. 10 Die Wege des HERRN sind lauter Güte und Treue für alle, die seinen Bund und seine Zeugnisse halten. 11 Um deines Namens willen, HERR, vergib mir meine Schuld, die da groß ist! 12 Wer ist es, der den HERRN fürchtet? Er wird ihm den Weg weisen, den er wählen soll. 13 Der wird im Guten wohnen, und seine Kinder werden das Land besitzen. 14 Am Rat des HERRN haben teil, die ihn fürchten; und seinen Bund lässt er sie wissen. 15 Meine Augen sehen stets auf den HERRN; denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen. 16 Wende dich zu mir und sei mir gnädig; denn ich bin einsam und elend. 17 Die Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöten! 18 Sieh an meinen Jammer und mein Elend und vergib mir alle meine Sünden! 19 Sieh, wie meiner Feinde so viel sind und zu Unrecht mich hassen. 20 Bewahre meine Seele und errette mich; lass mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich! 21 Unschuld und Redlichkeit mögen mich behüten; denn ich harre auf dich. 22 Gott, erlöse Israel aus aller seiner Not!


25 - DER GOTTESSTAAT IM AUFTRAG DES HERRN Die Verantwortung des Christentums für die Ganze Gemeinde Religionsreform durch Papst Leo 14 Das Reich der Ewigkeit - Das ewige Friedensreich - Christlich - Jüdisch - Kirche - Staat Powered by VoIP - EASYBELL - 1&1 - GALILEO SYSTEMS - Babelsberg Film Studios - Copyright © 2026
























